Neffen & Nichten

Kurze Einschätzung: Das Neffen & Nichten ist ein klassischer Grauzonenladen. Er versucht sich nach Außen hin gegen Nazis abzugrenzen (insgesamt sehr halbherzig – mit einem totalitären Text gegen alle rechten und linken Extremisten, angeblichen Naziklamottenverbot im Laden – was nachweislich nicht stimmt in der Umsetzung – und neuerdings einer Gummipuppe auf der Konzertbühne mit der Aufschrift „Kein Sex mit Nazis“). Bei einer genaueren Betrachtung der BesucherInnen des Neffen und Nichten, der Klamotten die von Ihnen getragen werden und der Musik die dort gehört wird, zeigt sich ebenso wie bei einer Analyse der Myspaceseite, dass dieser Laden keineswegs so unpolitisch ist, wie er vorzuspiegeln scheint. Vom Publikum werden immer wieder einschlägige rechte Marken getragen wie u.a. Thor Steinar – zudem werden jede Menge rechtsoffene bis rechte Band T-Shirts getragen von Frei.Wild bis Haggis. Auch problematische Symboliken wie Thorshämmer werden zahlreich zur Schau gestellt. Das Publikum selber setzt sich aus einer wilden Mischung von Deutsch-Rock-Fans über Oi!-„Skinheads“, Metalfans, Böhse Onkelz Supportern und Hooligans (vornehmlich aus dem Spektrum des BFC) zusammen. Bei dieser Zusammensetzung ist es nicht verwunderlich, dass laut verschiedener Augenzeugenberichte auch immer wieder einschlägig bekannte Kader aus der Pankower Naziszene im Neffen und Nichten anzutreffen sind, die dort auch scheinbar schon mehrfach versuchten Propaganda zu verteilen bzw. neue Leute anzuwerben. Es soll aber auch schon zu Auseinandersetzungen unter dem Publikum wegen unterschiedlicher politischer Ansichten gekommen sein. Ein großes Problem stellt auf jeden Fall auch noch die Auswahl der Bands im Neffen und Nichten dar, da dort in der Vergangenheit wiederholt Bands aus der Grauzone auftraten (Stärkste Minderheit, Enorm, Zugriff, Maul Halten, Gerbenok u.a.), die sich bei genauerer Betrachtung ziemlich nah am rechten Rand bewegen. Und genau hier liegt das Hauptproblem (welches sich auch hervorragend anhand der Myspacefreundesliste vom Neffen und Nichten mit zahlreichen Verlinkungen von Kategorie C über Trabireiter bis hin zu Rebellion Records und v.a. rechtsoffenen bis klar rechten Bands/Labels und Fanzines belegen lässt): nicht nur die Gäste des Ladens sind teilweise mehr als problematisch – ich würde es mal ein rechtsalternatives Publikum mit stellenweise rechtsextremen Einstellungen nennen – auch die Ladenbetreiber selbst verlinken rechte und rechtsoffenen bzw. stark patriotische Bands und andere Projekte. Der Laden stellt somit eine politisch größere Gefahr dar, als ein einschlägiger Kameradschaftsabend in der Kneipe XY, da hier eine Art rechtsalternative/rechtsoffene Erlebniswelt geschaffen wird, wo sich aufgrund der hauptsächlich gespielten Musik vorhandene politische Einstellungsmuster durchaus verstärken können und bei starken Alkoholkonsum und dem Aufputschen durch organisierte Rechtsextreme jederzeit auch entsprechende Handlungsmuster an den Tag gelegt werden können. Insgesamt ein Rekrutierungsparadies für politische Kader aus dem Spektrum der NPD und der freien Kameradschaften bzw. Autonomen Nationalisten.

Letztendlich besteht hier auch die Gefahr, dass die rechte Szene sich unbewusst mittel- bis langfristig einen Ort schafft, der Ihnen als hervorragender Ort zur Politisierung bzw. Mobilisierung neuer Leute dienen könnte. Einmal mehr zeigt sich zudem, dass viele Rechte aufgrund nicht (mehr) vorhandener eigener Läden bzw. Konzertangebote und auch gestiegener Repression seitens der Polizeibehörden (da frisst man schon mal Kreide) dankend solche scheinbar unpolitischen Läden wie das Neffen und Nichten für ihre Zwecke nutzen.

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