„Frontalkraft“ aus Cottbus (Brandenburg)

Als regelrechte Veteranen des Rechtsrock dürfen in Brandenburg Frontalkraft aus Cottbus gelten. In einer durchaus szenetypischen Mischung aus Gewaltphantasien („Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt“. Schwarz ist die Nacht. Auf: Volksmusik. Eigenproduktion 2001 – man beachte die Farbsymbolik: schwarz-weiß-rot sind die Farben des Deutschen Reichs), Neuheidentum, Verschwörungstheorien und larmoyanter Selbststilisierung als Opfer machten die 1992 in Spremberg gegründeten Frontalkraft nie einen Hehl aus ihrer neonazistischen Gesinnung:

„Dein Glied der Ahnenkette, weißt Du, wann sie begann? Sei Hitler stets gehorsam, und Du hast recht getan! Sei Hitler stets gehorsam, und Du hast recht getan! Du kannst zurück im Geiste die fernen Wege gehen, am Ende wird God selber als Ursprung vor Dir stehen! Am Ende wird God selber als Ursprung vor Dir stehen!“
(Frontalkraft: Goden-Hymne. Auf: Wenn der Sturm sich erhebt. Dieter Koch 1996)

Frontalkraft veröffentlichten in 2008 ihr sechstes reguläres Album „Nacktes Land“ (Rebel Records 2008) und zusammen mit der texanischen Band White Wash die Split-CD „Voices of Unity“ (Rebel Records 2008).

In den 90er Jahren waren Frontalkraft im Blood-&-Honour-Umfeld tätig und einzelne Mitglieder später in der Kameradschaft Sturm Cottbus, die dem Lausitzer Aktionsbündnis / LAB angehörte. Das LAB gab nach der Selbstauflösung des Sturm Cottbus und anderer neonazistischer Organisationen die Direktive aus, „nicht mehr mit festen Strukturen, Vereinsausweisen und Gruppenkassen zu arbeiten“. (1) Damit blieben nur die Alternativen, gänzlich auf Strukturen jenseits von Personennetzwerken zu verzichten oder den Anschluss an die legalen Strukturen innerhalb der rechtsextremen Parteienlandschaft, insbesondere also der NPD, zu suchen.

2007 traten Frontalkraft u. a. bei einem Horst-Wessel-Gedenkkonzert auf und am 3. August beim „Sachsentag“ in Dresden, der von der Jugendorganisation der NPD, den Jungen Nationaldemokraten (JN) veranstaltet wurde.

Subkultureller Rechtsextremismus als Wegbereiter von Radikalisierung

Sten Söhndel, der als 17jähriger Schüler im Umfeld der Neonazi-Organisation Deutsche Alternative (verboten 1992) die Band gründete, wies im Interview mit der britischen Homepage BloodAndHonourCentral die Frage, ob die Band Parteien oder Organisationen unterstütze, von sich: Die Band würde alle nationalen Strukturen so gut es geht unterstützen, hätte aber entschieden, als Band nicht konkret in Strukturen tätig zu werden, denn „wir tragen durch unsere Musik zur Bewegung bei und durch unsere eigenen Bemühungen, die Jugend zu erziehen.“ (1)

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Bericht Söhndels über seine eigene Radikalisierung:

„… nach der Wende 1990 herrschte in unserer Stadt und im gesamten Osten ein Klima,was eindeutig national geprägt war. Es kam praktisch von heute auf morgen, was verschiedene Gründe hatte (von simpler Auflehnung gegen alles und jeden bis hin zur Freiheit, die einem die kopflose Exekutive gestattete). Mit der Zeit wurde es ein gigantisches Massenphänomen und plötzlich war in Deiner Stadt jeder zweite ‚rechts’, unabhängig von Alters- & Bildungsstand. Als kleiner Racker rutschte man da natürlich mit rein. Warum? Das fing bei der Mode an, ging über das Auftreten bis hin zur Musik. Von Tag zu Tag interessierte man sich immer mehr dafür und begriff langsam, was es heißt so zu sein (mit Geschichte, Traditionen etc.) wie man auf einmal war. Man schnappte sich Unmengen an Büchern und bildete sich … und durch die Richtigkeit des Handelns und der generellen Überzeugung für diese ‚bestimmte & unsere’ Sache, ist man heute immer noch im Boot und wird bis zu seinem Lebensende in diesem Boot gegen den Strom rudern.“ (2)

Typischerweise setzt der Radikalisierungsprozess in diesem Bericht Söhndels mit rechtsextremem Lifestyle ein (Mode, Auftreten, Musik): Er gibt die notwendigen Impulse, „dass man sich immer mehr dafür interessiert“. Als 17jähriger Nachwuchs-Neonazi in der Deutschen Alternative gab er – etwa zur Zeit der Gründung von Frontalkraft Ende 1992 – dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu Protokoll, er wolle dafür sorgen, „dass wir damit aufhören, Geld nach Israel zu schicken oder für die Kriege der Amis zu zahlen.“ (3)

Der Frontalkraft-Sänger ist sich nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Biographie seiner Rolle und Bedeutung als Rechtsrocker wohl bewusst: Nach dem Krieg seien zwei ganze Generationen psychologisch „umerzogen“ worden, so seien „zwei verlorene Generationen“ entstanden:

„Da muß man ansetzen, damit sich das nicht wiederholt. Die Aufgabe ist, eine Basis an jungen Menschen zu sich zu bekommen und dazu gehört die z.B. die Musik (…) und es gehören ‚dummerweise’ die Konzerte nebst ihrer eigenen Freiheit dazu. Diese Jugend, die man dann für unsere Reihen durch Musik gewinnt, muß dann sensibilisiert werden für unser Ziel (brauch sich keiner Gedanken machen das das nicht so ist) und dann wird es auch wieder diese Generation geben, ja wir formen sie mit unseren Willen mit, die als Masse auf der Straße des Volkes Stimmes Gehör verschafft. […] Wir betonen hier noch einmal: dieses ist ein Weg, eine Strategie. Jene, die ihr Augenmerk auf die Musik und auf Konzerte gelegt haben, arbeiten direkt und auch indirekt genau an dieser Strategie (und die geben `ne Menge dafür, auch wenn es Außenstehende nicht nachvollziehen können). Schritt für Schritt.“ (4)

(1) www.bloodandhonourcentral.co.uk/interviews/frontalkraft.html; Original in Englisch.

(2) Interview mit dem „Nordforum“ vom 12.11.05, auf: www.nordforum.com/Interview/FrontalkraftInterview/Frontalkraft.html; eingesehen am 13.04.07; eingesehen am 10. Juli 2008. Diktion und Orthographie aller rechtsextremen Quellen im Original.

(3) Der Spiegel Nr. 48 / 1992.

(4) Interview mit dem „Nordforum“ vom 12.11.05. A. a. O.

Quelle: www.politische-bildung-brandenburg.de/extrem/strukturen_strategien5.html

Hier noch ein Beispiel aus einem Interview mit dem „Frontalkraft“-Sänger „Sten“ für dessen brutale Menschenverachtung und seinen tief sitzenden Rassismus:

„Da Ihr aus Cottbus kommt – bitte erklärt unseren Lesern warum einige Bandmitglieder von Skrewdriver im Knast saßen während Ian Stuart mit der Band Strikeforce das Album „Justice for the Cottbus Six“ aufnahm!

Ja ja, lang ist´s her. Das legendäre Konzert im Herbst ´91 in Werben war ja der eigentliche Anlass, dass Skrewdriver überhaupt in Cottbus waren. Hundertprozentig kenne auch ich nicht die genauen Einzelheiten, aber laut meiner Kenntnis sollen die Jungs von SD in der Cottbuser Innenstadt unterwegs gewesen sein, mit Ausnahme von Ian. Die englischen Mannen fühlten sich wohl durch ein paar dunkelhäutige Bananenpflücker provoziert, die ganz eindeutig nicht in das Stadtbild passten. Man munkelt, dass dabei wohl scharf geschliffener englischer Stahl zum Einsatz kam, der nicht nur zur Frisurverbesserung dieser Gestalten gedient haben soll. Darauf hin kamen die guten Jungs leider über längere Zeit in Gewahrsam. Soweit ich das noch in Erinnerung habe, übernahmen damals die Leute von Störkraft und Radikahl die musikalische Unterstützung für Ian Stuart. Es war ein absolut gigantisches Konzert. Ian selbst hat in einem damaligen Cottbuser Jugendclub sogar noch eine Autogrammstunde gegeben. Ich durfte ihn damals also glücklicher Weise noch persönlich kennen lernen. Auf mich hat er schon damals eine gewisse Faszination ausgestrahlt. In diesem Sinne – Ruhe in Frieden!“

Beispiele für die menschenverachtenden Inhalte, welche in den Songs von „Frontalkraft“ propagiert werden:

„Berlin

Seh ich Berlin in diesen Tagen, überkommt mich Hass und Wut. Und ich muss mich ständig fragen, warum keiner etwas tut. Eure Stadt, Berliner Bürger – warum wollt ihr das nicht sehen, ist verkommen und wurde missbraucht. Wie viel Zeit muss noch vergeh’n ? Einst Symbol für Ruhm und Fortschritt – Wahrzeichen der Entschlossenheit. Die Festung deutscher Hoffnung. Warst so lange zweigeteilt.

Berlin, Berlin – die Freiheit hat dich einst geboren. Berlin, Berlin – dein Anblick tut so weh. Berlin, Berlin – doch wir geben dich nicht verloren. Berlin, Berlin – deutsches Herz, dort an der Spree.

Nur Ruinen, Schutt und Trümmer, so sahst du einst grausam auf. Doch Millionen tapfre Mütter bauten dich von neuem auf. Geh ich heut durch deine Straßen, ist es wie im bösen Traum. Anstatt Berliner Dialekt, versteht man seine Sprache kaum. Traurig schaut der braune Bär über die Dächer von Berlin. Er sieht seine schöne Stadt immer weiter untergeh’n.“

„Schwarz ist die Nacht …

Wir haben lang genug gewartet, waren der Arsch dieser Nation. Jahrelang wurden wir entartet, unsere Rache ist euer Lohn. All die Lügen, die ihr sätet über uns und unser Land, machten uns nur noch viel stärker, er bricht los der Widerstand. Eure schlimmsten Befürchtung` werden nun Realität, für Entschuldigungen ist es längst zu spät. Ihr habt unser Volk entmachtet, uns`re Heimat ausgeschlachtet, doch der Wind hat sich nun gedreht.

Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Auf dem Asphalt!

Gewalt ist keine Lösung, doch wir wehren uns entschieden. Nein, wir geben niemals her uns`re Heimat, die wir lieben. Das Schweigen hat ein Ende, jetzt erfolgt die Gegenwehr. Reicht dem Himmel eure Hände, Deutschland`s große Wiederkehr. Aus Hundert werden Tausend und aus Tausend dann Millionen. Keine Angst ihr Volksverräter, keinen werden wir verschonen. Die Stärke deutschen Glaubens habt ihr deutlich unterschätzt, doch die Antwort darauf, sie kommt jetzt.

Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Auf dem Asphalt!

Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt. Auf dem Asphalt!“

Quelle, Banddiskographie und alle Songtexte im Überblick – siehe Naziforum „Thiazi“: http://forum.thiazi.net/showthread.php?t=34112

Den Hauptvertrieb von „Frontalkraft“-Produkten übernehmen zwei Naziversände: „Rebel Records“ www.rebel-records.com und „Front Records“ www.front-records.com

Die Homepage der Band (inklusive der „88“ für „Heil Hitler“) ist zur Zeit offline: www.frontalkraft88.de.vu

Folgende Platten u.a. Beiträge wurden von „Frontalkraft“ bisher veröffentlicht:

Erstveröffentlichungen
1995 – Demo – Eigenproduktion – Demo MC

1996 – Wenn der Sturm sich erhebt – Dieter Koch – CD

1997 – Operation Deutsche Nation – Dieter Koch – CD

2001 – Volksmusik – Eigenproduktion – CD

2003 – Wir bekennen uns – Front Records – CD

2005 – Lieder die wir für Deutschland schrieben – Front Records – CD

2007 – 1992-2007 – Rebel Records & 4UVinyl – LP

2008 – Nacktes Land – Rebell Records – CD

Nachpressungen, Konzertaufnahmen & Bootlegs

1997 – Operation Deutsche Nation – Koch/Streetfight Records – CD

2009 – Demo ´95 – Rebel Records – CD

Split CD’s

2008 – Frontalkraft & White Wash – Voices of Unity – Rebel Records – CD

Sampler Beiträge

Anpassung ist Feigheit (20. Freiheitsrevolution)
Best of DiKo (03. Wenn der Sturm sich erhebt, 09. Soldaten sind Mörder)
Berlin Brandenburg Teil 2 (CD1: 07. Ode an Cottbus)
Skinrock Deutschland Teil 1 (06. Vaterland)

Solidarität (18. Unsre Musik)

Interview von „Frontalkraft“ mit „Blood & Honour“:

www.bloodandhonourcentral.co.uk/interviews/frontalkraft.html

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