Archiv für Dezember 2009

Weiter, immer weiter…

Das Jahr 2009 ist fast vorbei. Es war ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Mit unseren ersten Blog auf wordpress.com konnten wir eine Fülle an Informationen zusammentragen und sie auch den Menschen, die sich nicht stundenlang in Internetforen rumtreiben, zur Verfügung stellen. Wichtige Diskussionen konnten so angestoßen werden. Wenig später thematisierten wir nicht nur die „Grauzone“ sondern widmeten uns auch der extrem Rechten Musikszene. Dann wurde unser Blog auf wordpress.com gesperrt. Den Grund dafür nannte uns wordpress.com bis heute nicht. Mittlerweile haben wir uns jedoch in der blogsport.de-Familie recht gut eingelebt. Einige Details konnten sogar verbessert werden. So gibt es mittlerweile einen Index, auf dem die hier besprochenen Bands zu finden sind – Informationen zu einzelnen Bands sind so leichter zu finden. Im nächsten Jahr werden wir diesen noch einmal überarbeiten, sodass extrem Rechte Bands nicht neben „harmlosen“ Bands stehen. Schließlich geht es uns ja nicht darum alle hier aufgezählten Bands in einen Topf mit eindeutigen Nazis zu werfen. Wir werden versuchen unser Autor_innenkollektiv zu vergrößern und erhoffen uns dadurch eine qualitativ bessere Aufarbeitung der einzelnen Artikel. So wollen wir euch Ausschnitte aus Songtexten einzelner Bands zu Verfügung stellen, vermehrt auf Interviewaussagen verweisen und genauere Quellenangaben anbieten. Auch Stellungnahmen der Bands sollen hier demnächst erscheinen. Für dieses Jahr wollen wir uns bei euch verabschieden. Wir bedanken uns bei unseren Leser_innen und allen, die uns mit Informationen und Kritik unterstützt haben. Wir „sehen“ uns 2010.

Oi to the world! wünscht oireszene.blogsport.de!

Oire Szene-Antwort ans „Moloko Plus“

An dieser Stelle antworten wir als Redaktionskollektiv nochmal kurz auf die Veröffentlichung des „Moloko Plus“-Machers Torsten auf dessen Homepage:

„Vom Christkind & der grauzonigen Querfront“

Moin Torsten!

Schade, dass unsere Kritik – wie gesagt: eigentlich zählen wir das „Moloko Plus“ zu einem der am besten gemachten Fanzines, die es in D-Land momentan überhaupt gibt – mit immer wieder sehr interessanten Storys und Interviews – bei Dir/Euch nicht angekommen ist. Mit einem polemischen Gegenschlag zu reagieren und sich nicht mit der – aus unserer Sicht – berechtigten Kritik auseinanderzusetzen, spricht ja dann doch eher dafür, dass wir ins „Schwarze“ getroffen haben (jaja, getroffene Hunde bellen…). Ihr seid ja immerhin eines der am meisten gelesenen Fanzines und solltet euch dann auch damit auseinandersetzen, dass Ihr mit der gleichzeitigen Besprechung von (eher) links- bzw. (eher) rechts-drehenden Bands, Fanzines, Festivals und Plattenveröffentlichungen in ein und dem selben Heft (und das ist ja wirklich nicht das erste Mal gewesen) dazu beitragt, dass das Problem der „Grauzonenthematik“ damit immer größer wird. Bei unserer Redaktion erweckt das nun mal den Eindruck, dass Ihr euch unbedingt dieses beknackte „United“-Ding aus den 80ern zurückwünscht, wo es ja noch „normal“ war, dass linke, rechte und unpolitische „Skins“ zusammengefeiert haben. Dieser Fehler sollte sich aus unserer Sicht nicht noch mal wiederholen. Wir sind da für ganz klare Trennlinien (ohne da jetzt aus allen Skinheads linksdrehende Persönlichkeiten machen zu wollen) – immerhin waren es die Rechten und nicht die Linken, die die Politik in den 80ern in geballter Form in unsere Szene getragen haben.

Wie gesagt: es geht uns nicht darum euch an den Karren zu pinkeln – wir finden es nur enorm wichtig, mal wieder ein paar klare inhaltliche Trennlinien aufzustellen. Die rechtsoffene Grauzone hat in den letzten Jahren einfach zuviel Terrain gewinnen können. Und wir hoffen Mal, dass auch Ihr kein Interesse daran habt, dass wir irgendwann wieder so untragbare Zustände wie Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre haben…

Mit freundlichen Grüssen – Die Oire Szene Redaktion

P.s.: Den von euch zugesagten „Bärendienst“-Orden in Gold – sogar mit Schleife – würden wir natürlich gerne annehmen. Wir würden ihn aber genauso gerne umgehend an „Ecke“ für seine Verdienste um die Grauzone weiter reichen…

Neueste Reaktionen aus der Grauzone…

Die Oire Szene „Hetzer“-, „Spalter“- und „Antifa“-Redaktion (was kommt als nächstes?) will unseren verehrten Leser_Innen die zahlreichen Reaktionen aus der Grauzone auf diesen Blog nicht vorenthalten – solche „großartigen“ Kommentare wie:

die gesamte seite ist nix als nen haufn hetzer – würd mich ja nichma wundern wenn die page von staatsgeldern finanziert wird um gescheites szenendenken zu zerschlagen und somit dem kleinen mann die macht entziehen will die er nur begrenzt hat…

findet Ihr u.a. auf dem „Pankrotz“-Blog oder im „Oischuppen“. Wir sind vor Lachen fast tot umgefallen (wenn diese geballte Form von Dummheit nicht eigentlich tot traurig wäre…), als wir das gelesen haben. Viel Spaß dabei:

http://pankrotz.blogspot.com/2009/11/n-e-w-s_27.html

http://oischuppen.com/forum/viewthread.php?thread_id=395&rowstart=0

30.12.09 Berlin: Rechtsoffene Band „Riot Company“ im „Lido“

Am heutigen 30.12.2009 soll in der Berliner Location „Lido“ ein Konzert mit der rechtsoffenen Grauzonenband „Riot Company“ mitten in Kreuzberg stattfinden. Erst im November 2009 konnte die ebenfalls aus Hildesheim stammende Grauzonenband „Combat 77“ ein Konzert in der „Kulturfabrik Moabit“ durchführen.

„Riot Company“ haben in den vergangenen Jahren zusammen mit allen namhaften Grauzonenbands auf der Bühne gestanden: „Gerbenok“, „Krawallbrüder“, „Templars“, „Schusterjungs“, „Haircut“, „Stomper 98“, „Trabireiter“ usw.

Noch viel schlimmer ist allerdings, dass die Band scheinbar null Berührungsängste zur Rechtsrockszene hat. So spielte die Band u.a. mit „Headcase“ aus Belgien (Kontakte zu „Blood & Honour“). Darüber hinaus sind „Riot Company“ ganz dicke mit der englischen Oi!-Band „Scum“ verbandelt – sie tourten in den vergangenen Jahren mindestens zweimal gemeinsam und veröffentlichten sogar eine gemeinsame Split-EP „Riot Company“/“Scum“ („DSS Records“, 2003) – welche ebenfalls mal ganz gerne auf „Blood & Honour“-Gigs abfeiert: www.antifa.org.uk/nucleus3.32/nucleus332/index.php?itemid=22

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„Aryan Battle Noise“? – Neo Nazi band Temnozor is doing a concert tour through Europe in January 2010

The concert tour of the Russian NS-Black Metal band, which will be supported by other Neo Nazi bands and „unpolitical“ bands , will start on 7th of January with a show in Zabrze (Poland). On 8th of January they will play in Brno (Czech Republic), on 9th in Nitra (Slovakia), on 10th in Budapest (Hungary) and on 16th in Roermond (Netherlands). The last concert will assumedly thake place on 17th in Annaberg-Buchholz (Germany). The tour is advertised on homepages of several Neo Nazi organisations, for example by the „Stormfront“ forum and the so called „Pagan Front“ which is an alliance of „National Socialist Black Metal“ bands. The concerts of Temnozor will be supported by the following (Neo Nazi) bands:

CK Wiatrak, Zabrze, Poland: Iperyt, Abusiveness, Sekhmet

KD Svatoboj, Brno, Czech Republic: Sezarbil, Slunovrat, Diagon

RC Naozzay, Nitra, Slovakia: Aeon Winds, Imperium

Pogo Loco Club, Budapest, Hungary: Heldentod, Grimness

De Azijnfabriek, Roermond, Netherlands: Huldrefolk

Gleis 3 (?), Annaberg-Buchholz (?), Germany: ?

Mehr Hintergrundinfos zu den Bands

Nazikonzert am 2.1.2010 in Sachsen-Anhalt mit „Preussenstolz“, „White Society“ u.a. geplant

Am kommenden Samstag den 2.10.2010 ist in Sachsen-Anhalt (wahrscheinlich mal wieder in der Gaststätte „Deutsche Eiche“) erneut ein angemeldetes Nazikonzert gespielt. In verschiedenen Naziforen werden folgende Bands angekündigt:

“Mortuary”, “Fight Tonight” (Sachsen-Anhalt), “White Society”, “Preussenstolz” (Potsdam/Brandenburg) und “Barbarnen” (“Die Barbaren” aus Eisenhüttenstadt/Brandenburg) .

Einlass soll ab 19.00 Uhr sein. Das Infotelephon der Nazis für das angekündigte Konzert ist unter 015204440998 zu erreichen.

Zwickau: Naziladen kaputt!

Der Zwickauer Naziladen »The Last Resort Shop« ist seit über zehn Jahren ein wichtiger Bestandteil der Nazi-Szene in der westsächsischen Region. Das diesjährige Weihnachtsgeschäft wurde nun etwas getrübt. In der Nacht zu Samstag gingen dort erstmals Scheiben zu Bruch.

»The Last Resort Shop« wurde Ende der 90er Jahre von Ralf Marschner eröffnet. Einem Nazi aus dem Umfeld des deutschen Ablegers von »Blood & Honour«. Der Name des Ladens ist eine Anlehnung an den bekannten Londoner Skinhead-Szeneladen »The Last Resort«, in dessen Umfeld »Blood & Honour«-Gründer und Nazi-Ikone Ian Stuart Donaldson agierte. Während sich andere Bekleidungsgeschäfte mit »Thor Steinar«-Sortiment „nur“ in einer Grauzone bewegen, sind die Intensionen des Zwickauer Exemplars völlig eindeutig. Marschner hatte im Jahr 2000 Anteil an der Produktion und am Vertrieb einer »Landser«-CD und musste sich deshalb vor dem Dresdner Landgericht wegen Verbreitung von neonazistischer Propaganda verantworten. Die in Nazi-Kreisen beliebten Kleidungsmarken »Barstool Sports« und »Brachial« gehen ebenfalls auf Marschner zurück und finden sich bis heute im Laden.

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Out of Step – Hardcore-Punk zwischen Rollback und neonazistischer Adaption

Ein weiteres Buch mit dem Schwerpunkt NS Hardcore, welches für Anfang 2010 angekündigt ist und von der Oire Szene Redaktion schon mit Spannung erwartet wird:

Hardcore – oder: von der Unangepasstheit des Punks zum neonazistischen und rassistischen Gleichschritt.

Innerhalb der RechtsRock-Szene hat Hardcore in den letzten Jahren immer mehr an Popularität gewonnen. Neben der Musik spielt vor allem der von der HC-Punk-Szene adaptierte Lifestyle eine wichtige Rolle. Die HC-Szene entstand in den späten 70er-Jahren als eine linke politische Abgrenzung zur Punk-Szene mit ihrer No-Future-Attitüde. Durch die Ausdifferenzierung der HC-Punk-Szene in den 80er-Jahren, die in der Breite zu ihrer Entpolitisierung geführt hat, setzte ein reaktionäres Rollback ein, das bis heute anhält.

Rechte HC-Bands versuchen seit Ende der 90er-Jahre Themen der HC-Punk-Szene zu besetzen und nutzt dabei ideologische Anknüpfungspunkte, die ihnen von HC-Punk-Bands geboten werden. Metaphern und subtile Botschaften sind an die Stelle von unverhohlener NS-Propaganda und Symbolik getreten und dominieren die aktuelle rechte HC-Szene, deren Erscheinungsbild sich kaum noch von dem der HC-Punk-Bands unterscheiden lässt.

Das Buch skizziert die Entstehungsgeschichte der HC-Punk-Szene, untersucht die Ursachen des reaktionären Rollbacks und beschäftigt sich mit den Strukturen und Themen der rechten HC-Szene.

ISBN: 978-3-89771-821-0
Ausstattung: br., ca. 320 Seiten
Preis: ca. 24 Euro
Erscheint voraussichtlich April 2010

Quelle

Bucherscheinung: Rechtsextremistische Tendenzen in der (subkulturellen) Musik

Eine weitere Bucherscheinung zum Thema Rechtrock bzw. rechte Musikerscheinungen im Allgemeinen ist im November 2009 erschienen. Wer seine Weihnachtskohle in Literatur zum Thema investieren möchte:

Zum Inhalt des Buches:

Die Zielgruppe von rechtsextremistischer Musik ist sehr breit gefächert. Über den „Kader“ hinaus, wird vor allem gezielt die Anwerbung von Jugendlichen über dieses Medium betrieben. Es werden mit rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Texten neonazistische Ideologien und Argumentationsweisen propagiert. Daneben ist Musik im Allgemeinen für Jugendliche ein identitätsbildendes Element, sowohl persönlich, als auch politisch. Dabei sind die Musikgenres sehr vielfältig. Von volkstümlichen Liedermachern, über stereotype Skinheadmusik, bis hin zur Rock-, Gothic- und Metal-Szene ist die Spannbreite gestreckt. Insgesamt gibt es momentan ungefähr 150 aktive Rechtsrock Bands in Deutschland. Rechtsextremismus wird dabei als Geisteshaltung mit Rassen diskrimierenden, antisemitischen, NS- oder kriegsverherrlichenden Inhalten (BPjM: 2006, S.8) in den Musiktexten eingearbeitet. Besonders die Entwicklung von Rechtsrock ist weiterhin ein präsentes Thema, vorallem wegen dem Boom und der Dynamik, die sich während der letzten Jahre entwickelt haben. Die Musik ist aus vielen Bereichen der extremen Rechten derjenige, der sich am schnellsten und differenziertesten entwickelt hat und dies auch weiterhin tut. Zunächst werde ich auf die Musik als solches eingehen, das heißt im Konkreten auf die Definition, die Entwicklung des Musikstils (und die Streuung in andere Subkulturen), Themen und Inhalte der Musik und inwiefern sie als Lockmittel für Jugendliche genutzt wird. In einem weiteren Punkt erörtere ich, warum gerade Jugendliche so eine interessante Zielgruppe für die Rechten darstellen. Auch Anknüpfungspunkte zur Mitte der Gesellschaft werde ich erläutern. Abschließend werde ich meine Betrachtungen im Kontext der Sozialen Arbeit beenden. Ich beziehe mich in meinen Ausführungen über einige andere Subkulturen, als die der Skinheads, besonders auf Sparten der Schwarzen Szene, da ich selbst in diese einen großen Einblick erfahren habe. […] „Eine Kultur, die in ihren Werten und ihrem Ausdruck ein extrem rechtes Weltbild spiegelt und in der Jugendliche sowie junge Erwachsene ihre politischen Ideen unter ästhetischen Vorzeichen ausleben können. Und das, ohne sich den neonazistischen Skinheads, einer extrem rechten Partei oder einer ‚Kameradschaft‘ anschließen zu müssen.“ (Dornbusch, Raabe: 2002, S.295)

ISBN (Buch): 978-3-640-46050-2

Bucherscheinung: „Rechtsrock im Wandel“

Rechtsrock im Wandel gliedert sich in eine Bestandsaufnahme und einen Analyseteil. Der Autor, der zunächst die der Arbeit zugrundeliegenden Theoriekonstrukte des Rechtsextremismus definiert, zeichnet folgend Grundzüge der Geschichte der rechtsextremen Musikszene in Großbritannien und Deutschland nach. Hierbei wird die entscheidende Rolle des Frontmanns der Band Screwdriver Ian Stuart Donaldson bei der Politisierung der Skinheadszene betrachtet und die Adaption des Musikstils im deutschsprachigen Raum unter Verweis auf die ersten Wurzeln bei den Böhsen Onkelz bis hin zu der Entwicklung der später als kriminell eingestuften Vereinigung Landser dargestellt. Die Bestandsaufnahme wird durch eine Darstellung der aktuellen Rechtslage und von Kontrollinstanzen, wie z.B. der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) in Deutschland abgeschlossen. In dem empirischen Analyseteil werden Musiktexte von zwei als rechtsextremistisch eingestuften Band ausgewertet. Exemplarisch werden Texte von Michael Regener, dem Texter der legalen Band Die Lunikoff Verschwörung und illegalen Vereinigung Landser beleuchtet. Es wird untersucht, wie es gelingt, durch Variation der Texte die gleichen Inhalte zu transportieren. Aus dem Textmaterial werden diese vorherrschenden Themen – die Ideale und die Feindbilder – herausgearbeitet. Hierbei wird erörtert, wie der schmale Grad zwischen Legalität und Illegalität durch die rechtsextrem- orientierte Musikszene genutzt wird. Dass sich aus der rechtskonformen Textanpassung kein Gesinnungswandel ableiten lässt, sondern dies vielmehr Reaktion auf die repressiven Sanktionen ist, wird schlüssig dargelegt. Da ebendiese rechtsstaatlichen Strategien nur begrenzt greifen, werden abschließend ausschnitthaft Ideen und sozialpädagogische Konzepte zur präventiven und akzeptierenden Jugendarbeit gegen die Verbreitung rechtsextremer Inhalte vorgestellt.

„Rechtsrock im Wandel“ (ISBN: 978-3836679800)

Mad Butcher vs. Grauzone

In der aktuellen Ausgabe des „Moloko Plus“-Fanzines (Nummer 40) wird der Macher des wohl bekanntesten deutschen Labels/Versands für antirassitische und antifaschistische Skinhead- und Punkmucke zum Thema „Grauzone“ und „Stomper 98″ interviewt. Wir möchten euch einen kurzen Textauszug vorstellen, da er der Oire Szene Redaktion größtenteils aus der Seele spricht:

„Moloko Plus: Du bist ja in Göttingen ansässig, ebenso wie die Band Stomper 98, oder Teile von Ihnen. Wie stehst du zu denen? Nach einem Endstufeposrefoto des Sängers und dem Cover einer französischen RAC-Band, folgte ein Haufen teils unfreiwillig komischer Distanzierung, inklusive Interview in der Taz und OX, wo auch Stage Bottles-Olaf zum Thema befragt wurde. Seitdem steht Stomper bei den Rechten gar als Zeckenband da. Wie sieht dein Senf zum Thema aus?

Mad Butcher: Nun ja, erstmal kenne ich Sebi schon viele Jahre und kann mit Sicherheit sagen, das ich 100% davon überzeugt bin, dass er dem rechten Lager definitiv nicht zuzuordnen ist. Allerdings würde ich unser derzeitiges Verhältnis als sehr kühl bezeichnen, die Aktion mit dem Foto ist an Dummheit nun mal nicht zu übertreffen und dieses ständige Rumgesülze „unpolitisch Oi Skinhead und ihr nicht bla bla blub“ – Gelaber geht mir so was von auf den Sack. Die Abmahnung an Stomper 98 war vollkommen ok und die Sanktionen, die darauf beruhen, sind es auch. Ich sehe da aber generell ein größeres Problem, die Akzeptanz von so Nasen mit Condemned 84 Shirts und ähnlichen Grauzonenbands ist größer geworden, Rechte tummeln sich wieder auf unseren Konzerten und was noch schlimmer ist, sie kommen auch unbeschadet wieder zuhause an. Es wird mal wieder Zeit, dass die Vernunft ins Volk geprügelt wird! Wer mit Faschos abhängt, muss auch wie einer behandelt werden – Schluss, aus!“

Dem hat die Oire Szene Redaktion eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Schade nur, dass sich auch in der aktuellen „Moloko Plus“ neben vielen lesenswerten Artikeln (u.a. zur ersten deutschen und antifaschistischen Skinheadband „Die Alliierten“, zu „Distemper“, 20 Jahre „Pork Pie“ u.a.) auch wieder einiger Grauzonenmist befindet (u.a. eine ganzseitige Anzeige von „Krawallbrüder Records“ für so problematische Band wie „Gerbenok“, „Krawallbrüder“ und „Riot Company“, einer – wenn auch negativen Besprechung – des rechten „Feindkontakt“– Fanzines, einem Interview mit „Mummys Darlings“ und verschiedenen positiven Konzertbesprechungen von rechtsoffenen Bands wie „Schusterjungs“, „Unantastbar“, „Franky Flame“ und „Superyob“ durch Ecke). Auch hier scheint nach wie vor eine problematische Auswahl von Bands aus der eher linken bzw. eher rechten Ecke vorzuherrschen. Aber genau diese Beliebigkeit führt zu der viel diskutierten Grauzonenproblematik. Vielleicht schafft es das „Moloko Plus“ sich da ja auch endlich mal klarer zu positionieren.

„Hammer Skin Nation White X-Mas“ am 19.12.2009

Am vergangenen Wochenende fand an einem bis dato unbekannten Ort – vermutlich in Sachsen-Anhalt – ein von der Neonazi-Organisation „Hammer Skin Nation“ durchgeführtes Konzert mit mehreren szeneintern überregional bekannten Musikgruppen statt. „Sleipnir“, „Faustrecht“, „Skalinger“, „Kurzschluss“ und „Blue eyed devils“ standen – wie bei so vielen anderen braunen Treffen auch – auf dem Programm. Wieder einmal konnten die Neonazis ungestört von den zuständigen Behörden feiern. Die Polizei beschränkte sich offenbar darauf, den Bands per Auflage das Spielen bestimmter Lieder zu verbieten und das Ende der Veranstaltung vorzuschreiben. Nicht das Verhindern von braunen Events ist das Ziel, sondern lediglich das Verhindern von zu offensichtlichen Straftaten. Damit beschreitet man offenbar den selben Weg wie bei den in mehreren Bundesländern stattfindenden NPD-Parteiveranstaltungen, bei denen – seit Jahren – regelmässig einschlägige Bands unter dem Vorwand von politischen Kundgebungen auftreten können.

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Grenzüberschreitende Bruderschaft: Rechtsrock und Musikhandel

An dieser Stelle eine Leseempfehlung der Oire Szene Redaktion zum Thema Rechtsrock und internationale Vernetzung:

«No More Brother Wars» lautet der Titel eines 1996 erschienenen Samplers. Auf der bei dem Deutschen Label DI-AL-Records veröffentlichten Kompilation sind die damaligen Top-Bands der internationalen Rechtsrock-Szene wie Celtic Warrior (England), Gesta Bellica (Italien), Estirpe Imperial (Spanien), Svastika (Schweden), Kratky Proces (Slowakei), Freikorps (Deutschland) und nicht zuletzt Excalibur (Tschechische Republik) vertreten. Den Anfang machen Celtic Warrior, deren «No More Brother Wars» nicht nur Titelsong, sondern auch ideologische Leitlinie des Samplers ist. Demnach war die Gegnerschaft der europäischen Staaten im Zweiten Weltkrieg und damit der Kampf von Menschen mit weißer Hautfarbe gegeneinander ein Fehler; nunmehr sollten sich alle Weißen unter der Fahne des Nationalsozialismus sammeln und zusammen kämpfen. Diese Orientierung auf Rassismus, die «White Power»-Ideologie1 und den Nationalsozialismus bilden die Grundlage für die internationale Zusammenarbeit in der Rechtsrock-Szene. Im Gegensatz zu den zumeist nationalistischen Parteien der extremen Rechten, die sich stark gegen das Ausland abgrenzen, findet in diesem Bereich eine Zusammenarbeit von allen statt, die sich unter der Hakenkreuzfahne sammeln. Nur so ist es zu erklären, dass die tschechische Band Excalibur, die mit den beiden Liedern «Svatá válka» (Heiliger Krieg) und «Stalingrad» vertreten ist, in ihren Texten die Überfälle der Nationalsozialisten rechtfertigt. Die aus einem Opferstaat des NS-Regimes stammende Band rechtfertigt dabei den Überfall auf die Sowjetunion mit dem Kampf gegen den Kommunismus und verbündet sich mit jenen, die unglaubliches Leiden über die tschechische Bevölkerung brachten.

Weiter (Ab S.86)

„If The Kids Are United“ abgeblasen!

Die „Antifaschistische Aktion Greifswald“ berichtet folgendes:

Das zum 26.12.09 beworbene Oi!-Punk-HC-Fest „If the Kids Are United“ fällt nach Angaben der Organisierenden aus. Auf der eigens dafür eingerichteten Myspace-Seite wird in diesem Zusammenhang angegeben, das Konzert könne aufgrund von Problemen „mit der Lokation“ nicht stattfinden. Aus welchen Gründen es zu diesen kommen konnte, wird aus der Neuigkeit nicht ersichtlich. Angesichts des geplanten Lineups mit unter anderem der mindestens rechtsoffenen Band „Gerbenok“ ist es in jedem Falle begrüßenswert, dass dieses Konzert nicht stattfinden wird. Allerdings wird schon geplant, das Konzert auf Mitte März zu verschieben. Wir fordern daher weiterhin:

Keine Konzerte mit Gerbenok!
Für Konzerte, die die individuelle Entfaltung nicht beschneiden!
Für Konzerte jenseits von Diskriminierungen!

Quelle

Siehe auch: Konzert mit rechtsoffener Band Gerbenok fällt aus

Lesetip: Antifa Infoblatt Nummer 85

Die Oire Szene Redaktion empfiehlt die aktuelle Ausgabe (Nummer 85) des soeben neu erschienenen „Antifaschistischen Infoblatts“. Dort gibt es u.a. einen zweiseitigen Artikel zu der Kampagne „Siempre Antifascista“, welche sich dieses Jahr u.a. schwerpunktmäßig mit dem Thema Grauzone auseinandergesetz hat.

Wir stießen während unserer Recherchen zu der sogenannten „Grauzone“ auf ein breites und weit verzweigtes Netz an Aktions- und Erlebnisräumen. In diesen Lokalitäten, die neben Rekrutierungsfeldern auch Rückzugsräume für eine problematische Mischung aus Szenehabitus und rechter Ideologie bieten, entstehen subkulturelle Strömungen, die rassistische und rechte Denkmuster (re-)produzieren.

Wer mehr dazu lesen möchte, besorge sich das aktuelle Heft: www.nadir.org/nadir/periodika/aib/

Konzerte mit Gerbenok? Nein danke!

Die Oire Szene Redaktion dokumentiert an dieser Stelle folgenden Text der „Antifaschistischen Aktion Greifswald“ zum Thema „Gerbenok“:

Am Samstag, den 26.12.2009, ist es wieder soweit. Bereits zum 4. Mal wird das „If The Kids Are United“ stattfinden. Beworben wird das im Bunker in Greifswald stattfindende Konzert mit dem Zusatz “Love Music Hate Racism“. Eigentlich echt cool, gäbe es nicht ein Problem: Unter anderem soll an diesem Abend die Band „Gerbenok“ spielen.

Gerbenok ist eine sich unpolitisch gebende Oi-Punk-Band aus Sachsen-Anhalt, die sich nach eigenen Angaben im Jahre 2003 „bei einem netten Abend ohne Weiber dafür mit Bier und Gesang“ gründete. In ihren Texten hetzen sie gegen Homosexuelle und Asylsuchende, sowie gegen sich anders kleidende Menschen. Dass sie aufgrund ihrer Texte mindestens als rechtsoffen einzuordnen sind, zeigt sich einmal mehr auch in ihrem übertriebenen Lokalpatriotismus.

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Neonazis stören Punkkonzert im Kamea

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Bericht der „Autonomen Antifa Frankfurt (Oder)“ aus Brandenburg – Neonazis mischen sich immer ungenierter unter linke Konzerte:

Frankfurt (Oder) – Am Freitag, den 18.12.2009, fanden sich auch Neonazis unter den Gästen des Weihnachtspogos im Kamea
Unter den Besuchern des alljährlich in Frankfurt (Oder) stattfindenden Weihnachtspogos am Freitag, den 18.12.2009, mischten sich zu späterer Stunde auch einige Hooligans des FFC Victoria ’91 e.V., darunter Christian Brendel, Christian Riemer und Paul Pfeifer, welche in der Vergangenheit als Neonazis in Erscheinung getreten waren (Antifaschistische Recherchegruppe berichtete, weitere Infos hier: http://recherchegruppe.blogsport.de/).

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„KrampfKampf“ sagen Konzert mit „Ultimo Asalto“ ab

Und die Oire Szene Redaktion hat eine weitere Bandabsage erhalten, welche wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchten: Die Band „KrampfKampf“ aus Leipzig hat Ihre Teilnahme an dem für den 9.Januar 2010 geplanten Geburtstagsgig im „Orgasmatron“ in Leipzig mit „Nordwand“, „Combat 77“ und der rechtsoffenen spanischen Band „Ultimo Asalto“ abgesagt. Begründung sind die mittlerweile allseits bekannten rechten Umtriebe von „Ultimo Asalto“.

Veranstalter dieses „großartigen“ Konzerts ist übrigens ein gewisser Holger R.: http://www.superpunks.de/SolosContraTodos

Nachtrag zum „Oi! For You“-Festival am 28.11.09 in Magdeburg

An dieser Stelle noch einen Nachtrag zum Grauzonenfestival „Oi! For You!“ am 28.11.09 in Magdeburg: Wie absurd das “Love music – hate fascism”-Banner auf den Werbeflyern auch in diesem Fall war, zeigt, dass dort eine Gruppe von ca. 10 Nazipunks und –skins inklusive „Skrewdriver“-Aufnähern, Schwarzer Sonne-Aufnähern und Schwarz-Rot-Goldenen Iros ungestört feiern konnte, während antifaschistische Konzertbesucher_Innen, welche die Security darauf aufmerksam gemacht hatten, vor der Türe zusammengeschlagen wurden. Diese bekamen auch keine Hilfe – stattdessen wurden die (Halb-)Nazis immer mehr…
Ein Grund mehr, solche Grauzonenfestival politisch auch entsprechend zu behandeln. Spannend wird es dann am 15./16.1.2010 beim „Pogorauschfestival“ im Backstage/München zu sehen, wie sich die Veranstalter_Innen dieses Festivals (das Lineup ist auch nicht gerade unproblematisch – dazu später mehr), welches sich auch noch den Anspruch „Fuck Off Grauzone!“ gegeben hat, zu solchen Situationen verhalten werden. Noch dazu sind dort mit „Bandworm Records“ und „Evil Conduct“ die selben Veranstalter bzw. auch Bands beteiligt.

Stellungnahme von „AntiGen“ zum Thema „Combat 77″

Im folgenden dokumentiert die Oire Szene Redaktion eine Mail der Band „AntiGen“, welche ein für den 12.12.09 mit „Combat 77″ geplantes Konzert mit folgender Aussage absagte – wir unterstützen die Band in Ihrer Handlungsweise und hoffen auch hier auf zahlreiche Nachahmungs- bzw. Solidarisierungseffekte:

Hallo Oireszene,

Ich bin drummer bei der Band AntiGen. Ihr habt in einem Block das Konzert am 12.12.09 von COMBAT 77, im Rahmen der Aufklärung über diese Band erwähnt. Bei diesem Konzert sollten wir, also AntiGen, ebenfalls spielen. Da wir uns aber eindeutig, von rechten sowie rechtsoffenen Bands abgrenzen, haben wir dieses Konzert abgesagt. Wir möchten uns mit Bands wie es COMBAT 77 sind auf keinen Fall die Bühne teilen und schon gar nicht Support derselben sein.

Ich musste dieses Statement einfach an euch mailen weil wir natürlich sehr ungern mit dieser Grauzonenscheiße oder gar RAC in Verbindung gebracht werden möchten.
Der Veranstalter hat den Headliner erst später bekannt gegeben weil er wohl noch nicht feststand. Als wir das gesamte Set mitgeteilt bekamen waren die Plakate leider schon verklebt.


Siehe auch