Kameradschaft Spreewacht

Die Mitglieder der Berliner „Kameradschaft Spreewacht“ (KSW) aus Berlin-Lichtenberg werden von AntifaschtInnen gerne als letzte „Nazi-Kraken“ in Berlin bezeichnet. Für wahr spiegelt sich in ihrem Erscheinungbild und ihren Äußerungen der 90er-Jahre Neonazi-Skinheadstil wieder. Entgegen den immer populärer werdenden „autonomen Nationalisten“ steht die Kameradschaft somit für eine längere Tradition und dadurch auch für eine tiefere Verankerung in der Neonaziszene. In einer Selbstbezeichnung heißt es:

Die moderne Kameradschaft im Herzen der Innenstadt, existiert inszwischen seit fast 10 Jahren (…). Ihr könnt auch eure Feierlichkeiten bei uns abhalten, sprecht mit uns, wir haben Platz! Auch ausserhalb von Berlin.“1

Für uns ist die KSW vor allem wegen ihrer festen Verankerung in der Musikszene interessant. So beschreibt der Berliner Senat sie als

eine subkulturell geprägte rechtsextremistische Gruppierung aus dem Netzwerk Musik, bestehend aus etwa zehn Personen im Alter zwischen 35-40 Jahren.2

Im Gegensatz zum Berliner Senat gehen die AutorInnen der fight.back 04 von einer Personengruppe, bestehend aus 20 AktivistInnen aus. Sie zählen zu den wenigen Neonazis, die in Berlin und im Umland noch kontinuierlich Neonazi-Konzerte veranstalten. Zur ihren Hausbands gehören Legion of Thor, Deutsch Stolz Treue (D.S.T.) (tretten auch unter dem Kürzel X.x.X. auf) sowie die Musiker um die inzwischen aufgelöste Neonaziband Spreegeschwader.

Laut der fight.back 04 wurden Konzerte im eigenen Clubhaus (der KSW-Bunker) von der Polizei unterbunden, weshalb Konzerte oftmals außerhalb von Berlin stattfinden.

Neben den Kontakten zur Berliner NPD gibt es (…) mit Klaus Mann und seinem Sohn Enrico Mann auch beste Kontakte zur Brandenburger DVU.

Auf den Grundstücken der Manns (erst in Seefeld, später Schorfheide bei Finowfurt) fanden Konzerte der KSW statt. Angemeldet wurden die Konzert von Klaus Mann jedoch als private Feiern. Laut Verfassungsschutz fanden allein zwischen Mai 2007 und September 2007 4 Konzerte statt.

Im Ber­li­ner Ver­fas­sungs­schutz­be­richt aus dem Jahr 2006 heißt es zu der Ber­li­ner Neo­na­zi-​Mu­sik­sze­ne:

Neben dem Ka­me­rad­schafts­netz­werk exis­tiert im ak­ti­ons­ori­en­tier­ten Rechts­ex­tre­mis­mus ein wei­te­res Netz­werk aus meh­re­ren Grup­pie­run­gen, Mu­sik­bands und Ein­zel­per­so­nen. Es be­steht im Kern aus den rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ber­li­ner Bands “Deutsch, Stolz, Treue” (D.S.T., auch X.x.X.), “Spree­ge­schwa­der”, “Le­gi­on of Thor” (LoT) und “Die Lu­ni­koff-​Ver­schwö­rung”, den neo­na­zis­ti­schen Per­so­nen­zu­sam­men­schlüs­sen “Van­da­len – Ario­ger­ma­ni­sche Kampf­ge­mein­schaft” (Van­da­len), “Lich­ten­berg 35″, “Ka­me­rad­schaft Spree­wacht” (KSW) und “Ham­mer­s­kins” (HS). Ziel die­ses Mu­sik­netz­werks ist – neben der Ver­fol­gung kom­mer­zi­el­ler In­ter­es­sen – der Ideo­lo­gie­trans­port über das Me­di­um Musik. Dies ge­schieht durch die Or­ga­ni­sa­ti­on von Ver­an­stal­tun­gen und Kon­zer­ten sowie die Ver­öf­fent­li­chung und den Ver­trieb von Ton­trä­gern. Ins­be­son­de­re Kon­zer­te sind als Ge­mein­schafts­er­leb­nis­se ge­eig­net, Ju­gend­li­che an den Rechts­ex­tre­mis­mus her­an­zu­füh­ren. Zu­letzt war das Mu­sik­netz­werk in Ber­lin zwar nur wenig aktiv, er­wies sich aber den­noch als hand­lungs­fä­hig.

Die KSW ist somit als ein entscheidender Faktor in der neonazistischen Musikszene einzustufen. Auch wenn sie durch ihr Festhalten am 90er-Jahre Neonaziskinheadstil in der Neonaziszene mitlerweile eine Ausnahme darstellen und mit den sich modern gebenen „autonomen Nationalisten“ bereits in Streitereien gerieten, zählen sie allein in Berlin zu einem ca. 200 Leute umfassenden Musiknetzwerk.3 Der Verbreitungsgrad der Musik dürfte aber viel höher liegen und bietet einen leichteren Einstieg in die Neonaziszene als Vorträge der NPD.

  1. Kameradschaft Speewacht, zitiert nach: fight.back 04. Antifa-Recherche Berlin-Brandenburg, Mai 2009, S. 15. Download unter: https://berlin.antifa.net/wp-content/uploads/fightback04.pdf [>zurück]
  2. zitiert nach: fight.back 04, Mai 2009, S. 15. download unter: https://berlin.antifa.net/wp-content/uploads/fightback04.pdf [Ebd. [zurück]
  3. fight.back 04, Mai 2009, S. 15. [zurück]

Quelle: fight.back 04

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