„Bodensee Renees“

Heute äußert sich die Oire Szene Redaktion mal kurz zum Thema „Bodensee Renees“ und den in unpolitischen bis rechten Skinheadkreisen sehr beliebten „Bodensee Renees“-Kalender, welcher bereits seit 2008 jährlich erscheint. Dieser wird von einer Gruppe Szenefrauen herausgebracht, welche in regelmäßigen Abständen so genannte „Skingirl-Meetings“ in der dörflichen Provinz veranstalten, kombiniert mit Konzerten von Bands aus der rechtsoffenen Grauzone – von „Scharmützel“ über „Lammkotze“ bis „Krawallbrüder“. Auf diesen Treffen werden dann auch (Nackt)Fotos zeigefreudiger Skingirls mit den jeweiligen Bands gemacht und als Kalender veröffentlicht. Diese Kalender werden u.a. auch über den aus Hildesheim (Niedersachsen) stammenden und politisch als rechtsradikal einzuordnenden „Adlerversand“ vertrieben und die Veranstaltungen werden u.a. vom Grauzonenlabel „Randale Records“ unterstützt.

Besonders interessant erscheint in diesem Zusammenhang ein Artikel aus der national-konservativen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 7.November 2009 mit dem wirklich „großartigen“ Titel „Unterwegs mit Skingirls: Sie nennen sich Renees – Wiedergeborene. Auf dem Kopf tragen sie Federn. Ihre Hunde heißen wie nordische Götter“. In diesem Artikel wird eindeutig klar, wo sich die „Bodensee Renees“ und ihre Freund_Innen politisch verorten: im rechten bis rechtsextremen Lager. D.h. jeder/jede unterstützt mit dem Kauf eines solchen Kalenders zumindest indirekt die rechte Szene. Im Folgenden belegen wir diese Rechtslastigkeit der Herausgeber_Innen und Ihres Umfeldes mit ein paar Zitaten aus dem besagten FAZ-Artikel:

Götzis. Ein ganz normaler Mädelsabend. Kleider und Netzstrumpfhosen türmen sich auf dem Boden, Steffi wählt eine Fred-Perry-Bluse, einen Minirock und dazu den Gürtel mit Eisernem Kreuz. Ines öffnet die Bierflasche mit ihrem Labello. Die beiden Skingirls machen sich in Steffis Wohnung zum Ausgehen fertig, in Götzis, einer österreichischen Gemeinde im Dreiländereck. Steffi bewohnt das Dachgeschoss eines kleinen Häuschens mit Alpenblick, sie hat zwei Katzen, eine Lavalampe und Teppiche in Tigerfelloptik. Ines kratzt sich mit der Schuhbürste die Reste der letzten Party von den Doc Martens und bewertet das Outfit ihrer Freundin. Steffi wechselt ihren Minirock zum dritten Mal. „Normalerweise gehe ich nicht auf diese unpolitischen Konzerte“, sagt Ines. Zu Frankie Boy Flame kommt sie nur mit, weil Steffi sie überredet hat. „Ich bin rechts.“

„Heute ist die Szene zerstückelt, es gibt linke Skins, rechte Skins und dazwischen eine große Grauzone, die sich „unpolitisch“ nennt – auch wenn sie es nicht immer ist.

Als Ines vor der Bundestagswahl den Wahl-O-Mat benutzte, kam die NPD heraus. Dabei entspricht ihre Biographie nicht der eines typischen Sozialverlierers: Die 24 Jahre alte Lehrerstochter hat sich ein Haus in Oberschwaben gekauft, arbeitet bei einem Verlag und betreibt abends ein eigenes Kosmetikstudio. Ihr Rottweiler heißt Loki, nach der nordischen Gottheit. „Ich finde, dass man als Deutscher Pflichten hat. Man muss etwas leisten in diesem Land.““

Ines mag die Musik nicht, das Englische nervt sie, sie versteht es nicht. Sie ist Fan von „Stahlgewitter“, einer Rechtsrock-Band mit Alben wie „Germania über alles“ und „Auftrag Deutsches Reich“. Deren Sänger findet Ines „so gebildet, der liest krasse Bücher“. Sie fährt auch mal acht Stunden mit dem Auto auf ein Konzert ins benachbarte Ausland, wohin viele rechtsextreme Bands ausweichen. Vor kurzem war sie auf einem Konzert in Frankreich. „Eine Halle mit achthundert Leuten, und fast alles Deutsche.“

„Steffi gehört dagegen zu den selbstbewussten Skingirls, die mehr sein wollen als bloße Anhängsel. Sie bringt einmal im Jahr Mädchen aus allen Ecken des Landes zusammen, „Bodensee-Renees“ nennen sie sich. Sie machen Kalenderfotos, auf denen schon einmal harte Mädels in Strapsen zu sehen sind, die Bierflaschen mit den Zähnen öffnen. Der Kalender soll dem ganzen Spektrum der weiblichen Szene gerecht werden: „Richtig prollige Weiber, erotische Frauen, smarte Ladys der alten Schule“, zählt Steffi auf.

Steffis rechten Oberarm schmückt eine blonde österreichische Arbeiterfrau, demnächst kommen noch zwei Edelweiß dazu. Zurzeit schuftet sie nachts in einer Fabrik. Sie hat Marketing- und Verkaufsassistentin gelernt, möchte Werbung für Unterwäsche machen und wohnt mit Leidenschaft auf dem Land. „Da habe ich meine Ruhe. Ich liebe die Berge.“ In ihrem Bundesland Vorarlberg ist die rechte FPÖ zweitstärkste Partei. Steffi ist bekennender Jörg-Haider-Fan.“

„Ines findet, dass die Völker lieber auf ihrem jeweiligen Kontinent leben sollten, „weil Afrikaner körperlich gar nicht für Europa geschaffen sind, und umgekehrt“. Wir Hellhäutigen würden dort auch verbrennen. „Wie in einem Besteckkasten: Messer zu Messer, Gabel zu Gabel.“ Wenn sie im Fernsehen Spendenaufrufe für Tetanus-Impfungen afrikanischer Babys sehe, überkomme sie große Angst, „dass die dann immer mehr werden“. Sie starrt in den dunklen Wald. Dann sagt sie noch: „Auf rechten Konzerten wird man akzeptiert, wie man ist.““

Quellen:

www.myspace.com/bodenseerenee
www.superpunks.de/NachMirDieSintflut
FAZ-Papierausgabe vom 7.11.2009

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