„Gewohnheitstrinker“ (Freiburg)

Ein ganz schwieriger Fall sind die „Gewohnheitstrinker“ aus Freiburg. Diese klassische Oi!-Kapelle ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine scheinbar unpolitische Positionierung spätestens dann nicht mehr funktioniert, wenn nach dem Prinzip „Wir kuscheln mit allen“ gehandelt wird. Es ist nicht unpolitisch heute politisch nach links zu blinken und am nächsten Tag wieder nach rechts.

Das lässt sich ganz gut an der bisherigen Konzertpolitik der „Gewohnheitstrinker“ darstellen. So spielte die Band in der Vergangenheit einerseits einige Konzerte zusammen mit eher linken bis klar links ausgerichteten Ska- und Oi!-Bands wie „Loikaemie“, „Freiboiter“, „The Movement“, „The Offenders“, „“Klasse Kriminale“, „Loaded“ u.a. Andererseits hat die Band aber auch schon mit zahlreichen Bands aus der (rechtsoffenen) Grauzone gespielt wie u.a. „Riot Company“, „Scharmützel“, „Lammkotze“, „Unantastbar“, „Stärkste Minderheit“, „Vortex“, „Krawallbrüder“, „OHL“. Darüber hinaus scheinen „Gewohnheitstrinker“ auch keine Probleme zu haben in rechten Konzertlocations wie der „Schwedenschanze Deesbach“ (28.5.2005) aufzutreten oder sogar mit explizit rechten Bands wie erst am 06.06.09 mit „Bombecks“ in der Forellenstube zu spielen.


Allerspätestens hier müsste klar werden, dass auch im Fall der „Gewohnheitstrinker“ politisch gehörig etwas schief läuft. Dieses Ringelpiez mit anfassen-Verhalten („Wir haben uns alle lieb“) funktioniert nicht. Wenn die Band noch nicht Mal in so eindeutigen Fällen wie den „Bombecks“ eine klare Grenze nach Rechts zieht, dann ist das nich unpolitisch, sondern politisch fahrlässig und hilft der rechten Szene wieder vermehrt in der Subkultur der Kurzhaarigen Fuß zu fassen.

Die „Gewohnheitsrinker“ setzen auch im Jahre 2010 ihre fragwürdige Konzertpolitik fort: am 23.1.2010 spielen sie mit den eher links stehenden „Produzenten der Froide“. In den Wochen und Monaten darauf geht es dann aber wieder zu so Grauzonenfestivals wie dem „Skoi-Festival“ am 12.6.2010 in Thüringen. „Produzenten der Froide“ sollten beim Konzert am 23.1. vielleicht zumindest Mal ein paar kritische Fragen an die „Gewohnheitstrinker“ bezüglich ihrer Konzertpolitik stellen oder sich gleich ganz überlegen, ob sie mit solchen Fencewalker-Bands wirklich gemeinsame Konzerte spielen möchten…

Abschließend dokumentieren wir noch eine Besprechung einer älteren Ausgabe des von „Gewohnheitsrinker“-Bandmitglied Jakob herausgegebenen Fanzines „Der Trinker“. Auch hier zeigt sich noch mal der äußerst problematische und leichtfertige Umgang mit Bands aus der Grauzone bzw. der rechten Szene (allein die Tatsache, dass dort rechtsradikale Bands wie „Battle Scarred“ aus Schweden interviewt werden sagt da ja schon alles):

DER TRINKER # 3
(greif80@web.de)
Dieses Stuttgarter Skinhead-Fanzine scheint aus dem Umfeld der GEWOHNHEITSTRINKER zu stammen (wenn ich jetzt nicht völlig danebenliege!?). Autor und Ex-Waldorfschüler Greif hat im Schnipsellayout ein kurzweiliges, unterhaltsames Heftchen zusammengeschustert und mit Porno-Bildchen verziert, das sich betont international gibt und gleich einen ganzen Haufen ausländischer Bands und Szeneangehöriger interviewt. So beispielsweise die Spanierin Estrella von Camden Town Records, BASANEES 75 (F), die OFIZBOIS (Türkiye), FRANKY FLAME (GB), RAUFHANDEL (CH), GATANS LAG (DAN), GUVNORS (S), KALEVALAN VIIKINGIT (FIN), BATTLE SCARRED (S) und ANTIPATI (S), wobei die ganzen Bands im Rahmen seiner „Oi! Oi! Oi! Oi!ropa“-Reihe alle die gleichen Fragen gestellt bekamen, so dass man die Antworten alle im direkten Vergleich nachlesen kann. Was die allerdings teilweise so von sich geben, ist doch sehr fragwürdig. So gibt Franky Flame als Probleme seines Landes gleich an erster Stelle „Massive Einwanderung, Asylbetrüger und illegale Einwanderung“ an, was ich, auch ohne genauer über die Situation in England Bescheid zu wissen, ziemlich seltsam finde, und BATTLE SCARRED erzählen, wie verdammt geil doch Bands wie SKREWDRIVER wären. Ich finde es schade, dass Greif das alles so unkommentiert stehen lässt und solchen Ansichten damit eine Plattform bietet. Andererseits bietet das vermutlich einfach einen ungeschönten Einblick in die derzeitige europäische Skinhead-Szene, der möglicherweise gar nicht weiter kommentiert werden muss. Schließlich hat der Leser seinen eigenen Kopf und kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Greif selbst ist ein begabter Schreiber, in dessen lesenswerten, witzigen Kolumnen auch seine zynisch-provokante Anti-Spießer-Haltung deutlich wird, die ich ganz bestimmt nicht Rechtsaußen einordnen würde. Ein weiterer Schwerpunkt des Heftes ist der Interviewblock zum Thema „Konsumterror in der Oi!-Szene“, in dem sich Greif über den ganzen kitschigen, unnötigen Krimskrams auskotzt, der in zahlreichen Mailordern mittlerweile angeboten wird, und diverse Menschen hinter den Versänden dazu befragt (Sunny Bastards, KB, Bandworm, United Kids). Leider scheinen dabei einige von Meckos Antworten abgeschnitten worden zu sein, schade. Gute Themenwahl jedenfalls. Darüber hinaus werden die PRODUZENTEN DER FROIDE zum Rapport gebeten und einige Nachwuchsbands vorgestellt, so z. B. die Hamburger von IN VINO VERITAS (Tipp!). Die GEWOHNHEITSTRINKER haben ihre Kolumne und berichten vom aktuellen Bandgeschehen und das Übliche in Form von Reviews etc. gibbet natürlich auch. Das Heft schließt dann mit der Pornoabteilung, in der Greif von seiner Entjungferung in der Waldorfschule berichtet. Ob man ihm das so glauben kann? Sympathisches A5er, dem es noch etwas an Biss fehlt – wobei ich mit einigen Bands aber nichts anfangen kann und will. Kost’ 2 Oi!ro. Günni

Quellen: www.myspace.com/gewohnheitstrinker
http://freiburgskins.com/heim/konzerte.html
www.gewohnheitstrinker.de/

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