Blood & Honour in Belgien. Teil 1: Die Anfangsjahre aus der Vogelperspektive

Wir haben großartiger Weise bereits eine erste Übersetzung von einem fleissigen Übersetzer zugeschickt bekommen und wollen euch das natürlich nicht vorenthalten. Vielen Dank an dieser Stelle an den Menschen, der sich die Arbeit gemacht hat. Wie gesagt, wir sind auch weiterhin stark an Texten aus dem Ausland und entsprechenden Übersetzungen zum Thema Grauzone und Rechtsrock interessiert. Die Grauzone und die Nazis agieren da ja leider schon lange Grenzen überschreitend:

Correspondenten uit België (Korrespondenten aus Belgien)

Blood & Honour wurde 1987 in England durch Ian Stuart Donaldson, der 1993 bei einem Verkehrunfall umgekommene Frontmann von Skrewdriver, errichtet. Donaldson wollte durch die Oi-Musik „die Botschaft von Hitler“ bei jüngeren überbringen. Unter seinem Impuls verbreitete sich das Netzwerk über die ganze Welt.
Auch in Belgien wurden in den achtzigern Konzerte mit Bands aus dem B&H-Kreis organisiert. Ebenso sind kleine B&H-Divisionen aktiv. Kurz nach dem Jahr 2000 sah es so aus, dass B&H erst jetzt wirklich aktiv wird. In Wallonië war B&H eher unbeständig, sodass es dort nur einen zarten Beginn von Aktivitäten gab. In Flandern sind seit 2000/2001 zwei verschiedene Gruppen aktiv, die sich den Namen „B&H Vlaanderen“ zueigneten: eine „tradiotionelle Blood & Honour“-Gruppe, welche vornehmlich Konzerte organisiert und eine politisch radikalere „terroristische“ Combat 18-Spate, ähnlich wie in Großbritannien. Das ist aber eine grobe Vereinfachung. Und obwohl beide gegenseitig im Internet über sich lästern, arbeiten beide in der Realität dennoch zusammen. Um die Geschäfte noch vielschichtiger zu machen, wurden in Belgien zuletzt auch noch einige Konzerte und Gedenkfeiern durch ausländische B&H und C18-Gruppen organisiert. Kommt es dadurch, dass wir ein zentral-gelegenes Ländchen sind oder dadurch, dass die Polizei bis vor kurzem ausgesprochen lax reagierte, Belgien darf mit Recht als internationaler „Plattenteller“ bezeichnet werden.Wenn es den Neonazis in ihrem eigenen Land zu heiß unter den Füßen wurde, weil die Regierung mit rechtlichen Schritten drohte, wichen Neonazis nicht selten nach Belgien aus, um ihre Aktivitäten fortzusetzen. Vorbilder sind hier der deutsche Konzertorganisator Sebastian Seemann (Combat 18) und der Brite Stephan „Jonesy“ Jones, der Frontmann von der B&H-Band „English Rose“, welche sich in Ostende festigte („traditioneller Flügel“)

Vlaamse Militanten Orde (Flämisch militante Ordnung)

Ende der achtziger Jahre ist Ian Stuart Donaldson dabei sein internationales Netzwerk auszubauen. Seine Reisen bringen ihn auch nach Belgien, wo er unter anderem Kontakt zum verbotenen „Vlaamse Militanten Orde“ (VMO) von Bert Eriksson aufbaut. Die VMO luden Ian Stuart Donaldson und seine Band mehrmals ein, nach Belgien zu kommen. So wohnte Donaldson in Antwerpen und nahm an Sitzungen der Nedelandse Volks-Unie (Niederländische Volksunion; NVU) teil, welche in Belgien zusammenkamen, „weil sie in den Niederlanden auf viel Unverständnis stießen“. Das in Antwerpen gelegene Café „Odal“ war dazu geeignet bei einem Bier über die große Bedrohung West-Europas mit Eriksson und seiner Frau zu sprechen. Ebenso war Donaldson auch bei den Kameradschaftstreffen zu Gast, welche „Voorpost“ jedes Jahr vor der Ijzerbedevaart in Diksmuide organisierte. „Ein faszinierendes Fest“, so Donaldson, „es waren selbst alte SS‘ler dabei, die meine Platten kannten, so sagten sie, weil der Kampf der gleiche sei.“1 Auch Marnix „Bieze“ Bienstman, ein rechter Skinhead aus dem Brügger Café De Kasteleien (jetzt Moloko) erzählte, wie er in den achtzigern viele britische Skinheads nach Brügge kamen, die „die Ideen von einer Nationalen Front überbrachten“. Er sagte, dass seine „keltischen“ Tattoos aus „der Zeit mit Skrewdriver stammen“. Auch „Bieze“ ging als blutjunger Skinhead zu der Brügger VMO.2 Als die VMO 1988 definitiv verschwand, richtete die brüsseler VMO-Abteilung unter Leitung von Hervé Van Laethem (heutiger Leiter von „Nation“) eine neue, gewalttätige und neonazistische Gruppe, „l‘ Assaut“ ein. Diese fungierte als belgischer Kontaktpunkt für „Blood & Honour“. Auch in Brüssel sind ende der achtziger bereits rechtsextreme Skinheads aktiv. Sie trafen sich rund um einen Plattenladen, welcher auch B&H-Magazine verbreitete, um die Gruppe „l‘ Assaut“ und um die mit der rechtsextremen „Parti des Forces Nouvelles“ (PFN) liierte Oi!-Band „Fight Action“. „Popeye“, der Sänger der Band, ist ein emigrierter Neonazi, der in Frankreich in viele schwere Aktionen involviert war. „Fight Action“ rief dazu auf, Waffen für den nationalsozialistischen Kampf aufzunehmen und so lange zu kämpfen, bis keine Migranten mehr überbleiben.3 1988 organisierte die Gruppe ein erstes nationalsozialistisches Festival „White Only“, mit Auftritten von „Fight Action“, der britischen B&H-Band „No Remorse“ und „Bunker 84“ aus Frankreich. Das Konzert fand in Brüssel in Räumlichkeiten der PFN mit etwa 130 Skinheads aus Belgien, Frankreich, Deutschland und England statt. Gleichermaßen an dieses Milieu beteiligt, ist der neonazistische Versandhandel „Pure Impact“ von Peter Swillen, welcher 1984 errichtet wurde. Als der internationale handelte B&H-Plattenlanden, „Rock-O-Rama“, in Deutschland verurteilt wurde, soll Herbert Egoldt eineinhalb Millionen Belgische Franken in „Pure Impact“ investiert haben, welches den Handel in Belgien fortsetzte.4

Belgische divisie (Belgische Division)

Anfang der neunziger Jahre wurde eine „Belgische Division“ von Blood & Honour errichtet. Ihre Kontaktadresse ist ein Postfach in Waarschoot. Über die selbe Adresse konnte man auch das nazistische „Thule“-Blatt, der neue Name vom „Euro-Forum“, einer Flugschrift von flämischen und wallonischen Neonazis, darunter der „l‘Assaut“-Leiter Hervé Van Laethem, bekommen. Der Mann hinter dieser belgischen B&H-Division war Geert Coffez aus Houthulst. Coffez hat außerdem einen eigenen Versandhandel mit dem Namen „Blut und Ehre“.5 Weiter war Coffez einer der Spielfiguren von dem extrem rechten Motorclub „De Ronkers“ aus Kalken. 1993 kamen auf dem Rückweg nach Gent von einem Fest dieses Motorclubs kamen fünf Skinheads bei einem Autounfall ums Leben. Laut der Polizei, die einen deutschen Helm mit Naziflaggen darauf im Wrack fanden, waren die jungen Skinheads Mitglieder von „l‘Assaut“.6 Am Vorabend vorm IJzerbedevaart im August 1992 organisierte Geert Coffez ein B&H-Konzert in Diksmuide. Auf dem Programm standen die britische B&H-Band „No Remorse“ und „Skullhead“ und die niederländische Band „Wiking“ (danach: Bart Pelikaan). Das Konzert wurde abgesagt, weil dieses anderweitig stattgefunden hat.7 Auch bei der Organisation von einem B&H-Konzert in Vleteren am 30.03.1993 soll Geerd Coffez involviert gewesen sein. Ein halbes Jahr später kommt Ian Stuart Donaldson bei einem Unfall ums Leben. Nach dem Tod des Pioniers von B&H versucht Comat 18 die Leitung der Organisation in England zu übernehmen.

Vlaamse Divisie (Flämische Divison)

1994 wurde in einem britischen B&H-Magazin die Errichtung einer „Vlaamse B&H-Division“ mit Kontaktadresse des „Excalibur“ in Brügge angekündigt. Excalibur ist ein Versandhandel8, der neben CD’s und T-Shirts auch Völkermord-leugnende Büchern und allerhand nazistische Gadgets anbietet. Von keltischen kreuzen bis hin zu Poster von Adolf Hitler und der Waffen-SS. Durch den Versandhandel wurden auch CD’s der Band „Brutal Attack“ gedruckt. Treibende Kraft des Excaliburs ist der ex-flämische Yannick Pollet, ein alter bekennender Neonazi, der gegenwärtig den CD- und Klamottenladen „Hit Shop“ betreibt, der nur einen Steinwurf von „De Kasteleien“ (jetzt Moloko) entfernt ist. Excalibur war eng verbunden mit der „Leibstandarte Adolf Hitler“ (LAH) vom damaligen flämischen Adolf Horrie. Beide, Pollet und Horrie, propagieren 1991 nationalsozialistische Ideologien. Die LAH beschäftigte sich allerdings mehr damit, die alljährliche private Gedenkfeier von Adolf Hitler in West-Flandern zu organisieren. „Ich sah alte Soldaten der Ostfront und Nazi-Skinheads aus dem In- und Ausland. Vornehme Menschen im Anzug, die enthusiastisch den Hitlergruß machten.“, umschreibt der Frans Decoster eine Gedenkfeier in einem Saal in Izegem. Eine andere Organisation, die durch Excalibur gesteuert wurde, ist „Hertog Jan Van Brabant“, eine Vereinigung alter SS‘ler. Aus dieser ultraradikalen Abspaltung von dem „Sint-Maartens Fond“ entstand die Völkermord-leugnenden Organisation „Vrij Historisch Onderzoek“ (Freie Historische Untersuchung; VHO) von Sigfried Verbeke. Die erste Aktivität dieser flämischen B&H-Division war ein Ian-Stuart-Erinnerungskonzert am 28.02.1994 in Oudenburg bei Brügge mit den Bands „Cinquième Colonne“, „Celtic Warrior“, „Noie Werte“ und dem damaligen Topact aus der britischen B&H-Szene „Squadron“. Das Konzert verlief allerdings alles andere als geschmiert. Der Vermieter des Saales weigerte sich für rassistische Musiker zu arbeiten und so mussten diese eine neue Halle suchen. Dadurch verschob sich der Beginn der Veranstaltung, und die unzufriedenen, betrunkenen Skinheads fingen trotz einer eingesetzten Security eine Schlägerei untereinander an. Die Polizei ging dazwischen und beendete die Veranstaltung. Im selben Jahr wird Pollet verhaftet, da es nach einem Combat 18-Konzert in Becontree bei London zu Ausschreitungen kam.

Geweld in België en Groot-Brittannië (Gewalt in Belgien und Großbritannien)

Ein Jahr später lief es auch auf dem Kameradschaftsabend von „Voorpost“, kurz voor Ijzerwake, einiges schief. Die Abende erreichten eine internationale Attraktion für Neonazis, darunter auch britische Führungspersonen von B&H und der „BNP“. Am Samstag, den 26.08.1995, versammelten sich bis zu 500 Neonazis im „Hof van Vlaanderen“, wo mehrere Stände (u.a. von B&H) viele Sachen anboten, darunter Hakenkreuz-Armbinden und nazistische Literatur. Nachdem die Polizei eingriff und u.a. den VMO-Führer Bert Eriksson verhafteten, entstanden schwere Krawalle, bei denen mehr als 200 Neonazis aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden in Polizeiarrest genommen wurden. Das Jahr darauf, im August 1996, nimmt der flämische Politiker Bert Anciaux eine Kollektion nazistischer Literatur vom Kameradschaftsabend mit. Anciaux stellt parlamentarische Fragen und hält Personenkonferenzen ab, worin er die politische Welt dazu aufruft einzugreifen. Vergebens. Am 22.03.1997 organisiert „Excalibur“ nochmals ein Konzert mit den britischen B&H-Bands „Warlord“ und „Avalon“. Nachdem der Saaleigentümer aufgeklärt wird, müssen die Neonazis sich einen neuen Saal suchen. Dennoch wohnen bis zu 100 Neonazis dem Konzert bei. Excalibur war empört über die niederländischen Hammer-Skinheads, welche „zu viel Angst hatten, um die Security zu stellen“.9 In Großbritannien ging Comat 18 währenddessen weitaus dreister zu Werke. Gewalttätige Angriffe, Brandstiftungen und Drohbriefe beschränken sich nicht nur auf die politische Linke, Combat 18 kehrt sich in einem Streit über das gigantische finanzielle Einkommen von den Konzerten auch gegen den traditionellen Flügel von „Blood & Honour“. So bekommt die Freundin von Ben Oreel von „Viking Sounds“ Nägel mit dem Hinweis zugeschickt, dass Combat 18 sie mit Nägeln ans Bett fesseln, während sie sie vergewaltigen. Kein Wunder also, dass sich mehr B&H-Bands und -Läden gegen Combat 18 stellen.10 Excalbur verteidigt Combat 18 weiterhin hartnäckig. „Wir betreuten ihre Post, wir wissen wer in den Zellen sitzt, wir kennen sie seit Jahren“ war in der Juniausgabe von 1997 zu lesen. Gefolgt mit einem Aufruf den „Bruderkrieg“ zu beenden. Und „Excalibur“ machte noch mehr für die Terrororganisation. In dem britischen Blatt „The Order“ erschien ein Aufruf von C18, um an Informationen über britische Antifaschisten zu kommen, und das sollte nicht dazu sein, um Postkarten zu verschicken. Die Kontaktadresse war auch hier wieder die Adresse des „Excalbir“: Postfach 95, Brügge.

Midgard divisie (Midgard Division)

Auch die folgenden Jahre organisiert Pollet B&H-Konzerte. Am 27. Juni 1998 plante er ein Konzert in Staden (zwischen Houlthulst und Roeselare) mit „Brutal Attack, „Razor’s Edge“, „Bagadou“, „Stourm“, „Mistreat“, „Kraftschlag“ und „Landstorm“ aus den Niederlanden. Vor dem Auftreten von „Mistreat“ und „The Legion of St. George“, welches am 3. Juli 1999 stattfand, konnten Karten bei „Hit Records“, dem Label von Pollet, bestellt werden.11 Und dann kam eine neue Generation von B&H in Flandern. Am 21. August 1999 wurde die erste Instanz von der französischen „Division Blood & Honour Midgard“ mit einer Abteilung in Belgien, gegründet. Auch diese Gruppe, die offiziell von der Mutterorganisation aus Großbritannien anerkannt wurde, organisierte B&H-Konzerte in Flandern. Darunter mit „Whitelaw“ und ein Balladenabend mit „Stigger und Sico“, den „Söhnen“ von „Skrewdriver“. Die Kontaktadresse für die flämische Abteilung von „Midgard“ war das Postfach 94 in Brügge. Ein Postfach, welches ein Mitglied von dieser Abteilung, Dominiek Vandekeere, zuvor für seine Bands „Kwelkhekse“, „Elfenbloed“ und „Stormworlf“ nutzte. Zwei Jahre später geht die flämische Abteilung von „Midgard“ in „B&H Vlaanderen“ mit der selben Postfachadresse über. Am 18. August 2001 organisiert „B&H Vlaanderen/Coast“, sofern die Abteilung so hieß, ihr erstes Treffen mit den französischen Bands „Fraternité Blanche“ und „Panzerjäger“. Ende 2005 soll es auch die Abteilung „Nordland“ (Antwerpen) und kurz danach „Midland“ (Vlaams-Brabant) der traditionellen B&H-Flandern zugefügt worden sein. In der selben Periode als „B&H Flandern“ errichtet wurde, wurde auch noch eine andere „B&H Vlaanderen/Flanders“ errichtet, mit einem Postfach in Grembergen (Dendermonde). Diese Gruppe führte das „erste B&H Flandern-Konzert“ Anfang 2001 durch. Auf dem Programm standen die Bands „Legion A“ (F), „Jungsturm“ (D) und „Youngland (VS). Hierbei handelte es sich um den C18-Zweig, der ebenfalls unter dem Namen „B&H Flandern“ operierte. Beinahe unbemerkt sollte diese Gruppe verschiedenen Aktivitäten in Belgien entfalten. Erst Jahre später, im September 2006, soll die Gruppe namentliche Bekanntheit erlangen, allerdings fälschlicher Weise unter dem Namen „Bloed Bodem Eer en Trouw (BBET). Die Polizei durchsuchte nach Ausschreitungen Wohnungen, wo enorme Mengen an Wappen beschlagnahmt und 19 Anhänger verhaftet wurden. BBET ist einer der Namen von der B&H Flandern-Gruppe. Einen Monat nach den Verhaftungen, am 14. Oktober 2006, fand eine Gründungsfeier von „B&H Flandern/Combat 18“ statt. Organisiert war diese von der deutschen C18-Gruppe um Sebastian Seemann.

Erst 2008 wurde die Rivalität zwischen den beiden „B&H Flandern“-Gruppen deutlich, da beide zur gleichen Zeit ein eigenes Hitler-Gedenken organisierten.

Quelle: Blood & Honour in België. Deel I: De beginjaren in vogelvlucht

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