Aus dem Skincafe „De Kastelein“ wird die „Molokobar“

An dieser Stelle veröffentlichen wir die Übersetzung zu einem bereits etwas älteren Text über den belgischen Naziladen „De Kastelein“ – jetzt „Moloko Bar“ – von der niederländischen Antifarecherchezeitung „Alert“. Das „De Kastelein“ hatte europaweit für Furore gesorgt und auch die „Moloko Bar“ veranstaltet mittlerweile wieder regelmäßig einmal pro Monat RAC- bzw. Nazikonzerte. Dort traten in den vergangenen Jahren regelmäßig neonazistische Bands von „Kill Baby Kill“ bis Les Vilains“ auf. Der übersetzte Text ist im Fazit etwas veraltet: die „Moloko Bar“ hat die rechtsradikale bis neonazistische Konzertpolitik des „De Kastelein“ bis heute fortgesetzt. Auch deutsche RAC-Fans und Neonazis fahren weiterhin regelmäßig nach Brügge in die „Moloko Bar“:

Belgische Korrespondenten

„De Kastelein“, das berüchtigte Skincafe in Brügge am braunen Rand, gibt es nicht mehr. Nach einigen gewalttätigen Zwischenfällen, zweier behördlicher Schließungen und einer Reihe von negativer Publicity, warfen die Betreiber „Suck“ (Spitzname von Fabian Davidts) und seine Frau das Handtuch. Jedoch nicht ohne vorher den Fortbestand der Kneipe zu sichern. Im Herbst 2006 übertrugen sie die Kneipe einem guten Freund, dem Franzosen Yann Dvoraznak. Dabei half „Suck“ dem neuen Betreiber den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Als das „De Kastelein“ im März 2007 abermals für einen Monat geschlossen wurde, diesmal wegen Ruhestörung, sorgte der neue Betreiber Dvoraznak vor. Geplagt von der Vergangenheit des „De Kastelein“ wurde die Kneipe unter dem neuen Namen „Moloko Bar“ wieder eröffnet. Zeit für einen Rückblick…

Über den frühen Beginn des „De Kastelein“ ist nur wenig bekannt. Der erste Auftritt einer Rockabilly-Band (The Billy Goat Riders) fand im März 1998 statt. In der Zeit von 1997-1999 war Brügge ein Schauplatz der rechten Gewalt; der Neonazi Jeroen Mol verübte einen Anschlag auf sich selbst, wobei die Schuld der radikalen Linken in die Schuhe geschoben wurde. Daraufhin wurden verschiedene linke Cafes von rechtsextremen Skinheads kurz und klein geschlagen. In der Anfangszeit des „De Kastelein“ unter dem Betreiber James, fand sich dort ein neutrales Publikum ein. Die militante Rechte traf sich in dieser Zeit in erster Linie in „Het Zonnewiel“, der damaligen Stammkneipe des rechtsextremen „Odal Aktiekomitee“. In der Zeit von der Gründung bis zum März 1999 spielten im „De Kastelein“ verschiedene Oi!-Bands, darunter die flämische Band „Headcase“ und „The Thuggers“. Die Kneipe ist noch nicht sonderlich rechts. Dies ändert sich allerdings nachdem das „De Kastelein“ zur Stammkneipe rechtsextremer Skins wird. Nachdem „Suck“ und sein Partner die Kneipe Anfang 1999 übernehmen, mutiert die Kneipe zu einem internationalen Treffpunkt rechtsextremer Skinheads, mit Besuchern aus ganz Europa.

Die Musik ist ein bisschen angebrannt….

Nicht alle Besucher des „De Kastelein“ können als rechtsextrem abgestempelt werden. Allerdings befanden sich unter den Stammgästen Anhänger rechtsextremer Gruppierungen, wie den „Vlaamse Jongeren Westland“ (VJW) und „Blood & Honour Vlaanderen“. Auch die dort aufgetretenen Bands gehörten größtenteils nicht dem rechtsextremen Spektrum an. Dennoch traten auch Bands auf, die deutlich rechtsextrem sind/waren. Bands mit rassistischen und nationalsozialistischen Texten, wie „Engelse B“ und „Avalon“, ebenso die flämische Neonazi-Band „Stormwolf“. Daneben sind auch eine Menge von Bands aufgetreten, die sich selbst unpolitisch sehen, jedoch regelmäßig im rechtsextremen Fahrwasser schwimmen, wie die niederländische Band „After the Fire“ oder die flämische Band „Convicted“. Ebenso Oi!-Bands wie „The Pride“ (altbekannt in der Skinheadszene von Brügge, mit einem neuen Drummer, der im Internet das Pseudonym „Svenne88“ gebraucht) und „The Thuggers“, die Band von dem ex-Vlaams Blokker Yannik Pollet. Derzeitig betreibt Pollet, der nebenbei gut befreundet mit „Suck“ und seinem Partner ist, einen Skinheadladen, dem „Hit Shop“, der sich in der gleichen Straße wie das „De Kastelein“ befindet. Zur Zeit verkauft er CDs und T-Shirts. Früher war er der Mann hinter dem Neonazi-Versand „Excalibur“. Dort konnten unter anderem Poster von Adolf Hitler und Rudolf Hess bestellt werden, neben einem ganzen Katalog von anderem Nazi-Krimskrams.

„Les Vilains“ („politisch unkorrekt aber 100% Skinhead“) sind ebenfalls regelmäßig im „De Kastelein“ aufgetreten. „Suck“, Kastelein-Eigner und französischsprachiger Skinhead aus Brüssel ist der Sänger der Band. Unterstützung erhält er von seiner Frau. Bevor sie sich letztendlich in Flandern niederließ, war sie für die Neonazi-Zeitung „Hou Kontakt“ aktiv, einem niederländischen Äquivalent zum „Blood & Honour-Netzwerk“.

Blood & Honour Boys

„Suck“, der auch mal vor einer SS-Flagge posiert, teilte der flämischen Presse mit, dass er „kein Rassist“ sei und in seiner Kneipe „keine Politik gemacht wird“. Die Botschaft seiner Band „Les Vilains“ ist hingegen eine ganz andere. In einem Interview mit dem französischsprachigen Fanzine „Boots und Braces“ lässt sich ein anonymes Bandmitglied von „Les Vilains“ (wahrscheinlich „Suck“) sehr negativ über Menschen mit nordafrikanischer Abstammung aus. Diese seien laut Interview „Idioten“ und „Schmarotzer“. Von Skinheads, die sich gegen Rassismus aussprechen, will der Interviewte nix wissen („SHARP-Skins sind Clowns“). Über Blood & Honour sagt das Bandmitglied, dass „diese seit dem Tod von Ian Stuart Donaldson, dem bei einem Verkehrsunglück ums Leben gekommene Sänger der Band Skrewdriver, nicht mehr in vergleichbarer Anzahl vertreten ist“. „Der heutigen RAC-Szene fehlen charismatische Köpfe“, sagt der Sprecher von „Les Vilains“. Donaldson war die treibende Kraft von Blood & Honour. Seine Band „Skrewdriver“ besitzt eine hohe Popularität in Neonazi-Kreisen. Zufälligerweise auch eine der Lieblingsbands von „Suck“. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass „Les Vilains“ einen Song zu dem „Tribute to Skrewdriver“-Sampler begetragen haben. Weitere Beiträge der Band finden sich auf „Tribute to Legion 88“ und „Tribute to Bunker 84“, beides französischsprachige faschistische Bands. Letztere spielt einen Song mit dem Titel „Mein Kampf“. „Les Vilains“ selbst spielen „Mohammed“, ein rassistisches Cover der Band „Kontingent“. Aber die Verbindung zu Blood & Honour geht noch weiter. „Les Vilains“-Gitarrist Dieter Samoy ist an B & H-Vlaanderen beteiligt. Ebenso spielten „Les Vilains“ auf verschiedenen Blood & Honour-Konzerten in ganz Europa. Nicht verwunderlich, dass „Les Vilains“ auf der Internetseite von Blood & Honour Vlaanderen wärmstens empfohlen werden. Eine sehr aktive Person auf der Webseite ist der Drummer von „Les Vilains“, Dominiek Vandekeere. Unter den Nicknamen „Cormanthor“ und „Surtur“ schreibt er seitenlange Abhandlungen über – unter anderem – Werwölfe und die Waffen SS (ist er logischerweise Fan von). In einem Interview über seine ehemalige nationalsozialistische Black Metal-Band „Kwelhekse“ gibt Vandekeere einen Einblick in seine Aktivitäten bei B & H Vlaanderen.

Vandekeere, der nach eigenen Aussagen einige Zeit über dem „De Kastelein“ wohnte, ist ein rechtsextremer Aktivist mit Haut und Haaren. Er läuft regelmäßig auf Demonstrationen von rechtsextremen Gruppierungen wie „Groen Rechts“ und „Vlaamse Jongeren Westland“ mit.

In einem Interview mit dem spanischen Fanzine „Camden Town“ (September 2001) kündigte der Partner von „Suck“ enthusiastisch an, dass Blood & Honour auch in Brügge das ein oder andere Konzert organisieren wollen. Und das tun sie in der Tat… Dabei bezieht sich das Engagement nicht ausschließlich auf Auftritte von „Les Vilains“ auf B & H-Festivals. Der Betreiber des „De Kastelein“ vermietet auch die Räumlichkeiten der Kneipe für andere Konzerte von Blood & Honour Vlaanderen. Am 14. Juni 2003 veranstaltete die B & H-Gruppe Vlaanderen ein Konzert mit „Stigger & Sisco“ im „De Kastelein“. Stigger & Sisco sind ehemalige Mitglieder von „Warlord“, welche der Skrewdriver Gitarrist Stigger nach dem Tod von Ian Stuart Donaldson gründete. Gekleidet in Blood & Honour Vlaanderen-T-Shirts, trugen die zwei britischen Gitarristen stundenlang akustische Balladen vor. Auf der (mittlerweile gelöschten) „De Kastelein“-Website schrieb „Suck“ über den Auftritt, dass „es eine große Ehre war, dass er den besten Gitarristen von Skrewdriver“ in seiner Kneipe empfangen durfte. „Die Kneipe war rammelvoll aber die Atmosphäre war ideal. Stigger und Sisco sangen Klassiker wie „Suddenly“, „White Power“ und „Blood & Honour“, hieß es anschließend in einem Beitrag auf der
Website von Blood & Honour Vlaanderen.

Mal eben den Hund rauslassen

Rechtsextreme aus dem Umfeld des „De Kastelein“ gehen regelmäßig aufeinander los. So kommen sie in Schwung, um auf Punk- oder Oi!-Konzerten von antifaschistischen Bands Stunk zu machen. Wenn das „De Kastelein“ am Wochenende die Türen schließt, kommt es nicht selten vor, dass betrunkene Skinheads anschließend in die Stadt ziehen. Mit einer Regelmäßigkeit, dass man die Uhr danach stellen kann, kommt es anschließend zu Raufereien und Scharmützeln. Bis es im Mai des vorherigen Jahre zu einem folgenschweren Zwischenfall kam…

Am Samstag dem 6. Mai 2006 fand die Hochzeitsfeier eines befreundeten Skinheadpaares, Tommy Heinen und Linda, im „De Kastelein“ statt. Aufpoliert wurde die Privatfeier einmal mehr mit einem Auftritt von „Les Vilains“. Wenige hundert Meter entfernt vom „De Kastelein“, schlug eine Gruppe von fünf Skinheads einen schwarzen Pariser und seinen belgischen Freund nieder. Der Belgier, ein Mann mit Dreadlocks, wurde derartig zusammengeschlagen, dass er sich an nichts mehr von dem Vorfall erinnern kann. Der Mann aus Paris, Rafael Mensah, lag wochenlang im Koma und verstarb im April des Jahres an einer Lungenerkrankung, wobei nicht nachgewiesen werden konnte, dass sein Tod in einem direkten Zusammenhang mit dem Vorfall stand. Nach der Schlägerei gingen die beteiligten Skinheads noch auf ein Bier in das „De Kastelein“. Aufgrund von Zeugenaussagen konnten die Täter noch in der selben Nacht von der Polizei festgenommen werden. Da noch das Blut des Opfers auf den Schuhen und der Kleidung der Täter zu finden war, konnten diese zweifelsfrei identifiziert werden. Zwei der Täter wurden nach der Befragung durch die Polizei wieder freigelassen und anschließend wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Die übrigen drei Täter saßen einige Zeit in Untersuchungshaft, wurden aber noch vor der Verhandlung wieder auf freien Fuß gesetzt. Obwohl „Suck“ in den flämischen Medien beteuerte die Täter kaum zu kennen, so kennt er diese doch recht gut. Einer der drei Hauptangeklagten war der Gitarrist der Band „Les Vilains“, Dieter Samoy. Samoy macht(e) Gebrauch von dem Proberaum im „De Kastelein“ und stand wohlgemerkt am selben Abend der Hochzeitsfeier mit „Suck“ auf der Bühne. Später ließ der Anwalt von Samoy verlauten, dass die Gruppe auf dem Weg zu dessen Haus waren „um den Hund rauszulassen“, bis sie mit den Opfern der Attacke „Streit“ bekamen. Samoy gab an, dass er selbst nicht geschlagen habe und versuchte die zwei anderen, Jimmy C. aus Huldenberg (damals 23) und Vincent E. aus Lubbeek (damals 22 Jahre), von der Tat abzuhalten. Was auch der Grund für das Blut auf seiner Kleidung war.

„De Kastelein“ ist tot, lang lebe „De Kastelein“

Es war nicht das erste mal, dass die beiden Besitzer einen Schlussstrich unter das „De Kastelein“ ziehen wollten. Im Jahre 2004 wollte das Paar „aus familiären Gründen“ den Betrieb ein für allemal einstellen („Suck“ und seine Partnerin haben zwei Kinder). Im März 2004 wird „der allerletzte Auftritt im De Kastelein“ angekündigt. Es erscheint eine DVD der Geschichte des „De Kastelein“ der Jahre 1999-2004. Kurz gesagt, alles deutet auf das Ende des „De Kastelein“ hin. Im Mai 2004 kündigen sie voller Stolz an, dass die Kneipe wieder geöffnet wird. Der Wiedereröffnungsfeier wurde durch „Convicted“ und der rechtsextremen flämischen Band „Lions Pride“ der nötige Glanz verliehen.

Aufgrund des Wirbels, den der rassistische Angriff vom 6. Mai 2006 in den Medien verursachte, ließ der Bürgermeister von Brügge die Kneipe wenige Wochen nach dem Vorfall schließen. Es folgte eine Hausdurchsuchung im „De Kastelein“, bei der nazistische Literatur gefunden wurde. Als die Kneipe nach ein paar Wochen wieder geöffnet wurde, führte die Polizei jedes Wochenende Personenkontrollen durch. Bürgermeister Moenaert kündigte für Rassismus eine Null-Toleranz-Linie an. „Symbole oder gar Tätowierungen, die Hinweise auf Sympathien zum Nationalsozialismus geben, sind unzulässig. Dagegen werde unverzüglich vorgegangen“, verkündet der Bürgermeister. „Suck“ und sein Partner beklagen sich einerseits über die schlechte Publicity und auch über die Polizeikontrollen. In verschiedenen Internetforen starten sie Aufrufe mit der Bitte um Hilfe. Websites rufen zum Kauf einer Kastelein-CD (mit Liedern von 22 unterschiedlichen Bands) auf, um die Kneipe zu unterstützen. Doch für die Betreiber kommt es noch schlimmer. In ihrer Straße wird demonstriert und nach eigenen Aussagen bekommt das Paar Drohmails und Drohanrufe. Letztendlich geben sie aus „persönlichen Gründen“ auf. „Zu viel Probleme: Polizei, Journalisten, Reputation….mit zwei Kindern ist das nicht einfach,“ wird verkündet. Das Paar suchte dringend einen neuen Betreiber und den finden sie im September/Oktober 2006, als Yann Dvoraznak die Skinheadkneipe übernimmt.

Und so läuft der Betrieb dann bis zum 31. März 2007, bis die Polizei wegen Lärmbelästigung einschreiten muss. Am 13. April 2007 wird die Kneipe abermals für einen Monat geschlossen. Der Bürgermeister fordert Klarheit darüber, bei welchem der Gastwirte es sich um den „echten“ Betreiber des „De Kastelein“ handelt. Anschließend war Dvoraznak gezwungen eine Hausordnung aufzustellen und seine Musikanlage, aufgrund vorheriger Lärmbelästigungen, anzupassen. Die „De Kastelein“-Crew nutzte die Gelegenheit um Vorbereitungen zu treffen, damit die Kneipe unter einem neuen Namen am 26. Mai 2007 wieder geöffnet werden konnte.
Derweil bemüht sich Dvoraznak das rechtsextreme Image der Kneipe abzulegen und bemüht sich um ein breiteres Publikum wie Punks und Psychobillies. Ob der neue Besitzer damit verhindern kann, dass vor der Kneipe die rechtsextreme Politik und Gewalttaten eingedämmt werden, bleibt die Frage…

Der neue Name der Kneipe lässt jedenfalls nicht darauf schließen. Der Name „De Moloko“ ist ein Verweis auf den extrem gewalttätigen Film „A Blockwork Orange“ von Stanley Kubrick. „Moloko“ ist die Milch, die die Hauptdarsteller des Films trinken, um anschließend gut gestärkt Leute auf der Straße zu schlagen. Es wird sich zeigen, ob der Mist des „De Kastelein“ weitergeht…

Quelle: Molokobar rijst uit as skincafé De Kastelein

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