„Blood & Honour Niederlande“

Ein weiterer Beitrag zu unserer Reihe über die „Blood & Honour“-Strukturen der vergangenen Jahre in Holland und Belgien:

Obwohl die niederländische Division von Blood&Honour erst seit kurzem aktiv ist, fehlt es ihnen nicht an öffentlichem Interesse. Vom Museumsbesuch zur schlecht besuchten Demonstration wird praktisch alles als Medienevent inszeniert.

B&H wurde 1987 in England durch den Skrewdriver-Sänger Ian Stuart Donaldson errichtet und startete als neonazistische Musikzeitschrift.

Über das Ziel der Zeitschrift und die daran gebundenen Ideologien nahm Donaldson kein Blatt vor den Mund: „Eventually there will be a race war and we have to be strong enough in numbers to win it. I‘ll die to keep this country pure and if it means bloodshed at the end of the day, then let it be.“ Im Lauf der Jahre wuchs B&H zu einem weltweiten Netzwerk von neonazistischen Plattenliebhabern, Labels und Bands mit mehreren hunderttausend Euros Umsatz. Das Geld verschwand teils in den Taschen der Macher, teils in der rechtsextremen Bewegung. So wie Traditionelle bei den Rechtsextremen, finden auch innerhalb B&H allerlei Splittergruppen ihren Platz. Nach den üblichen Streitigkeiten über Drogen und Geld gab es auch ideologische Differenzen was zwei B&H Gruppen zur folge hatte: Blood&Honour und Blood&Honour Midgard. Die niederländische Division von B&H besteht zu einem großen Teil aus ehemaligen Mitgliedern der Niederländischen Volks- Union, die unzufrieden sind über die schwankende politische Linie der NVU, die sogenannte „Konsens“– Politik. B&H stand eher hinter der sogenannten „revolutionären“ Linie der radikalen ANS Fraktion der NVU, der von Eite Homan und Michael Krick.

Zu den Kernmitgliedern gehören unter anderem Niels Ritmeester aus Nijmegen und Rene van Zon aus Dreumel. Auf ihrer Website distanzieren sich B&H von jeglicher Form der Splittergruppenbildung zwischen den unterschiedlichen B&H Divisionen. Danach spricht sich die Niederländische Division aus gegen „Rassenvermischung“ ganz in Übereinkunft mit ihrer national-sozialistischen Ideologie. B&H Niederlande spricht sich auch gegen die Zusammenarbeit mit „der slawischen Rasse“ aus. Diese Distanzierung richtet sich in erster Linie gegen Brigade M, Niederlandes bekannteste faschistische Band, die ein paar Mal in Ost-Europa gespielt hat. Die Aktivitäten von B&H Niederlande sind bislang eher spärlich. Es werden neonazistische Demonstrationen besucht, hauptsächlich in Deutschland. Die eigenen Aktivitäten kommen momentan nicht viel weiter als Kameradschaftstreffen sowie ein Grillfest in Dreumel und einem gemeinsamen Besuch des Kriegs- und Widerstandsmuseums in Overloon. Das Grillfest wurde durch die Polizei beendet und als die Fotos des Museumsbesuchs online gestellt wurden, kündigte das betroffene Museum an, Anzeige wegen Verletzung des Urheberrechts zu erstatten.

Der Höhepunkt der Aktivitäten war die Rudolf-Hess-Aktionswoche. Rudolf Hess war der Stellvertreter Hitlers und verstarb 1987 in einem deutschen Gefängnis. Laut Aussage der Behörden starb der damals 93 jährige Hess einen natürlichen Tod, laut Aussage der Neo-Nazis wurde er vom englischen Geheimdienst ermordet. Am 9. August fand im Dörfchen Boxmeer eine „spontane“ Demonstration als Auftakt zur Rudolf-Hess-Aktionswoche statt. Die Demonstration wurde durch B&H Niederlande mitorganisiert. Stolz wurde auf der B&H Niederlande Website verkündet, dass Neonazis aus den Niederlande, Deutschland und dem flämischen Teil Belgiens anwesend sein werden. Alles in allem konnte die Organisation kaum 25 Menschen mobilisieren, die durch ein Viertel von Boxmeer liefen und an die verduzten Passanten Flugblätter über Rudolf Hess verteilten, deren Inhalt war, dass er „der erste, treueste und einer der wichtigsten der Gefolgschaft des Führers war“. Man kann sich natürlich fragen wie sehr die einkaufende Öffentlichkeit auf diese Erkenntnis gewartet hat.

Quelle

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