Punkrock statt „Koksen-Kiffen-Kommunismus“?

Da sich Teile der sogenannten Popantifa bzw. der aktuelleren Variante – der „Koksen-Kiffen-Kommunismus“– Fraktion – kaum mehr für Subkultur mit linksradikalen bzw. sozialkritischen Inhalten zu interessieren scheinen, sondern stattdessen nur noch sinnentleerte Partys abfeiern (die Oire Szene Redaktion feiert selbstverständlich auch gerne – uns geht es an dieser Stelle jedoch um eine Kritik an der ganzen „Ballermann-Antifa-Mentalität“), Drogen ohne Ende konsumieren und jegliche antisexistischen Standards fallen lassen, werden wir uns an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen auch mit der innerlinken Entwicklung der verschiedenen sub- bzw. jugendkulturellen Strömungen (selbst-)kritisch auseinandersetzen. Zunächst ein Zitat vom Jungle World Schreiberling Jesse Björn Buckler:

Sich in einer drogenorientierten Partykultur grundsätzlich Rauschmitteln zu verweigern, gilt dem linken Flügel der drogenfreien Straight-Edge-Bewegung als symbolischer Ausdruck des Unwillens, »äußeren Kräften zu erlauben, dein Leben zu kontrollieren«, wie es im »Antifa-Straight-Edge Manifest« von 2001 voller Pathos heißt. Und das gelte »nicht nur für Drogen, sondern auch für Konzerne, PolitikerInnen, Bullen, deine Eltern – was auch immer sich in den Weg eines selbstbestimmten Lebens stellt. Es ist ein Ausdruck dafür, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen«, schreiben die Straight-Edger, als sei ein Rausch kein selbst gewählter Zustand, sondern eine verschwörerische, manipulative Unterdrückung revolutionärer Subjekte.

Doch noch armseliger als dieser naive Straight-Edge-Quatsch ist die »Koksen-Kiffen-Kommunis­mus«-Fraktion der radikalen Linken mit ihrem betont hemmungslosen Hedonismus. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass es sich wie beim Straight Edge lediglich um einen weiteren subkulturellen Lebensstil handelt. Das Hardcore-Punkkonzert wird hier gegen ein Wochenende auf Drogen im Technoclub eingetauscht. Im Mittelpunkt steht das Lustprinzip mit dem »Recht auf Rausch«. Beim »Raven gegen Deutschland« wird zwar betont, dass man eigentlich doch noch etwas mehr will als nur gutes Koks, doch zur Solidarität mit dem eigenen kriminalisierten Koksdealer reicht es dann doch nicht. Wird der Genuss von Drogen zum subversiven Hedonismus verklärt, wird verdrängt, dass andere dafür einen viel höheren Preis zahlen müssen als die hedonistischen Endverbraucher. Schließlich sind Drogenkartelle nicht gerade für humane Angestelltenpolitik bekannt.

Teile der hedonistischen Linken entschuldigen das gerne mit dem bequemen Hinweis, dass es kein »richtiges Leben im falschen« (Theodor W. Adorno) gebe, und ignorieren, dass es sehr wohl »ein richtigeres Leben« (Peter Brückner) auch unter den Zwängen des Kapitalismus geben kann. Es kommt eben auf die Orientierung im Alltag an. Dazu gehört auch der reflektierte, kritische Konsum, der freilich immer eine Frage des Budgets ist.

Quelle

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