Willkommen im Zombiecasino!

Rotfuchs und Egon Krenz sind der Beweis: Die ostdeutsche Staatslinke hat schlechten Geschmack. Als guter Staatsverwalter machen sie sich aber ihre Gedanken und ihre Sache. Abseits dieser Linken gab es einst eine an Idealen wie Independent, DIY und Subversion orientierte Kulturlinke, deren Bastionen in erster Linie Musikzeitschriftenredaktionen, AJZs, Squats und Fahrradwerkstätten waren, deren Irrelevanz aber mehr und mehr zu Tage tritt.

Popdiskurse funktionierten, solange Mindeststandarts gewahrt werden konnten. Wer die richtigen Musikzeitschriften las, wusste z.B., dass die Onkelz Dreck sind und Techno manchmal gar nicht so doof ist. Das Hefte wie Spex nur die bessere Konsumberatung abliefern, merkten einige schon in den 90er Jahren an. Doch der Vorwurf der „fat bitch“ kam von Leuten wie ec8or auf, die ihren subversiven Sinn im Erstellen der Begleitmusik für schmissige Scherbendemos fanden. Im Übrigen: je tiefer die Provinz, umso irrelevanter diese Diskurse überhaupt.

Mit dem Einzug der NPD in den sächsischen Landtag erlebte allerdings die Popantifa ihren bis dato letzten Frühling. Kampagnen wie „Schöner leben ohne Naziläden“ oder „Good night white pride“ versuchten Subkultur noch einmal links zu wenden. Ein Anliegen, das die Kampagneros zunehmend selbst zum verzweifeln bringt. Zu Recht.

Die Illusionen der kulturellen Wirkungsmacht rühren aus der Zeit voller alternativer Jugendzentren her und der gerade im Osten unkomplizierten Aneignung geschlossener Räume. Elendsverwaltung in Eigenregie ist die Devise.

Doch misslingt zunehmend sogar der so hochgehaltene antifaschistische und antisexistische Abwehrkampf, wenn aus Gründen der Rentabilität oder des Darniederliegens des Ehrenamtes der eine oder andere Fascho oder Macho ungeschlagen zu Gast sein darf. Trotzdem werden Antifaflyer immer noch in Jugendzentren ausgelegt und meist ausschließlich dort und die Veranstalter wünschen sich Bands mit der „richtigen Einstellung“.

Anspruch und Kundenfreundlichkeit treten immer weiter auseinander und nicht nur das. Auch die Wirklichkeit hinter den Kulissen ist nicht gerade zum Anbeißen. Der Verwertungszwang herrscht allerorten unumschränkt, wo nicht gerade ein Tässchen Kulturfördermittel den Zustand etwas abmildert.

Welchen Zweck hat also die Tätigkeit eines Alternativen Jugendzentrums heute, wenn die Szene „ein Zombie“ ist?

Quelle
Zum anhören: Teil 1 und Teil 2

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