Alles Pop, Ende Pop

Alles ist Pop, sagen die einen. Pop ist tot, sagen die anderen. Und natürlich gibt es die Dritten, die den küchendialektischen Dreischritt beherrschen und schnell erkennen: Wenn alles Pop ist, ist Pop tot. Diese Figur ist mehr als bloß eine Phrase; sie bezeichnet die fundamentale Dynamik dessen, was seit rund zweihundert Jahren ’Kultur’ genannt wird und dem seit fünf Jahrzehnten eben das Präfix ’Pop’ vorgeschoben wurde. Es geht also um eine grundsätzliche Bewegungslogik, die in der Popkultur ihren Ausdruck findet, es geht um das Verhältnis von Geschichte und Mode. Versuche, etwa den Todeszeitpunkt und –ort des Pop zu bestimmen, sind also bloß exemplarisch.

Früher gab es einmal den Spruch: Janis Joplin ist tot, Jimi Hendrix ist tot, Elvis ist tot und mir ist auch schon ganz schlecht; heute können wir aktualisieren: Aaliyah ist tot, Elliott Smith ist tot, Michael Jackson und so weiter – aber würden wir unbedingt sagen, dass uns auch schon ganz schlecht sei? Ist es nicht so, dass das Sterben in der Popkultur uns seit einiger Zeit eine Sicherheit gibt, selbst noch am Leben zu sein?

Weiter

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks
  • Identi.ca
  • RSS
  • MySpace
  • PDF