Niedersachsen: „Szene im Umbruch“

Das Thema „Grauzone“ scheint im aktiellen niedersächsischen Verfassungsschutzbericht unter dem Label „Graufeld“ angekommen zu sein – der „Blick nach Rechts“ berichtet u.a. folgendes:

Veränderte statistische Zählweise

Das Potenzial der „subkulturell geprägten und sonstigen gewaltbereiten Rechtsextremen“ reduzierte sich – von 845 auf 750. Zulauf verzeichneten nur die Neonazis, die jetzt 400 Personen zählen (2009: 350). Das Anwachsen ist das Ergebnis einer veränderten statistischen Zählweise von Grenzgängern im Graufeld zwischen Subkultur und Neonazismus. „Die Grenzen zwischen Subkultur und Neonazismus verschwimmen, so dass eine getrennte Betrachtung zunehmend schwer fällt“, erklärte Niedersachsen Innenminister Uwe Schünemann (CDU).

Die neonazistische Szene hat sich nach Erkenntnis des Verfassungsschutzes in Niedersachsen uneinheitlich entwickelt. Die Schwerpunkte der Szene sind Braunschweig, Buchholz/Nordheide, Celle, Delmenhorst, Einbeck/Northeim, das Emsland, Hannover, dei Harzregion, Hildesheim, Ostfriesland, Schneverdingen, Tostedt und Wolfsburg. In anderen Regionen sind Neonazis kaum aktiv.

Einen Knaller hat der VS Niedersachsen zum Thema „Erscheinungsbild“ von Nazi“skins“ im aktuellen Bericht niedergeschrieben:

Außerdem verzichten nicht wenige rechtsextremistische Skinheads wegen der Anfeindungen, die sie dadurch in der Öffentlichkeit auf sich ziehen, darauf, sich ihren Kopf rasieren zu lassen.

Zum Thema „Oi!-Skins“ schreibt der VS Niedersachsen:

Neben den rechtsextremistischen Skinheads gibt es nichtextremistische Strömungen mit entgegen gesetzter politischer Ausrichtung sowie die große, vorrangig „spaßorientierte“ Gruppe der Oi!-Skins60. Die Oi!-Skin-Bewegung und die rechtsextremistische Skinhead-Szene sind nicht trennscharf zu unterscheiden. Oi!-Skin-Konzerte werden auch von rechtsextremistischen Skinheads besucht.

Und zur aktuellen Rechtsrockszene in Niedersachsen:

Rechtsextreme Musik sei ein wesentlicher Faktor zur Ausprägung des Gemeinschaftsgefühls in der Szene, betont der Landesverfassungsschutz. Zwar habe sich die Anzahl aktiver niedersächsischer rechtsextremer Bands im Vergleich zum Vorjahr von sieben auf fünf Gruppen verringert, doch die niedersächsischen Liedermacher Annett Müller und René Tucholski, der unter dem Namen „Arische Jugend“ auftritt, sowie die Bands „Gigi/Stahlgewitter“ (Meppen) und „Nordfront“ (Hannover) sind in der braunen Musikszene eine bekannte Größe.

Mehr: Szene im Umbruch

Niedersächsische Vertriebe
In Niedersachsen sind zehn Vertriebe ansässig: Adler-Versand (Diekholzen), Der Versand (Bovenden), Hatecore Lüneburg (Lüneburg), Max H8 (Cremlingen), Multiplex Musica (Hannover), Nordic Flame (Seevetal), Ragnarök (Seesen), Streetwear Tostedt (Tostedt) und Das Zeughaus (Lingen/Ems) bestehen schon seit längerer Zeit. Neu hinzugekommen ist im Jahr 2010 der in Salzgitter ansässige Versand Old Honour New Hatred Records. Alle genannten Vertriebe spielen in der Szene eine eher untergeordnete Rolle, weil sie Produktionen weniger namhafter Musikbands vertreiben und damit auch einen geringeren Umsatz verzeichnen.

Rechtsextremistische Musik in Niedersachsen
Die Anzahl aktiver niedersächsischer rechtsextremistischer Musikbands hat sich im Vergleich zum Vorjahr von sieben auf fünf Musikgruppen („Gigi/Stahlgewitter“, „Kommando Freisler“, „Nordfront“, „Alte Schule“, „Terroritorium“ und „Division Wiking“) verringert. Hinzu kommen die in Niedersachsen ansässige Liedermacherin Annett MÜLLER und der Liedermacher René TUCHOLSKI, der unter dem Namen „Arische Jugend“ auftritt.
Die niedersächsischen Bands „Gigi/Stahlgewitter“ (Meppen) und „Nordfront“ (Hannover) finden in ganz Deutschland große Beachtung in der rechtsextremistischen Musikszene.

Rechtsextremistische Konzerte in Niedersachsen
Die Strategie zur Durchführung rechtsextremistischer Konzerte hat sich gegenüber den Vorjahren nicht geändert. Konzerte finden nach wie vor vornehmlich in kleineren Orten statt. Raumanmietungen erfolgen häufig unter der Angabe, eine von Musikdarbietungen umrahmte Geburtstagsfeier durchführen zu wollen. Einige Veranstalter sind in Reaktion auf Exekutivmaßnahmen der Polizei dazu übergegangen, mit Ausweichstätten zu planen.
Im Eventualfall werden Besucher dann per SMS über einen Zwischentreffpunkt zur Ausweichstätte umdirigiert. Mit solchen umfangreichen Vorplanungen möchte der Veranstalter sein Geschäftsrisiko reduzieren.
In Niedersachsen sind 2010 fünf Konzerte durchgeführt worden. Im Vorjahr waren es vier Konzerte. Dem Druck der Sicherheitsbehörden ist es zu verdanken, dass viele Konzerte nur in kleinem Rahmen stattfanden und somit die befürchtete Werbewirkung nicht entfalten konnten.

Am 23. Januar fand in einer Halle in einem Industriegebiet in Nordhorn ein als Geburtstagsfeier getarntes Skinhead-Konzert statt. Vor ca. 100 Besuchern spielten die Bands „Strafmass“ (Bremen), „Endless Pride“(Schweden), „Extressiv“ (Nordrhein-Westfalen), „Weisse Wölfe“ (Nordrhein-Westfalen) und „Bloodline“ (Thüringen).

Am 22. Mai wurde im Ortsteil Heiligenrode der Gemeinde Stuhr (Landkreis Diepholz) ein als Proberaum-Party bezeichnetes Konzert durchgeführt. Vor ca. 80 Personen spielten die Bands „Endstufe“ (Bremen) und „Alte Schule“ (Schneverdingen).

Besondere Bedeutung für die rechtsextremistische Szene hatte ein am 21. August in Eschede (Landkreis Celle) ausgerichtetes Openair-Konzert, das mit ca. 600 Teilnehmern den größten Zuspruch von allen Konzerten im Bundesgebiet fand. Da die Veranstaltung auf dem landwirtschaftlichen Anwesen des Rechtsextremisten Joachim NAHTZ durchgeführt wurde, hatten die Sicherheitsbehörden nur geringe Eingriffsmöglichkeiten. Bei der gegenüber den Ordnungsbehörden als Geburtstags- und Verlobungsfeier angezeigten Veranstaltung spielten die Bands „Alte Schule“, „Strongside“ (Sachsen-Anhalt), „12 Golden Years“ (Thüringen), „Oidoxie“ (Nordrhein-Westfalen), „Sturmwehr“ (Nordrhein-Westfalen), „Sturmtrupp“ (Bayern) und „Endless Pride“ (Schweden).

Das vierte Skinhead-Konzert fand am 11. September in Oldenburg statt. Im Clubhaus der Rockergruppierung Red Devils spielten vor ca. 100 Besuchern die Bands „Punkfront“ (Berlin) und „Endstufe“ (Bremen)

Am 18. Dezember fand in Leese ein weiteres Konzert statt, das lediglich 50 Besucher verzeichnen konnte. Hierfür waren Auftritte der Bands „Hetzjagd“ (Bremen), Morgenrot (Herkunft unbekannt) und „Aryan Hope“ (Sachsen) angekündigt.

Die Lieder- und Balladenabende sind im Vergleich zum Vorjahr von zwei auf vier angestiegen. Im Raum Jever fand am 23. Januar ein Liederabend mit ca. 60 Besuchern statt. Auch bei den weiteren Liederabenden, die in Niedersachsen stattfanden, war ein nur kleiner Teilnehmerkreis festzustellen.

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