„Towerblocks“ bei „Ugly Punk“ im Interview

Die Oire Szene Redaktion verweist an dieser Stelle auf ein Ausschnitt des Interviews auf dem „Frutti di mare“-Blog – die nicht vorhandene Unterstützung für die „Towerblocks“ aus der „Oi!“-Szene und die diversen rechten Drohungen zeigen uns einmal mehr wie schlecht es um große Teile der „Szene“ bestellt ist…:

Beim Bei­spiel Kau­litz/Ma­don­na spielst Du auf die Be­lang­lo­sig­keit oder Harm­lo­sig­keit man­cher Texte im Punk­be­reich an?

Naja – ich be­zie­he mich da auf Phra­sen­ge­dre­sche in der Form von zum Bei­spiel „Ihr seid alle gegen uns, aber wir ma­chen trotz­dem wei­ter“… wer seid Ihr und was geht wei­ter??? – Das ist so be­lang­los, dass in­zwi­schen echt kei­ner mehr eine po­si­ti­ve oder ne­ga­ti­ve Ein­stel­lung dazu haben kann. Sauf­lie­der darf man ruhig mal schrei­ben – aber viel­leicht mit ein biss­chen Char­me und Humor – man kann na­tür­lich auch von an­de­ren die „wir zie­hen voll be­sof­fen durch die In­nen­stadt“ Num­mer ab­schrei­ben und dann so tun als hätte man das Rad er­fun­den. Es gibt ja auch po­si­ti­ve Bei­spie­le im deutsch­spra­chi­gen Be­reich – zum Bei­spiel stehe ich auf viele Texte der Broi­lers, denn da merkt man, das sich die Leute gern auch ein zwei­tes Mal an einen Text set­zen bevor er ver­tont wir. Wie ge­sagt wie­der­holt sich ein­fach un­ge­mein vie­les zum tau­sends­ten Mal und das lang­weilt mich. Und wenn eine Band – wie wir zum Bei­spiel – einen bis­si­gen Song á la „Kill Baby Kill Yours­elf“ macht, ist die rech­te Seite total er­grif­fen wie un­mensch­lich und re­spekt­los man sein kann und die Linke tut so, als hätte sie nix mit­be­kom­men, weil sich aus einem po­si­ti­ven State­ment zu solch einer „schwie­ri­gen“ Sache schnell ne­ga­ti­ve Kon­se­quen­zen ent­wi­ckeln könn­ten. Zum Bei­spiel müss­te man seine Mei­nung oder einen Stand­punkt mal ver­tei­di­gen oder schlim­me­res. Dann doch lie­ber be­lang­lo­se Phra­sen – das tut nicht weh und ist hin­ter­her nicht an­stren­gend… Scha­de!

Ihr habt auf dem neuen Album, du hast es ge­ra­de an­ge­spro­chen, ein Stück names “Kill Baby Kill Yours­elf“, dass ihr über den ver­stor­be­nen Sän­ger der neo­na­zis­ti­schen Band Kill Baby Kill ge­schrie­ben habt. Die rech­te Szene hat dar­auf­hin ja ei­ni­ge üble Dro­hun­gen gegen euch aus­ge­sto­ßen. Könnt ihr uns be­züg­lich des Lie­des mal ge­nau­er auf­klä­ren?

Da ist echt ne rie­sen Schei­ße pas­siert, die uns auch or­dent­lich ein Bein ge­stellt hat – aber mal von An­fang an:
Wir haben ein­fach be­merkt, das sich in un­se­rem Pu­bli­kum mehr und mehr rechts­of­fe­ne Leute tum­mel­ten. Viele Punks rann­ten dann auch mal zu rech­ten Ver­an­stal­tun­gen wie Shows von End­stu­fe oder eben KBK. Um dem gan­zen einen Rie­gel vor­zu­schie­ben, haben wir uns dann nach zehn Jah­ren dazu ent­schie­den, end­lich auch mal ein po­li­ti­sches State­ment von uns zu geben. Nun ste­hen wir aber nicht auf so plat­te Pa­ro­len wie „Nazis auf Maul“ oder „Hau ab Deutsch­land“. Der Selbst­mord von Herrn Die­t­er S., ver­bun­den mit der da­mals für uns of­fen­sicht­li­chen Tat­sa­che, das er an einem Mord von einem Schwar­zen aktiv be­tei­ligt war, war für uns dann der Auf­hän­ger. Es scheint even­tu­ell pie­tät­los einen sol­chen Text di­rekt nach dem Selbst­mord zu schrei­ben – al­ler­dings hat er sich dies­be­züg­lich, un­se­res Er­ach­tens, auf­grund des „Mor­des“ ir­gend­wie dis­qua­li­fi­ziert. Das er am Ende wohl doch nicht oder nur teil­wei­se an der Tat be­tei­ligt war, haben wir zu die­sem Zeit­punkt nicht in Be­tracht ge­zo­gen. Wie auch immer war der Text zu die­sem Thema ent­spre­chend bis­sig und es gab ein wenig Lob aber ne Menge Dro­hun­gen und Wi­der­stand zu die­sem Thema…

Und was kamen da für Dro­hun­gen?

Es gab Mord­dro­hun­gen gegen uns und un­se­re Fa­mi­li­en aus aller Welt – viele Ver­tre­ter or­ga­ni­sier­ter Rech­ter Struk­tu­ren haben sich bei uns oder den Ver­an­stal­tern un­se­rer Shows ge­mel­det und dafür ge­sorgt, das wir im Jahre 2010 über 30 Shows aus­fal­len las­sen muss­ten. Das lag nie daran, dass wir uns ir­gend­wo nicht hin­ge­traut hät­ten – al­ler­dings sind diese Struk­tu­ren so fest und ge­fähr­lich, dass die Ver­an­stal­ter lei­der oft den Schwanz ein­ge­zo­gen haben. Auch Sunny Bas­tards – bei deren Fes­ti­val (Son of a Bas­tard) wir ge­spielt haben – wur­den von ver­wirr­ten Ver­tre­tern der rech­ten Szene an­ge­schrie­ben und be­droht. Al­ler­dings haben die zu uns ge­stan­den und damit die­sen Leu­ten die Chan­ce ge­nom­men, gegen uns zu ar­bei­ten. Das soll­ten sich viele Ver­an­stal­ter zu Her­zen neh­men. Es kann doch nicht sein, das ir­gend­wel­che Pfei­fen ent­schei­den wer wo spielt, die mit un­se­rer Szene nichts zu tun haben! An­sons­ten hat sich eine hol­län­di­sche RAC-​Band na­mens „the firm“ die Mühe ge­macht, uns ein Video zu wid­men. Das wurde dann vom Ad­ler­ver­sand freund­lich un­ter­stützt. Was soll ich sagen – viel Feind, viel Ehr – aber lang­sam nervt es ge­wal­tig. Lei­der gab es aus un­se­rer Szene dies­be­züg­lich echt wenig Un­ter­stüt­zung. Das ist sehr scha­de und ent­täu­schend.

Kras­se Num­mer! Hat sich das mit den Dro­hun­gen mitt­ler­wei­le ge­legt oder kommt da ge­le­gent­lich noch was?

Was heißt ge­le­gent­lich? Das hat nie auf­ge­hört… lei­der.

Das ge­sam­te In­ter­view fin­det ihr bei Ugly-​Punk!
Quelle

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