Welche Haarschnitte sind erlaubt?

Die „Junge Welt“ schreibt:

Da macht man was mit: Der Dokumentarfilm »Rockabilly Ruhrpott«

Autos, Saufen, Fett in den Haaren und Rock’n’Roll können durchaus Spaß machen. Wenn man kein Auto hat, geht es auch ohne. Ohne Saufen ist es schon ein bißchen schwieriger, ohne Fett in den Haaren und vor allem ohne Rock’n’Roll können sich die Helden von »Rockabilly Ruhrpott« keinen Spaß vorstellen.

Nun ist es aber eine seltsame Sache mit der Rock’n’Roll-Szene. Viele Leute, die ich kenne, legen zum Zähneputzen gelegentlich eine Johnny Burnette-Platte auf und vertreiben sich den Kater »with a heave and and a ho« – mit einem Hauruck, wie es in dem Rockabilly-Klassiker »Train kept a-rollin’« heißt. Trotzdem reagieren alle Leute, denen ich erzähle, ich hätte gerade einen Film über Rockabilly im Ruhrpott gesehen, mit mehr oder weniger den gleichen Worten: Großartige Musik, bekloppte Szene.

Denn die heutigen Rock’n’Roller haben den Ruf, extrem rückständig, leicht bescheuert, ziemlich rechts und ziemlich gewalttätig zu sein. Der Film versucht mit diesem Image aufzuräumen, und setzt, wie alle Musikdokus, seine Gesprächspartner in das beste Licht. Die Rockabillys – eigentlich reden nur die Jungs – sind alles prima Kerle, keine Frage. Die Rock’n’Roll-Szene ist eine Jungswelt. Die wenigen Mädchen, die es gibt, sind Freundinnen der Jungs, und machen das so mit. Nur eins taucht ohne ihren Macker auf. Sie erklärt, daß sie (wie im Prinzip alle Frauen in der Szene) aussehen möchte wie die 40er-Jahre Pin-up- und Fetisch-Ikone Betty Page. Die aktuell populärste Betty-Page-Inkarnation Dita von Teese durfte übrigens auch schon mal für Deutschland beim Eurovision Song Contest auftreten.

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