Das Boxenmonster muss in den Keller

Die „Jungle World“ schreibt:

In Deutschland entstanden die ersten Soundsystems nach jamaikanischem Vorbild Anfang der achtziger Jahre. Mitte der Neunziger setzte ein Boom von Dancehall- und ­Reggaeveranstaltungen ein, und es kam zu massenhaften Gründungen von Soundsystems. Auch Thomas Ewald ist mit einer mobilen Disko durch die Kulturzentren gezogen

Unsere Verstärker gehen eben bis elf. Das ist eins lauter als zehn«, erklärt Kaugummi kauend der Gitarrist von Spinal Tap einem Journalisten. »Aber man könnte doch einfach die Lautstärke zehn nehmen und diese höher auslegen«, meint der Journalist. Der Musiker will das nicht gelten lassen. Diese Szene, die aus einer Dokufiktion über eine abgehalfterte Metal-Band stammt, zeigt das Wahnhafte, das viele Betreiber eines Soundsystems antreibt: Man will unbedingt die dicksten, leistungsstärksten Boxen sein eigen nennen. Es müssen diese schwarzen Ungetüme sein, die mittels mehrerer LKW-Gurte zu einer erdrückenden Wand aus Holz, Plastik, Draht und Membrane zusammengebunden werden. Es darf ruhig knarzen, die Höhen können schon mal im Lärm untergehen, aber der Bass muss unbedingt die Wirkung eines Defibrillators auf den Brustkorb haben.

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