Statement der Stage Bottles zur Teilnahme am „Spirit of the Streets-Festival 2013“ und zur Grauzonen-Diskussion

An dieser Stelle dokumentieren wir das aktuelle Statement der „Stage Bottles“ zur Grauzonendebatte und Ihrem geplanten Auftritt auf dem „Spirit from the streets“-Festival 2013 zusammen mit den „Krawallbrüdern“, „Stomper 98″, „Evil Conduct“, „Last Resort“, „Lammkotze“, „Berliner Weisse“, „Gumbles“ u.a.. Wir wollen diese Stellungnahme gar nicht weiter kommentieren, denn wir glauben die dort gemachten Aussagen sind mehr als klar und jeder sollte sich da, wie von der Band selbst eingefordert, eine eigene Meinung dazu bilden – wir haben unsere Meinung dazu bereits zu einem früheren Zeitpunkt geäussert. Als Konsequenz bezüglich des Auftritts der „Stage Bottles“ auf dem „Spirit from the streets“ haben wir sie nun jedoch schweren Herzens aus unserer Linkliste der empfehlenswerten Bands gestrichen.:

Wir, die Stage Bottles sehen uns in letzter Zeit zunehmend folgenden Kritikpunkten ausgesetzt:

Die Teilnahme an eher kommerziellen Festivals ohne politischen Hintergrund, und die damit verbundene Legitimation bestimmter dort auftretenden Bands und bestimmter Teile des Publikums im Rahmen der Grauzonen-Diskussion.
Unglaubwürdiges Auftreten durch fehlende Abgrenzung zu Personen und Gruppen im Rahmen der Grauzonen-Diskussion.

Im Rahmen unserer geplanten Teilnahme am „Spirit of the Streets Festival 2013“ erreichten uns erneut Rückfragen, warum wir auf einem solchen Festival spielen. In den vergangen Jahren haben wir immer wieder versucht, unsere Standpunkte persönlich gegenüber bestimmten Personen/Gruppen zu rechtfertigen, möchten dies aber heute öffentlich tun.

Kurz Vorweg:
Die Grauzonen-Diskussion ist aus unserer Sicht sinnvoll, sollte aber auch auf einem anderen Niveau geführt werden, wie wir anhand der von uns selbst gemachten Erfahrungen nun feststellen müssen. Vor allem die Möglichkeit für Bands, sich zu Vorwürfen äußern zu können oder auch die Möglichkeit einer Gegendarstellung die – sofern gerechtfertigt – auch Gehör findet, sollte gegeben sein. Selbst wenn Bands und Personen nicht im erwünschten Maße Rechenschaft ablegen, sollte hier allgemein differenzierter mit politischen Einordnungen von bestimmten Handlungen oder Aussagen umgegangen werden. Vorschnelle Diffamierungen – wie sie im Zeitalter des Internets leider an der Tagesordnung sind – vergraulen Personen, bevor diese zu dem Schluss kommen können, dass die linke Szene ja doch einiges Positives zu bieten hat.
Für uns ist es auch in diesem Zusammenhang wichtig festzustellen, dass jeder linke politische Mensch selbst entscheiden darf, was für sie/ihn bezüglich des eigenen Handelns und Auftretens gegenüber anderen Personen als erträglich erscheint und was nicht. Diesen Standpunkt nehmen wir aber auch für uns in Anspruch.

Nun zurück zu den Kritikpunkten:
Wir haben als Band nie Wert darauf gelegt, Geld zu verdienen, und nehmen auch jetzt nicht an Festivals teil, um erfolgreicher oder reicher zu werden. Der absolute Großteil unserer Konzerte hat einen politischen Hintergrund. Für jeden Rechten oder Unpolitischen ist jeder Stage Bottles-Auftritt sowieso ein Politikum an sich, und das wird auch so bleiben.

Wir konnten in all den Jahren – auch aufgrund der Akzeptanz einzelner Bandmitglieder in den jeweiligen „Szenen“ – in verschiedene Bereiche unterschiedlicher Subkulturen vordringen. Dies ist nicht immer rein politisch begründet, denn die Mitglieder der Stage Bottles hatten schon immer eine Affinität zu Fußball, Punk, Skinhead, Hardcore und Ähnlichem. Aus unserer Sicht wurden wir aufgrund unserer politischen Überzeugung, wo auch immer wir uns gerade befanden, hierbei immer als politische Menschen wahrgenommen, und haben in den verschiedensten Kreisen viele Leute für unsere Ideen und Haltungen begeistern können.

Jedes Stage Bottles-Mitglied ist sich dabei jederzeit bewusst, gegebenenfalls die Reißleine ziehen zu müssen und zu wollen. Dies wird auch jeder Person aus einem „prekären“ Kreis jederzeit signalisiert. Die Erfahrungen haben uns auch hier gezeigt, dass eine „Face-To-Face“-Situation immer noch mehr Klarheit bringt, als eine Informationsschwemme oder gar sogenannte „Shit-Storms“ in Internet-Foren.

Das wir das Verhalten von Bands wie Stomper 98 oder Krawallbrüder durch unsere Teilnahme beim Spirit- Festivals politisch legitimieren, trifft aus unserer Sicht nicht zu.
Denn diese Definition der „Legitimierung“ wird erst zur Realität, indem sie als Fakt auf den Szene-Diskussionsmarkt geschmissen wird.
Unsere (Stage Bottles) Unterstellung ist hier, dass mittlerweile leider oft nur noch Wortfetzen aufgegriffen werden, diese im negativen Sinne instrumentalisiert werden, und für Bands wie uns auf demütigende und unserem wirklichen Tun gegenüber respektlose Weise zu Schlüssen verarbeitet werden, die in Diffamierung und drohender Ausgrenzung enden (könnten).
Natürlich müssten wir jetzt noch auf die privaten Kontakte einiger Stage-Bottles-Mitglieder eingehen, aber Marcel hat hierzu ein Statement geschrieben. Auch wenn es einigen Leuten nicht passen mag: auch dieser Umgang ist bewusst.

Nun zu unserer Haltung bzgl. der Teilnahme am Spirit of the Streets: Definitionen wie „Die Stage Bottles zeigen Flagge“ scheinen im allgemeinen Diskurs mittlerweile schon von vorneherein ausgeschlossen. Der Grund ist eine Art Selbst-Isolierung von gewissen Kritikern. Diese Selbst-Isolierung mit der Erwartung, dass alles so sein muss, wie man es gern haben möchte, obwohl es so wahrscheinlich nie so sein wird, schließt eine konstruktive Auseinandersetzung mit einer gewissen Vorlaufzeit von vorne herein aus.
Diese Haltung geht soweit, dass die Komplexität der gesellschaftlichen Verhältnisse, des möglichen Umgangs miteinender, und sogar die Möglichkeit des wirklich verantwortungsvollen politischen Agitierens vollkommen ausgeblendet wird. Es geht nur noch um Abgrenzung, nicht mehr um politische Arbeit (zumindest was die Szene angeht!).
Diese oben genannte Haltung haben wir aber!
Nur eine Umdeutung unserer Haltung ist ein Problem, nicht die Tatsache, dass wir da spielen.
Wir bilden uns nicht ein, dass wir mit unseren Auftritten die Welt verändern können. Wir halten es ebenso für möglich, dass wir nach einem Festival sagen, dass es sich nicht gelohnt hat, dass wir dort gespielt haben. Zunächst wollen wir aber versuchen, das Positive zu sehen und das Publikum zum Nachdenken anregen.

Wir nehmen uns das Recht, uns ins Getümmel zu stürzen, und unseren antifaschistischen und linken Standpunkt offensiv auch in der „Öffentlichkeit“ zu vertreten. Wir wollen das Feld nicht der Deutsch-Proll-Kultur überlassen, da wir in Teilen der Szene, um die es hier geht, schon viel zu viel Positives erlebt und auch schon sehr viel Spaß gehabt haben.
Wenn wir also entscheiden, uns auf Festivals mit bestimmten Personen oder Gruppen auseinander zu setzen, geschieht dadurch erst einmal nichts Negatives. Immerhin gehen auch wir ein gewisses persönliches Risiko ein. Aber: So haben wir das immer gemacht, warum damit aufhören?

Ein entspannterer Umgang – nicht mit politischen Inhalten – , aber mit der Realität „auf der Straße“ wäre unsere Lösung. Mehr Selbstvertrauen, mehr Willen, die Verschiedenheit der Menschen zu sehen und damit bis zu einem gewissen Maß umgehen zu wollen, sind allemal sinnvoller, als sich in Selbstzufriedenheit und Borniertheit selbst zu isolieren.

Wir stellen uns gewissen Situationen, weil wir den Rest der Szene – im Gegensatz zu anderen – noch nicht komplett als menschlichen Abfall disqualifiziert haben. Konsequenzen haben auch wir schon gezogen. Wir folgen jedoch hierbei keinem vorgegebenen Verhaltens-Schemata, sondern unserer persönlicher Einschätzung.

Wir erwarten von niemandem, sich unserem Anspruch oder Vorgehen anschließen zu müssen. Es wäre aber wünschenswert, wenn wir dabei eher Unterstützung als Misstrauen und Ablehnung erhalten würden. Diese Unterstützung kann aktiv sein, kann aber auch so aussehen, dass man uns einfach Vertrauen schenkt und uns machen lässt. Wir wären dankbar, wenn man nicht weiter versuchen würde, uns politisch zu entmündigen.

Und nicht vergessen: 99% der gesamten Weltbevölkerung sind Grauzone oder schlimmer!
Im Ernst!

Mit antifaschistischen Grüßen
Stage Bottles

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