Wenn Nazis Rocker spielen

Die „Jungle World“ schreibt:

Seit 30 Jahren gibt es die »Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft«. Auch wenn die Gruppe sich wie ein Club von Motorradrockern inszeniert, ist sie doch eher in der extrem rechten Szene Berlins zuhause.

Wenn von der Brückenstraße im Berliner Stadtteil Schöneweide die Rede ist, die sich in den vergangenen Jahren mit Läden wie dem »Zum Henker« oder dem »Hexogen« zu einem Schwerpunkt der lokalen Neonaziszene entwickelt hat, dann geht es immer auch um die »Vandalen«.

Gegründet wurde diese »ariogermanische Kampfgemeinschaft« – so die Selbstbezeichnung – 1982 in der Ostberliner Heavy-Metal-Szene, und schon die Stasi hatte in den achtziger Jahren ein Auge auf sie. Als Gründungsväter gelten nach Angaben des Antifaschistischen Infoblatts Jens K. und Michael Regener. Regener gelangte später unter dem Namen Lunikoff – benannt nach dem Billigwodka Lunikoff – zu Berühmtheit und war Frontmann der Neonazi-Kultband »Landser«. Mit Songtiteln wie »Zigeunerpack«, »Schlagt Sie tot« und »Arische Kämpfer« brachte es die Band auf rund ein Dutzend Alben, bevor sie 2001 nach fast zehn Jahren des konspirativen Schaffens mittels des Paragraphen 129 vor Gericht gestellt wurde. Im März 2005 verhängte in letzter Instanz der Bundesgerichtshof in Karlsruhe für diverse Straftaten eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten gegen Regener.

Belastet hatte ihn dabei zunächst unter anderem der Dresdner Neonazi Thomas Starke. Dieser zog jedoch seine Aussage zurück, nachdem, wie das Antifaschistische Infoblatt berichtete, Regeners Vandalen-Kamerad Jean-René B. ihn zuhause aufgesucht und im Hausflur angegriffen hatte. Gut zehn Jahre später brachte eben dieser Starke den heutigen Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) in Schwierigkeiten, weil er jahrelang als V-Mann des Berliner LKA geführt wurde. Starke hatte sogar Hinweise zum NSU geliefert, die aber nicht weiterverfolgt wurden.

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