Gewachsene braune Strukturen

Via der „Blick nach Rechts“:

Endlich kommt nach über 50 Prozesstagen im Münchner NSU-Prozess die Rede auf das Neonazi-Helfer-Netzwerk „Blood&Honour“ – doch das Gericht stellt die Relevanz in Frage und unterbricht.

Der ehemalige Skinhead Stefan A aus Jena., Cousin der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, hat sich wie bisher alle rechten Zeugen im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München eine einfache Strategie zurechtgelegt: Die eigene politische Rolle herunterspielen und möglichst wenige noch lebende ehemalige Kameraden und Kameradinnen belasten. Die weitestgehend sehr unpolitischen Fragen des Vorsitzenden Richters Götzl hat A. an diesem Tag bereits hinter sich. Der seit acht Jahren auf Mallorca lebende Handwerker will unbedingt vor Gericht den Eindruck vermitteln, er gehörte damals, als sich führende Jenaer Neonazis verradikalisierten, nur zur Skinhead-Spähfraktion. Stundenlang kommt er damit durch, von Kameradschaftsaktivitäten, Flucht der Kameraden und Cousine sowie Helferstrukturen nichts gewusst zu haben.

Richter Götzl stellt seine inzwischen typischen Fragen: Welche Bedeutung hatte der verstorbene Großvater für Beate Zschäpe? Wie reagierte die Großmutter nach der Flucht 1998 oder war Zschäpes Berufswunsch Kindergärtnerin? Als am Mittwochnachmittag endlich die Vertreter der Nebenklage zum Zuge kommen und gezielte Nachfragen nach politischer Einstellung, Teilnahme an rassistischen Aktionen oder gar nach Neonazi-Musikstrukturen stellen, wird es spannend.

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Siehe auch: Der Zeuge, der Nazi-Beiträge auf Facebook mag

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