Archiv für November 2013

Neonazi-Netzwerk in Brandenburg: Richter prüfen Klage gegen Verbot

Via „taz“:

Seit Juni 2012 ist das Netzwerk „Widerstandsbewegung in Südbrandenburg“ illegal. Seine Mitglieder sind aber weiter klandestin unterwegs – und nun auch vors Gericht gezogen.

BERLIN/POTSDAM dpa | Seit knapp eineinhalb Jahren ist das Neonazi-Netzwerk „Widerstandsbewegung in Südbrandenburg“ verboten – nun entscheidet die Justiz, ob es dabei bleibt. An diesem Mittwoch (20. November) prüft das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Klage der rechtsextremistischen Gruppierung gegen Brandenburgs Innenministerium. Es hatte – damals noch unter Leitung des heutigen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) – das Verbot im Juni 2012 ausgesprochen. Ein Urteil der Berliner Richter wird noch am selben Tag erwartet, sagte eine Gerichtssprecherin.

„Die Verbotsverfügung ist umfassend und sorgfältig begründet“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker. Verbunden mit einer Razzia wurde die Verfügung 27 Mitgliedern der Gruppierung damals zugestellt. Die meisten von ihnen stammten laut Ministerium aus dem Raum Lübben und Lübbenau, es gab aber auch Anhänger aus Cottbus und Spremberg. Vor Gericht werden die Neonazis von einem einschlägig bekannten Szene-Anwalt vertreten.

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Neonazis im unterklassigen Fußball: Dort, wo keiner hinsehen will

„Spiegel Online“ berichtet:

Es wird heftig über die Sicherheit in deutschen Bundesliga-Stadien diskutiert – dabei lauern die Gefahren auch in den unteren Spielklassen. Dort, wo Funktionäre und Polizei nicht so genau hinschauen. Genau diese Freiräume versuchen Rechtsextreme zu nutzen.

Sicheres Stadionerlebnis: So hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) plakativ ihr umstrittenes Sicherheitskonzept getauft. Es geht ihr dabei um die Sicherheit und Interessen ihrer prominenten Mitglieder, der Clubs der ersten und zweiten Liga. Aber was in den Spielklassen darunter geschieht, ist nicht mehr ihr Geschäft.

Und auch wenn Neonazis mittlerweile bei den Proficlubs wieder auftauchen und aktiv werden – es sind gerade die sportlichen Niederungen im deutschen Fußball, in denen all das gärt, was einen Stadionbesuch wirklich unsicher macht: Rohheit, Rassismus, Rechtsextremismus. Sicheres Stadionerlebnis? Immer seltener.

Kerstin Köditz beobachtet seit Jahren, was sich im Kellergeschoss des Fußballs tut. Sie ist Abgeordnete der Linken im sächsischen Landtag, ihr Themenschwerpunkt ist Antifaschismus, und damit landet sie zwangsläufig immer wieder mal beim Fußball. Die Versuche von Rechten, den Sport zu vereinnahmen, erlebt sie vor Ort „immer wieder“, sagt sie SPIEGEL ONLINE. Dies werde zwar aus ihrer Sicht „nicht planmäßig betrieben“, aber Beispiele hat sie genug auf dem Tisch.

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NH3 Feat. LOS FASTIDIOS & REDSKA | „AGAINST RACISM“ |

Nach Drohungen und Beleidigungen: Media-Markt Jena sagt Auftritt von Freiwild ab

Via „OTZ“:

Eigentlich wurden für Freitag Hunderte Fans erwartet, doch nun sagt der Elektronikmarkt an der Stadtrodaer Straße Kurzauftritt und Autogrammstunde der Band „Frei.Wild“ aus Südtirol wegen Sicherheitsbedenken ab.

Jena. Matthias Klüber und Andreas Blasche haben die Notbremse gezogen. Der für diesen Freitag im Media-Markt Jena ­angekündigte Kurzauftritt der Band „Frei.Wild“ zum Deutschlandstart ihres neuen Albums ist abgesagt. Der Geschäftsführer und sein für Musik und Videos zuständiger Bereichsleiter ­haben damit auf Bedenken der Jenaer Polizei reagiert.

Die vor allem bei jungen Männern zwischen 16 und 19 Jahren populäre Heavy-Metal-Combo aus Südtirol ist nicht unumstritten. Kritiker sagen, ihre Texte seien völkisch und nationalistisch. Anfang März diesen Jahres war „Frei.Wild“ nach Protesten von der Nominierungsliste des Echo-Musikpreises geflogen. Trotz des kommerziellen Erfolgs eines 2012 erschienenen Albums. Für den Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die Band aus Brixen zwar keine offen ­faschistische Gruppe. Aber sie verbreite massentauglichen, latent völkischen Nationalismus.

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Naziverein verlässt Lichtenberg: Ende in Sicht

Die „taz“ berichtet:

NEONAZIS Rechtsextremer Kameradschaftler zusammengeschlagen / NPDlerin vor Gericht

Seit mehr als zwei Jahren treffen sie sich in dem einstigen Gardinenladen, nun ist Schluss: Die Neonazis um den „Nationalen Widerstand Berlin“ müssen ihren Treff in der Lichtenberger Lückstraße bis Ende Mai 2014 verlassen. Wie jetzt bekannt wurde, entschied dies am Freitag das Berliner Kammergericht.

Über einen Tarnverein, „Sozial engagiert in Berlin e.V.“, hatten sich die Neonazis im März 2011 in das Ladengeschäft eingemietet. Als der Vermieter dies durchschaute, kündigte er. Das folgende juristische Gezerre endete nun mit einem Vergleich: dem Auszug bis Ende Mai. „Endlich ist ein Ende in Sicht“, sagte der Vermieter der taz. „Im ganzen Haus herrscht großes Aufatmen.“

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Captain Gips – Faust in der Tasche

„Feindesliste“ des „Nationalen Widerstandes Berlin“: Anklage gegen Die Rechte-Spitzenfunktionär Giemsch

„Endstation Rechts“ berichtet:

Die Ermittlungen gegen die Hintermänner des „Nationalen Widerstandes Berlin“ haben zu einem ersten Erfolg geführt. Der NRW-Landeschef der Rechten, Dennis Giemsch, steht im Verdacht, die Webseite der Gruppierung, auf der eine „Feindesliste“ geführt wurde, gehostet zu haben. Auch dem Berliner NPD-Chef Schmidtke droht weiterer Ärger.

Im letzten Herbst wurde der Großraum Berlin von einer Serie von rechtsextremistisch motivierten Anschlägen überzogen. Die womöglich der Gruppierung „Nationaler Widerstand Berlin“ (NW Berlin) angehörenden Täter verfolgten offensichtlich den Plan, missliebige Personen einzuschüchtern. In ihr Visier gerieten ein Asylbewerberwohnheim, Büros demokratischer Parteien, zivilgesellschaftlich engagierte Einzelpersonen oder eine Jugendeinrichtung der „Falken“, die zuvor bereits zwei Mal zum Ziel eines Brandanschlages geworden war. An einigen Tatorten wurde mit dem Kürzel „NW Berlin“ ein Bekennerhinweis hinterlassen. Bereits in den Vorjahren waren zahlreiche Übergriffe aktenkundig geworden.

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Siehe auch: Alles aus einer Hand – Internetdienst für Kameraden
Hetzer auf der Anklagebank
Verfahren gegen Berlins NPD-Chef Schmidtke gegen Geldauflage eingestellt

Neonazi-Konzert Söllingen wieder Treffpunkt von Rechten

Via „Indymedia Linksunten“:

Rund 120 Neonazis aus ganz Deutschland haben sich gestern zu einem Konzert in Söllingen (Landkreis Rastatt) getroffen. Vor zwei Jahren hatten sich die badische Gemeinde und der Landkreis noch dagegen wehren können, dass sich Rechtsextreme im Gasthaus „Rössle“ versammeln.

Das Gasthaus inmitten eines Wohngebiets von Rheinmünster-Söllingen ist seit Jahren Treffpunkt von Rechtsextremen und Neonazis. Nachdem der Landkreis Rastatt und die Gemeinde vor zwei Jahren erfolgreich dagegen vorgingen, war es tatsächlich ruhiger geworden – bis vor kurzem: Innerhalb der vergangenen vier Wochen fanden vier Konzerte in Rheinmünster statt.

Die Autokennzeichen der Konzertbesucher am Samstagabend lasen sich wie eine Deutschlandkarte: Sachsen, Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Bürgermeister Helmut Pautler (parteilos) findet es „beschämend, beängstigend, ekelerregend“, dass die Gemeinde offenbar wieder zum Treffpunkt von Neonazis wird.

Die Anwohner ringsum hatten vorsichtshalber die Rollläden heruntergelassen. „Es ist ruhig, es passiert nichts, aber ich als Anwohner möchte das generell nicht“, sagte ein Mann dem SWR. Ein Polizeiaufgebot war im Einsatz um die Lage zu beobachten – vor der Gaststätte in Uniform, drinnen in zivil.

Von Dortmund ins Badische umgezogen

Das Konzert macht deutlich, wie vernetzt die Rechtsextremen sind: Eigentlich sollte die Veranstaltung in Dortmund stattfinden, um den Geburtstag eines Mitglieds der dortigen Szene zu feiern. Doch die Stadt konnte die Veranstaltung kurzfristig verbieten. Innerhalb von nur 24 Stunden wurde umdisponiert und es gelang, Band und Publikum zu informieren, dass man sich statt in Dortmund in Söllingen trifft. Das Zusammenkommen wurde als private Geburtstagsfeier angemeldet – dagegen konnte die Gemeinde nichts machen. „Die Einwohner werden von einem Gastwirt, der seine Räume an diese Leute vermietet, in Gemeinschaftshaftung mit reingenommen“, beklagte sich Bürgermeister Pautler.

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Siehe auch: Veranstaltung mit rechtem Publikum im Landkreis Rastatt
Neonazi-Auflauf: Hooligan-Rocker spielen für „SS-Siggi“
Rechtsrock-Konzert in Dortmund verboten
Rechtsrockkonzert der Partei „Die Rechte“
„Wahlkampfauftakt“ mit Abstrichen – Rechtsrock-Konzert mit 150 Besuchern fand weit außerhalb Dortmunds statt
Dortmunder „Wahlkampfauftakt“ tief im Südwesten
Dortmund verdirbt Neonazi-Hooligan Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt den Geburtstag
Gasthaus „Rössle“ in Söllingen: Treffpunkt der Neonazi-Szene

The Oppressed – A.C.A.B.

2.-16.11.2013: Grau- und Braunzonenkonzerte International

An die­ser Stel­le un­se­re ge­wohn­te Über­sicht über Kon­zer­te aus der Grau- und Braun­zo­ne zwi­schen dem 2. und 16.11.2013. Falls Ihr Er­gän­zun­gen bzw. Aus­bes­se­rungs­vor­schlä­ge haben soll­tet, schickt uns bitte eine Mail!:​

Grauzonenkonzerte:

2.11.2013: “Jugendhaus Rosswein”: Grauzonen- bis RAC-Konzert mit “Evil Conduct”.

8.11.2013: Aachen: Konzert von “Kärbholz”

9.11.2013: „Kulturhaus“/Merzdorf: “Oi! Night Merzdorf Vol.1“ mit „Thekenprominenz“, „Durstige Nachbarn“, „Hottntottn“, „Egoi!sten“ u.a.

9.11.2013: Weisswasser: „Oktobierfest“ mit „F.B.I.“.

9.11.2013: Messkirch: „Stomping Ground South“ mit den „Prolligans“, „Lammkotze“, „The Praetorians“ und „Siffköpf“.

9.11.2013: Tommyhaus/Berlin: “OHL”, “Klartext” u.a.

9.11.2013: „Grünspan“/Hamburg: Konzert mit „Kärbholz“.

15.11.2013: Beatclub Dessau (Sachsen-Anhalt): „15 Jahre Stomper 98“ mit „Stomper 98“ und den „Eastsideboys“.

16.11.2013: „Kaktus-Farm“/Dortmund: „Stomper 98“, „Lost Boyz Army“ und „Gewohnheitstrinker“.

Braunzone:

2.11.2013: „Skinhouse Hellas“/Griechenland: Nazikonzert mit „Legittima Offesa“ und „Midland Reapers“.

2.11.2013: „Casa Pound Milano“/Italien: Faschokonzert mit „SPQR“, „In Memoriam“ und „DTD“.

2.11.2013: Hasselt/Belgien: Konzert der „Blood &Honour“-Band „Headcase“ zusammen mit „The Business“ (sic!).

2.11.2013: Finnland: „Westcoast Hardcore Massacre Vol.2“ mit den NSHC-Bands „Path of Resistance“, „Still Burnin´Youth”, “Thrima”, “Rusty Nailbomb”, “Pagan Skull”, “Civic Duty” und “Marder”.

9.11.2013: Tiefstrasse 7/Halle an der Saale: RAC-Konzert mit den Bands “Pittbullfarm”, “Open Violence”, “Roials” und “The Morons”.

9.11.2013: “The Princess Alice”/Middlesborough (England): RAC-Konzert mit den “Streetpunk Drunks”, “Advers Society” und “Queensbury Rules”.

9.11.2013: “Big Bike Pub”/Budapest (Ungarn): “Skins4Skins Hungary” präsentierten unter dem Motto “Freedom for the national socialists” ein Nazikonzert mit den Bands “Nessuna Resa”, “Hunnia”, “Kitörés” und “Tar Had”.

9.11.2013: Ruhrgebiet: Laut „NRW Rechtsaußen“ sollte ein Konzert der Nazihooliganband „Kategorie C“ stattfinden.

9.11.2013: „Rössle“/Sollingen: Ca. 250 Nazis auf einem NS-Konzert von „Confident of Victory“, „Kommando Skin“, „Blutzeugen“, „Frontfeuer“ und „Carpe Diem“.

16.11.2013: „Erlebnisscheune“/Kirchheim (Thüringen): NS-Konzert mit „Frontal 18“, „PAK 88“ und „Burning Hate“.

16.11.2013: Ruhrpott: „Wahlkampfauftakt der Partei „Die Rechte“ KV Dortmund“ mit den NS-Bands „Die Lunikoff Verschwörung“, „Sachsonia“, „Words of Anger“ und „Klänge des Blutes“.

16.11.2013: „Central Germany“: „Still not dead – Record Release Party“ mit den NSHC-Bands „Fear Rains Down“, „Brain Wash“, „Legion of Thor“ und „Painful Life“.

16.11.2013: „Zuckerfabrik Wegeleben“: „JC Wegeleben“ und „Bandworm Records“ präsentieren ein RAC-Konzert mit „Vogelfrei“, „Badlands“ und „Martens Army“ plus „Support“.

OSTWESTFALEN: “Kategorie C” reloaded?

„NRW rechtsaußen“ schreibt:

OSTWESTFALEN – Für ein Konzert mit der extrem rechten Hooligan-Band “Kategorie C” (KC) am 16. November werben derzeit ost-westfälische Neonazis Nazis in ihren Kreisen. Anlass sei eine “Geburtstagsfeier”. Die Band selbst hält sich bedeckt.

Nachdem ein für den 2. Oktober 2013 angekündigtes KC-Konzert in Ostwestfalen verhindert werden konnte, hatte die Band verkündet, man werde als Konsequenz “ab sofort Konzerte von KC in der BRD nicht mehr über die Internetseite bewerben und es wird auch ab sofort keinen Vorverkauf mehr geben. Die Konzerte werden geheim gehalten und nicht mehr öffentlich beworben.” (nrwrex berichtete) Letzte Ausnahme von dieser neuen Regel scheint das KC-”Weihnachtskonzert” am 7. Dezember im “Ruhrpott” zu sein, das schon seit langer Zeit öffentlich beworben wird und zu dem auch Karten im Vorverkauf erhältlich – aber offenbar noch nicht verschickt worden – sind. Das ostwestfälische Konzert jedoch wird intern gehalten und nur über Rundmails in den eigenen Kreisen beworben. Als zentraler Kontakt wird eine E-Mail-Adresse (m.winter[…]@[…]) genannt, hinter der sich der bekannte Neonazi Marcus Winter aus Minden verbergen könnte, der schon früher mit der Organisation (nicht nur) von KC-Konzerten in Verbindung gebracht wurde.

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Oi Polloi – Nazi Scum‏

Neonazis im Stadion: Fußballclubs ignorieren die Gefahr durch Rechtsextreme

Via „Spiegel Online“:

Gewalttätige Neonazis auf den Rängen? Gibt’s bei uns nicht, behaupten viele Fußballvereine. Das ist eine riskante Strategie. Clubs wie der MSV Duisburg oder 1860 München haben damit schlechte Erfahrungen gemacht und denken jetzt um.

„Eine politische Motivation scheint nicht vorrangig vorzuliegen.“ Mit knappen Worten schaffte es der MSV Duisburg Ende Oktober, eines der größten Probleme des deutschen Profifußballs im Kampf gegen rechts unfreiwillig offenzulegen: die Abrede, dass es bei den eigenen Fans überhaupt ein rechtes Problem gibt.

Es ging um den brutalen Überfall rechtsgesinnter Hooligans auf die antifaschistische Ultra-Gruppierung „Kohorte“ nach dem Drittligaspiel gegen den 1. FC Saarbrücken. Obwohl Augenzeugen damals berichtet hatten, unter den Angreifern polizeibekannte Neonazis erkannt zu haben, darunter Mitglieder des verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“, wollte der Verein zunächst keine politisch-ideologischen Ursachen für den Überfall gelten lassen.

Nur wenige Wochen später hat der MSV eingesehen, dass es keinen Sinn mehr macht, das Offensichtliche zu leugnen. „Das war ein Fehler“, sagt MSV-Sprecher Martin Haltermann. Er gibt zu, dass der Club von der Situation überrascht wurde. „Wir haben in unserem Stadion ein Problem mit 20, 25 Rechtsradikalen“, sagt der Duisburger Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Marbach SPIEGEL ONLINE. Er räumt ein, dass wohl einige von ihnen beim Angriff auf die „Kohorte“-Ultras dabei waren.

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Siehe auch: Rechtsextremes Netzwerk: Hooligans und Neonazis bedrohen deutschen Fußball
Rechtsruck in den Stadien: „Fußball ist ein Rückzugsraum für Nazis“

Neonazi Frank L.: Der Mann im Hintergrund

„Spiegel Online“ schreibt:

Der Neonazi Frank L. betrieb jahrelang einen rechten Szeneladen in Jena. Sein engster Mitarbeiter soll dort die Waffe verkauft haben, mit der neun von zehn mutmaßlichen NSU-Opfern erschossen wurden. Wie weit war dieser Verkauf im Sinne des Geschäftsinhabers?

Frank L. sagt aus, er habe mit der tschechischen Pistole des Typs Ceska CZ 83, Kaliber 7,65 Millimeter nichts zu tun gehabt: Er habe sie nicht geordert, nicht gesehen und erst recht nicht ausgehändigt. Mit ihr sollen die Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) neun Menschen erschossen haben. Carsten S., vor dem Oberlandesgericht München (OLG) als mutmaßlicher NSU-Unterstützer angeklagt, soll die Waffe inklusive Schalldämpfer für Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gekauft haben – in einem Geschäft namens Madley, dessen Besitzer Frank L. war.

Das Madley war von 1995 bis 2009 eine Institution in der rechten Szene Jenas: Ein 25 Quadratmeter großer Laden mit Schaufenstern aus Sicherheitsglas, voller Devotionalien wie „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“-Aufnähern, indizierten Tonträgern und Kleidung von Thor Steinar, Pitbull und Hooligan – Marken, die in rechtsextremen Kreisen begehrt sind.

Auch Eintrittskarten für umstrittene Kampfsportveranstaltungen wie den Fight Club Chemnitz gingen über die Ladentheke. Hier kauften laut Frank L. auch die mutmaßlichen Rechtsterroristen ein, bevor sie in den Untergrund gingen.

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Ebenfalls lesenswert: Neonazi Gerhard Ittner zu NSU-Morden verhört

Thüringer Ministerin Taubert will „Frei.Wild“-Lieder überprüfen lassen

„Filmfaktum“ berichtet:

Gibt es Liedtexte der rechtslastigen Band „Frei.Wild“, die jugendgefährdend sind? Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat sich bisher nicht damit beschäftigt. Die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Heike Taubert (SPD), hat nun eine Prüfung der Liedtexte durch die BPjM angeregt.

Die norditalienische Deutschrock-Band „Frei.Wild“ verbreitet aggressiven Nationalismus, völkisches Gedankengut und Hass auf Andersdenkende, sie verherrlicht Gewalt, sie arbeitet mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen und sie bedient antisemitische Stereotype – darauf hat der Rechtsextremismus-Experte und Buch-Autor Thomas Kuban wiederholt hingewiesen.

Dass Botschaften der Südtiroler Gruppe verschiedentlich Kritik hervorrufen, ist in Deutschland spätestens seit dem Frühjahr 2013 bekannt, als die „Deutsche Phono-Akademie“, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie, die „Frei.Wild“-Nominierung für den Musikpreis „Echo“ zurückgezogen hat. Viele Medien haben darüber berichtet.

Trotzdem kann sich die Band bis heute damit brüsten, dass keines ihrer Lieder von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert worden ist. Wenn ein Musiktitel auf diesen Index kommt, darf der entsprechende Tonträger nicht mehr an Personen unter 18 Jahren verkauft werden. Dies ist bei „Frei.Wild“ aber bisher nicht der Fall. Die Band tourt seit dem vergangenen Jahr durch deutsche Großstadthallen und spielt vor zigtausend Fans – darunter sind viele Jugendliche.

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Produzenten der Froide – Lazy Boy

Ein Koffer voller Hassmusik

Via der „Blick nach Rechts“:

Der Berliner NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke muss sich seit Mittwoch wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten.

Als am 23. März vergangenen Jahres das Berliner Landeskriminalamt mit einem Gerichtsbeschluss die Wohnung und das Militaria-Geschäft „Hexogen“ von Sebastian Schmidtke in Berlin-Schöneweide durchsuchte, waren die Beamten eigentlich auf der Suche nach Belegen für eine mögliche Mitwirkung des Berliner NPD-Landesvorsitzenden an der rechten Internetseite „NW-Berlin“. Hinter dem Ladentisch fanden die Beamten jedoch neben einer Pumpgun-Attrappe auch einen Koffer voller Hassmusik. Diverse verbotene und indizierte CDs, voll von NS-Propaganda sowie rassistischen, homophoben und gewaltverherrlichen Texten, teilweise mit Preisschild, andere noch eingeschweißt. Ob diese zum Verkauf gedacht waren, versucht seit dem heutigen Mittwoch das Berliner Amtsgericht in Erfahrung zu bringen. Zudem war Schmidtke angeklagt, über seinen „On the Streets“-Versand eine indizierte CD angeboten zu haben.

Zum Prozessauftakt am 13. November ließ sich der Berliner NPD-Chef teilweise geständig ein, schob die Schuld aber immer anderen zu: Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass die CD indiziert worden sei und der Online-Versand sei zu dem Zeitpunkt noch vom Vorbesitzer betrieben worden. Schmidtkes Name stand zwar schon im Impressum, die Webseite verwaltete aber demnach noch Alexander Gast von der Rechtsrock-Band „Spreegeschwader“. Zu dem Verkaufs- und Präsentationskoffer voller Nazi-CDs räumte Schmidtke nur ein, dass er diesen unter seiner Theke bemerkt haben will, aber nicht wusste, was sich darin befunden hätte. Auch sei ihm nicht bekannt, wer den Koffer dort abgestellt hatte. Zu dem Zeitpunkt arbeiteten im Szeneladen „Hexogen“ zwei geringfügig Beschäftige, unter anderem Maria Fank, die Berliner Landesvorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“ (RNF,) sowie ein Praktikant.

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Siehe auch: Hetzer auf der Anklagebank – Prozess gegen NPD-Landeschef
Auswärtsfahrt der „Weissen Wölfe Terrorcrew“

SIEMPRE ANTIFASCISTA 2013: enough is enough

Unsere Empfehlung fürs Wochenende:

Seit 2008 findet das „Siempre Antifascista Festival“ jährlich in Berlin statt. Jedes Jah bemühen sich alle Beteiligten – ob Organisatoren_innen oder Künstler_innen – aufs Neue darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich das antifaschistische und emanzipatorische Selbstverständnis sowohl im musikalischen Angebot des Festivals als auch in dessen inhaltlicher Ausrichtung spiegeln.

Linke Spassverderber_innen?

Ein antifaschistisches Musikfestival ist kein Marx-Lektürekurs, keine Parallelwelt für Eingeweihte, zu der nur diejenigen Zugang erhalten, welche sich an starre Regeln halten – das „Siempre Antifascista“ ist vor allem ein subkulturelles Event. Seit mehreren Jahren vertritt es nach innen und außen den Anspruch, dass Politik eben nicht dort aufhört, wo die Party anfängt. Die Verbindung zwischen subkultureller Musik und den antifaschistischen Inhalten, die sie transportiert, bekanntmacht und zum Gemeinschaftserlebnis werden lässt, blickt auf eine gewisse Geschichte in vielen Teilen der Welt zurück und hat einen nicht zu unterschätzenden subversiven Gehalt. Bis heute sind subkulturelle Punk-, Hardcore- und Hiphop-Konzerte für junge Menschen ein erster Berührungspunkt mit antifaschistischen und emanzipatorischen Inhalten. Solche Musik-Events bieten eine Basis sein für den Austausch mit Gleichgesinnten aus verschiedenen Gegenden und können niedrigschwellig für antifaschistische und libertäre Themen sensibilisieren und begeistern. Außerhalb der großen Metropolen sind selbstorganisierte Konzerte und Festivals oftmals die einzigen kulturellen Angebote und ermöglichen mit ihrem unkommerziellen Selbstverständnis die Beteiligung junger Menschen – abseits vom kommerziellen, populären Mainstream.

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EINIGE STATEMENTS UNSERER ACTS 2013

Fragwürdiger Kronzeuge

Via der „Blick nach Rechts“:

NSU-Angeklagter im Zeugenschutz soll 2012 unter den Augen der Polizei mutmaßliche Belastungszeugen in Hannover getroffen haben. Die Vertretungen der Nebenklage fordern Aufklärung.

Für Empörung unter den Nebenklage-Anwälten im NSU-Verfahren in München sorgte gestern die beiläufige Aussage der sonst so einsilbigen Silvia S. aus Hannover. Die Friseurin hatte dem Mitangeklagten Holger G. etwa 2005 ihre AOK-Karte für 300 Euro verkauft, der gab sie an Beate Zschäpe weiter. Zschäpe nutzte fortan den Mädchennamen der Frau „Silvia Rossberg“ als eine ihrer Tarnidentitäten. Im Brandschutt in Zwickau wurden weitere Ausweise unter anderem für eine Bibliothek oder einen Fahrradladen sowie handschriftlich notierte Wohnadressen der Frau aus Hannover gefunden. Die will davon nichts gewusst haben, obwohl ihr Ehemann, der beste Freund von G., einst als gefährlicher Neonazi in der Landeshauptstadt galt.

Vor Gericht vermittelte die Zeugin am Dienstag den Eindruck sie habe entweder Angst oder verweigere sich total. Erst nach rund fünf Stunden Vernehmung schilderte die 33-Jährige stockend einen Vorfall aus dem Sommer 2012. Demnach habe der NSU-Mitbeschuldigte ihren Ehemann Alexander S. angerufen und um ein Gespräch gebeten, man könne ja ein „Bierchen“ trinken. Am Seehaus in Isernhagen bei Hannover warteten G.s Mutter sowie dessen Lebensgefährtin gemeinsam mit Alexander und Silvia S. auf den ehemaligen Untersuchungshäftling. Der wurde von zwei Beamten in Zivil vorgefahren, die während des Geesprächs draußen blieben, so S. Das Brisante: Holger G. befand sich zu diesem Zeitpunkt als mutmaßlicher Kronzeuge und Aussteiger im Zeugenschutzprogramm. Der hochbelastete Freund, den sie „Holgi“ oder „Ossi“ nennen und dem nun zum Schutz vom Staat ein neues Leben angeboten wird, traf sich demnach vor der Gerichtsverhandlung mit einer Zeugin, deren Identität Beate Zschäpe genutzt hatte.

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The Fancy Dolls – Behind Broken Windows