Die Chemnitz-Connection: NSU-Kumpane am Neckar

Die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ berichtet:

Nicht nur das Terrortrio selbst hatte enge Verbindungen in den Raum Ludwigsburg – Rechtes Musiknetzwerk und NPD als Schaltstellen

Die Parole „Blut und Ehre“ stand auf den Fahrtenmessern der Hitlerjugend. Blood & Honour (B&H) heißt ein internationales Vertriebsnetzwerk für neonazistische Subkultur, das teils konspirativ arbeitet und mit Musik und Fanzines militante Rechte rekrutiert. In Deutschland seit 13 Jahren verboten, aber deshalb keineswegs verschwunden, prägte B&H, gemeinsam mit der NPD, die Szene im Kreis – die, als radikal bekannt, schon in den 1990er Jahren auch Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe anlockte. Teile des Jenaer und Chemnitzer B&H-Umfeldes des NSU zog es später für längere Zeit oder ganz in den Raum Ludwigsburg.

Zentrales Beispiel ist ein mit dem Terrortrio eng verbandeltes Rechtsrock-Trio um das Chemnitzer B&H-Label Movement Records: J.W., A.G. und T.S. Letzterer ist beispielsweise auf einem der Fotos zu sehen, das im Ludwigsburger Partykeller des 2003 verstorbenen Rechtsrockers Michael Ellinger aufgenommen wurde. T.S. dürfte erwartungsvoll nach Ludwigsburg gekommen sein: Er ist der Mann, dem Uwe Mundlos 1996 in einem Brief vom Waffenarsenal seiner hiesigen Kumpane vorgeschwärmt hatte. S. saß zu dieser Zeit noch im Gefängnis: Wegen einer Neonazi-Schlägerei, an der auch Mundlos beteiligt gewesen sein soll, verbüßte er von 1994 bis 1996 eine Haftstrafe und wurde von dem damals noch nicht abgetauchten Jenaer Trio unterstützt. Laut Recherchen linker Medien wie dem in Berlin erscheinenden Antifaschistischen Infoblatt (AIB), hinter dem ein ehrenamtlich arbeitendes Netzwerk linker Aktivisten und professioneller Journalisten steht, oder dem autonomen Internet-Portal Indymedia soll S. nach seiner Entlassung ein paar Monate mit Beate Zschäpe liiert gewesen sein und dem NSU 1997 Sprengstoff geliefert haben. Als die Polizei das TNT – gemeinsam mit der Namensliste, auf der neben den Namen von drei Ludwigsburger NSU-Vertrauten auch der von T.S. stand – im Januar 1998 in einer Jenaer Garage fand, tauchten Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in den Untergrund ab.

Weiter

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks
  • Identi.ca
  • RSS
  • MySpace
  • PDF