NSU: Und immer wieder Hannover

Der „NDR“ berichtet:

Drei Nächte lang übernachtete Ralf Wohlleben aus Jena beim Kameraden Holger G. in Hannover. Drei Tage folgten Beamte der Observationsgruppe 33/II des niedersächsischen Verfassungsschutzes im August 1999 den beiden Neonazis auf Schritt und Tritt. Die länderübergreifende „Aktion Rohr“ sollte Aufklärung bringen über den geheimen Aufenthaltsort der drei Sprengstoffsammler aus Jena Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.

Seit rund 19 Monaten befanden sie sich auf der Flucht, nachdem 1,4 Kilogramm hochexplosives TNT bei ihnen gefunden worden waren. Die engen Freunde Wohlleben und G. wurden von den zuständigen Thüringer Behörden verdächtigt, den dreien im Untergrund ein Quartier zu besorgen – womöglich im Ausland.
Behörden hatten Unterstützer lange im Visier

Heute ist bekannt: Die Behörden waren 1999 in Hannover nah dran an den Unterstützern des später mordend umherziehenden Terrortrios. Doch die verantwortlichen Sicherheitskräfte unterschätzten den extrem rechten Corpsgeist, den politischen Hass und die Professionalität rund um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Vor allem unterschätzten sie die bundesweiten klandestinen Strukturen von „Blood & Honour“.

Das 1987 gegründete internationale Netzwerk sah sich als „führende Waffe in der Jugendsubkultur“. „Volksschädlinge“ nannte es seine Feinde, der „Rassenkrieg“ und die Vorherrschaft der Weißen wurden offen propagiert. Längst zählten die rührigen Jenaer Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt für die Polizei zum harten Kern der „Blut & Ehre“-Rassisten in Thüringen. Die Organisation, die sich als „Bruderschaft“ betrachtete, hatte mit „Combat 18″ einen paramilitärischen internationalen Ableger, der für Anschläge und Morde in Europa verantwortlich gemacht wurde. Die „Arbeit“ im Untergrund war Teil der Szene – auch nach dem Verbot von „Blood & Honour“ im Jahr 2000.

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