Weiterer militanter Neonazi als V-Person bei der Polizei geführt? Thüringer Linksfraktion fordert Aufklärung

Via „Haskala“:

[Update: Der Berliner Innensenator wird am Montag dem 27.1. im Berliner Innenausschuss zu dem Vorgang Stellung nehmen]. “Wir prüfen derzeit Hinweise, wonach ein weiterer ehemaliger militanter Neonazi, der sich in Thüringen aufhält, möglicherweise als Vertrauensperson beim Berliner Landeskriminalamt geführt wurde”, informiert Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion im Thüringer Landtag und Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses. “Sollten die Vorwürfe zutreffen, wonach der ehemalige Neonazi vor ca. zwei Monaten in Pößneck durch Berliner LKA-Beamte aufgesucht und ihm gedroht wurde, nicht zu einem Brandenburger Verfassungsschutz-Spitzel vor einem NSU-Untersuchungsausschuss auszusagen, dann wäre dies ein weiterer Skandal in der Reihe von staatlichen Vertuschungsversuchen beim NSU-Komplex”, so die Abgeordnete, die namens ihrer Fraktion auch die Thüringer Sicherheitsbehörden zur Aufklärung auffordert.

Bei der betroffenen Person handelt es sich um den bundesweit bekannten ehemaligen Neonazi Nick Greger, der Rechtsrock-Konzerte organisierte und wegen neonazistisch motivierter Straftaten in Haft saß, u.a. weil er einem dunkelhäutigen Menschen ein Ohr abriss. Im Jahr 2000 wurde er verurteilt, weil er zusammen mit dem auch aus dem NSU-Untersuchungsausschuss bekannten V-Mann Carsten Szczepanski, alias “Piatto”, einen Sprengstoffanschlag auf politische Gegner vorbereitet hatte.

“Wie wir mittlerweile wissen, wurde zwei Jahre zuvor auf dem Handy von Gregers “Kameraden” Carsten Szczepanski eine SMS durch Thüringer Fahnder im Rahmen einer Telefonüberwachung zum Jenaer Neonazi-Trio abgefangen. Nach heutigem Stand hatte sich damals ein sächsischer NSU-Unterstützer mit den Worten “was ist mit dem Bums?” wohl nach einer Bewaffnung für das Trio bei Szczepanski erkundigt”, so König. Sie verweist auch auf die Aussage eines Polizisten vor dem Thüringer Untersuchungsausschuss, nach der man damals bei der Abhöraktion als Empfänger der SMS eine SIM-Karte des Brandenburger Innenministeriums identifizierte und deswegen nicht weiter ermitteln konnte. Szczepanski selbst hatte die Information zur Bewaffnung des Trios dem Brandenburger Verfassungsschutz gemeldet. Von da aus soll sie angeblich nach Thüringen weitergereicht worden sein, erreichte aber nach verschiedenen Aussagen im Ausschuss offensichtlich nicht die zuständigen Ermittler in Sachsen und Thüringen.

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Siehe auch: Noch ein Spitzel beim Berliner LKA?

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