Stellungnahme Antifascist Rock Action Hannover

Wir dokumentieren:

Zu dem geplanten Konzert der Antifascist Rock Action Hannover ist am 14.03.2014 ein Artikel bei Indymedia Linksunten veröffentlicht
worden (Nachzulesen hier: https://linksunten.indymedia.org/en/node/108371). Es geht darum, dass die Hannoveraner Band Cracks&Scars der Grauzone zuzuordnen sei, aufgrund von drei im Artikel aufgeführten Konzerten. Es wird ein falscher Umgang mit Inhalten und vermeintlichen Fakten unterstellt. Nun handelt es sich bei den Bands, mit denen gespielt wurde, nicht um Nazi-Bands, sondern um Bands die selbst in Misskredit geraten sind. Es wird so argumentiert, als wäre „Grauzone“ etwas, dass sich auf eine Band überträgt, sobald man eine Verbindung mit ihr aufzeigen kann (Bsp. Zitat Indymedia Kommentar: „Wenn A mit B spielt, B mit C spielt, C mit D spielt und D scheiße ist, ist A dann auch automatisch scheiße?“). Dies führt unweigerlich dazu, dass nahezu jeder Band, egal wie sie sich positioniert, eine grundsätzliche Rechtsoffenheit unterstellt werden kann.

Es wird nicht differenziert zwischen Bands, die bewusst mit Rechten Bands zusammenspielen (Als Beispiel werfen wir hier mal Vortex aus Hameln in den Raum) und Bands, die mit einer Band gespielt haben, die mal mit einer gespielt hat, die verwerflich ist. Die „Beweiskette“ ist viel zu lang, als das hier ein ernst zunehmender Vorwurf im Raum stehen könnte.

Dies soll natürlich nicht berechtigte Kritik an bestimmten Bands bagatellisieren, es soll lediglich aufgezeigt werden, dass hier explizit differenziert werden muss. Es wird von den Autor*innen eine weitere „Zwischenstufe“, irgendwo zwischen „Grauzone“ und politisch einwandfrei geschaffen.

Das wirft die Frage auf, was für uns „Grauzone“ bedeutet. Der Begriff an sich ist schon schwammig genug, als dass man ihn für fest abgesteckte Grenzen verwenden könnte. Es handelt sich lediglich um ein Hilfskonstrukt, um die Problematik greifbar zu machen. Und zwar die Problematik, dass bestimmte Bands ein unpolitisches/anti-Nazi Image für sich beanspruchen und sich dennoch bewusst mit Personen/Bands der politischen Rechten einlassen. Denn dies gefährdet die Subkultur als Rückzugsraum und Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung. Da es aber, gerade im deutschsprachigen Raum, viele personelle Überschneidungen, Freundschaften, Rivalitäten etc. gibt, ist es fast unmöglich eine Band aufgrund eines Flyers zu beurteilen.

So etwas kann erst geschehen, wenn man sich aller relevanten Fakten bewusst ist. Das ist unser Standpunkt und dazu stehen wir auch. Wir halten es für
unabdingbar, RAC – und Grauzonenbands keine Plattform zu bieten und in Ihre Schranken zu verweisen, aber nicht, indem wir voreilig jede Band aufgrund von Flyern und/oder Bekanntschaften um sechs Ecken in einen Topf schmeißen. Zum Extremismustheorie-Vorwurf gegen die Gumbles bleibt zu sagen, dass dieser natürlich seine Berechtigung haben mag, man aber auch mal schnallen muss, dass der Song nun auch schon zehn Jahre auf dem Buckel hat und sich der Autor möglicherweise aus Unwissenheit nicht damit beschäftigt hat. Man weiß es nicht. Es wurde sich auch schon vor zehn Jahren damit auseinandergesetzt. Uns wäre zudem nicht bekannt, dass die Band diesen Song aktuell noch live performt. Da liegen bei anderen noch ganz andere Leichen im Keller.

Wir möchten an dieser Stelle noch mal betonen, dass wir die Bandmitglieder von Cracks&Scars z.T. persönlich kennen. Es handelt sich um eindeutige Antifaschisten, von denen keiner fragwürdige Freundschaften pflegt oder bereit ist, sich mit unkorrekten Leuten die Bühne zu teilen. Auch wenn diese privaten Bekanntschaften nicht bestehen würden, hätten wir aus oben genannten Gründen keine Bedenken, mit Ihnen ein Konzert zu veranstalten.

Zum Ablauf:
Was uns persönlich sauer aufgestoßen ist und uns als politische Menschen und auch als Privatpersonen enttäuscht hat, ist die Art und Weise, wie an die Sache herangegangen wurde. Am Freitagabend wurde der Artikel ins Netz gestellt. Keine drei Stunden später gab es ein offizielles Statement von AE. Es entstand eine Diskussion in dessen Verlauf Statements der Band Cracks & Scars gelöscht wurden und das Löschen weiterer Kommentare angedroht wurde.
Und das bei einem Kommentar, der unserer Meinung nach aussagen sollte, dass man viel mehr erreichen würde, wenn sich Antifaschist*innen auf den gemeinsamen Feind konzentrieren würden, anstatt sich ständig wegen Kleinigkeiten zu streiten oder sich in Grabenkämpfen zu verlieren. Ein Gedanke der nicht abzulehnen ist und in einer Szene die wetteifert, wer die*der größte Antifaschist*in sei, völlig nachvollziehbar ist. Das alles geschah, ohne vorher auch nur ein einziges Wort mit uns, der anderen Band oder dem Betreiber der Location gewechselt zu haben. Lediglich eine SMS von AE mit einer Absage für das Konzert. Ein Schlag in die Fresse!

Man muss sich das mal Vorstellen: Da erscheint ein anonymer Artikel im Netz, dessen Inhalt zu 90% aus einem drei Jahre alten, zum Teil nicht belegten, kopierten Artikel stammt (http://oireszene.blogsport.de/2011/02/10/10-12-2-2011-rechtsoffene-konzertreihe-in-ostdeutschland/). Nun wurde sofort versucht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, weil um den eigenen Ruf gefürchtet wurde. Das ist in sofern eine Unart, weil sich AE und AFRA Hannover-Mitglieder persönlich kennen und eine Rücksprache per Telefon das Mindeste gewesen wäre, was wir uns gewünscht hätten. So hätte sicherlich einiges aus der Welt geschafft werden können, ohne dass sich die Beteiligten nun einer Kackschlacht ausliefern müssten. In der Kommentar-Funktion von Indymedia ist derweil eine Grauzonen-Debatte entflammt, bei der wieder nur alte Geschichten aufgewärmt werden und jeder versucht, sich gegenseitig ans Bein zu pissen.
Was hat dieser Artikel nun also bewirkt? Eine Band hat abgesagt, Cracks & Scars hat einen Imageschaden davongetragen, einer jungen antifaschistischen Gruppe wird es noch schwerer gemacht Konzerte auf die Beine zu stellen und zu guter Letzt haben private Beziehungen darunter gelitten. Damit haben die Verfasser der antifaschistischen Musikszene einen Bärendienst erwiesen.

In der Konsequenz werden Cracks & Scars das Konzert nun alleine spielen. Diese Entscheidung wurde gemeinsam in Absprache von AFRA Hannover, Cracks & Scars und den Betreibern des Veranstaltungsortes getroffen. Für die Zukunft würden wir uns wünschen, dass solche Konflikte auf eine angemessenere Art & Weise behandelt werden, da mit so etwas oft mehr zerstört, als aufgebaut oder geschützt wird. Gerade in diesem Bereich der Subkultur sollte der Mausklick im Internet vielleicht nicht ganz so locker sitzen. Oder wie es Artificial Eyes mal selbst sehr treffend, wenn auch in anderem Zusammenhang formuliert haben:

„Die Antifa bekämpft sich selbst, die Linke ist jetzt plötzlich selbst Grauzone. Musiker die linke Läden mit Soli-Konzerten aufgebaut und unterstützt haben, bekommen in diesen Läden nun Auftrittsverbote. Das sind nicht die Signale die wir ins rechte Lager senden soll­ten. „Unity is a weapon“ muss der Gedanke sein. Wem nützen beleidigte Grabenkämpfe? Dann auch noch im Web. Auf Plattformen die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Das gemeinsame Ziel ist ein anderes. „Fight the real enemy““

Wir wollen nichts schön reden und sind der Meinung, das Kritik wichtiger Bestandteil einer politischen und progressiven Subkultur ist. Jedoch ist es immer einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Es erfordert etwas mehr der hochgelobten Solidarität, um Verbindungen aufzubauen und Strukturen zu stützen. Bei Meinungsverschiedenheiten macht der Ton die Musik. Den Kontakt suchen, ist heutzutage einfacher als je zuvor und nur wenn angefangen wird, sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten, werden wir unser Ziel erreichen, antifaschistische, subkulturelle Angebote zu schaffen. Anscheißen kann man hinterher immer.

Wir laden alle herzlichst ein, sich selbst ein Bild von uns und der Band zu machen und am 4.4.2014 zum Konzert zu kommen.

Antifascist Rock Action Hannover

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