Stellungnahme vom „Jolly Roger“ und „4 Promille“

Via „Jolly Roger“:

Moin,
in den letzten Tagen hatte die Diskussion bzgl. des Auftritts der Band 4 Promille auf der Jolly Roger Bühne am Hafengeburtstag an Fahrt aufgenommen, da bekannt wurde, dass einige Bandfotos von einer Fotografin gemacht wurden, die sich offensichtlich auch in Nazikreisen herumtreibt. (Siehe: Britta Oelschläger im Portrait – Umtriebe in der Neonaziszene) Darauf angesprochen regierte die Band zunächst ungläubig, um dann aber auch nach entsprechender Prüfung feststellen zu müssen, dass die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen.
Sie schickte uns dann folgendes Statement:
***
Seit Wochen gibt es im Vorfeld unseres geplanten Auftritts beim Hamburger Hafengeburtstag leider eine rege Diskussion um unsere Teilnahme.

Im Laufe der hitzigen Diskussion, an der wir uns auch beteiligten, (anfangs vielleicht etwas vorschnell im festen Glauben zu Unrecht an den Pranger gestellt zu werden), gab es aber auch mit der Zeit Fakten, die nach eingehender Recherche unserem Verständnis von Toleranz und politischer Vertretbarkeit in jeder Form widersprechen!

Fakt ist, dass wir bei 2 unserer Konzerten Anfang 2013 Band- und Live-Fotos von Britta Ölschläger in Auftrag gegeben haben.
Besagte Fotografin war uns durch andere Bands empfohlen worden, die allesamt nicht gerade im Verdacht stehen in Punkto Politik auch mal „5-e gerade sein zu lassen“.
In gutem Glauben haben wir die Fotografin deshalb engagiert.
Dies scheinen – ohne damit etwas verharmlosen zu wollen – in den letzten Jahren viele andere Bands und Konzertveranstalter auch getan zu haben.

Nach der Diskussion jetzt haben wir uns den Bericht auf „links unten“ vom 25.09.2013 genauer angesehen und sind entsetzt .
Unabhängig davon, dass dieser Bericht uns im Frühjahr bei unserem Shooting gar nicht bekannt sein konnte, wurden beim „Son of a Bastard“-Festival letzten Monat auch Bilder von allen Bands geschossen.
Hiervon haben wir unser Label heute auch in Kenntnis gesetzt.
Auch hier wird dementsprechend reagiert, denn seit Jahren wurde das Festival von der Fotografin besucht, ohne dass die Veranstalter von solchen Vorrgängen wussten.

Information und Sorgfaltspflicht ist eine schöne Sache. Allerdings wird mittlerweile jede Sau durchs Dorf getrieben durch Kausalketten-Argumente, zu denen man jeder Band selbst aus dem linkesten Spektrum etwas „graues“ anheften kann.
Aber auch Halbwahrheiten oder in unseren Augen teils klare Verleumdungen oder Privatfehden unter dem Dampfhammer der Politik bei vielen Bands, lassen dann ganz klar berechtigte Fakten wie diese untergehen.
Vielleicht sollten sich manche (gutgemeinten?), meist anonymen Internet-Aktionen auch selbstkritisch fragen, ob derartige, nicht entschuldbare Tatsachen dabei weniger ernst genommen werden, als sie eigentlich sollten!

Denn um es nochmal ganz klar und deutlich zu sagen:

Wir lernen aus dieser Geschichte und ziehen dementsprechend unsere Konsequenzen!
Weder 4 Promille, noch das Band-Umfeld oder Label tolerieren oder dulden gar rechtsoffene, menschenverachtende Tendenzen!

Bei Rassismus gibt es „keine Geschmackssache“…nur ein klares NEIN unsererseits!
***
Soweit das Statement der Band. Da wir persönliche Gespräche mehr schätzen als einen Austausch von Statements, haben wir auch mehrfach telefoniert. Dabei haben wir festgestellt, das bei der Band ganz offensichtlich ein Umdenken dahingehend stattgefunden hat, dass man sich anders als früher dem Thema wesentlich umfangreicher widmen muss, um nicht ungewollt in eine Vorwurfsspirale zu geraten, in die man nicht hineingehört. Konkret heißt das, dass die Bookingagentur angewiesen wird, bei künftigen anfragen andere Bands kritisch zu beleuchten sowie Verträge mit einem entsprechenden Vorbehalt auszustatten.
Die Bilder besagter Fotografin wurden von der Bandseite entfernt (das Label Sunny Bastards hat ebenfalls entsprechend reagiert). Weitere Aktionen gegen Rechts wurden ins Auge gefasst.
Das alles halten wir für eine gute Entwicklung und sagt uns so Einiges:
In der heutigen Zeit gerät man schnell in der Verdacht unliebsamer Kontakte. Um so wichtiger, dass sich Bands, Institutionen, Gruppen und natürlich jeder Einzelne dieser Verantwortung für sich und andere bewusst sind/ist und Kontakte auch mal einer kritischen Prüfung unterzieht. Niemand ist vor Fehlern gefeit. Eine Spirale an Vorwürfen und gegenseitiger Abgrenzungen bis hin zur Spaltung kann die Folge sein. Besser ist es jedoch, mal miteinander zu reden, um herauszufinden, was tatsächlich Sache ist und wie in diesem Fall ein Umdenken auszulösen. Nicht jeder treibt sich täglich im Internet herum und recherchiert. Nicht jeder kann herunterbeten, welche Band wann mit welchem Idioten mal zusammen gespielt oder ein Bier getrunken hat. Um so besser, wenn Vorwürfe und Bedenken ernst genommen und daraus Konsequenzen gezogen werden (an denen man künftig auch gemessen wird). Bands, Veranstalter und Labels haben eine Vorbildfunktion und eine größere Verantwortung, da sie in der Öffentlichkeit stehen. Wir denken, dass wir als Jolly Roger Bühne dieser Verantwortung gerecht geworden sind: Klare Kante gegen braune Brut, ohne dabei sofort jeden zu verdammen, der mal bewusst oder unbewusst einen Fehler gemacht hat. Wir hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht und wir uns endlich dem widmen können, was eigentlich das Ziel der Jolly Roger Bühne ist: Ein Wochenende Spaß und gute Laune mit Freunden bei coole Mucke zu haben.
In diesem Sine: Love Music – hate fascism
Eure Jolly Roger Crew

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