Neonazi-Überfall in Thüringen

Das „Antifaschistische Infoblatt“ schreibt:

Bei einem brutalen Überfall von etwa 20 Neonazis im thüringischen Ballstädt am 8. Februar 2014 sind zehn Menschen verletzt worden, zwei davon schwer.

Die Täter waren in eine geschlossene Feier im Gemeindezentrum eingedrungen und hatten auf die Besucher_innen eingeschlagen. Der Überfall sei generalstabsmäßig geplant worden, berichten Anwohner_innen. Eine nicht vermummte Frau soll die Zeit gestoppt haben und nach zwei Minuten das Signal zum Aufbruch gegeben haben. Übrig blieben die Verletzten und das teils komplett zerstörte Mobiliar. Erst sechs Tage später durchsuchte die Polizei das von Neonazis bewohnte Haus in dem Dorf mit 700 Einwohner_innen und führte landesweit zehn Razzien bei Mitgliedern der extrem rechten Szene durch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 13 Verdächtige wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch und Raubes. Drei Männer und eine Frau wurden kurzzeitig festgenommen.

Gegen den 38-jährigen Thomas Wagner wurde Haftbefehl erlassen. Der vorbestrafte Neonazi ist Frontmann der RechtsRockband SKD (Sonderkommando Dirlewanger) und einer der drei Eigentümer des Neonazi-Hauses in Ballstädt. Wagner saß mittlerweile schon mehrfach in Haft und ist seit den 1990er Jahren in der extrem rechten Szene aktiv. Unter anderem war er 1997 für ein Wehrsportlager mit Waffen, Kampfausrüstung und NS-Devotionalien mitverantwortlich. Schon mit seiner Vorgängerband Bataillon hatte der heute 38-jährige das Neonazi-Netzwerk Blood & Honour nach dessen Verbot in Deutschland unterstützt. Noch heute fühlen sich Wagner und SKD dem internationalen Netzwerk zugehörig. Bei dem Überfall soll der 31-jährige Neonazi Tony St. aus Bad Langensalza erkannt worden sein. Auch er zählt zu den Bewohnern des Neonazi-Hauses und gehört zur Neonazi-Gruppierung aus dem Raum Gotha rund um SKD. Neonazis aus dem Umfeld von Tony St., Thomas Wagner und Steffen R. hatten 2012 die ehemalige Bäckerei in Ballstädt gekauft, nachdem sie in ihrem vorherigen Domizil im etwa 30 Kilometer entfernten Crawinkel auf massiven Protest gestoßen waren.

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