Archiv für Mai 2014

Boskops – Leben

Investorensuche für rechtes Zentrum

Via der „Blick nach Rechts“:

Bondelum – Ein „Reichsbürger“ plant im schleswig-holsteinischen Bondelum bei Viöl (Kreis Nordfriesland) eine „freie Tagungsstätte“.

Per Kleinanzeige in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ hat Franz-Harro Horn (Jg. 1942) aus Tating (Kreis Nordfriesland) jüngst nach Investoren für das ehemalige Anwesen des rechtsextremen Verlegers Roland Hermann Bohlinger (1937-2013) gesucht. Bohlinger, Anhänger der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorff, hatte auf seinem Grundstück in Bondelum eine „Freie Republik Uhlenhof“ gegründet, auf dessen „Staatsgebiet“ bundesdeutsches Recht vermeintlich nicht gelte. Der „Ludendorffer“ Bohlinger war am 15. März vergangenen Jahres verstorben.

Selbst will der in Dresden geborene Horn kein „Ludendorffer“ sein. „Im Sinne Bohlingers“ möchte er das Gebäude in eine Tagungsstätte umbauen. Nach Horns Wünschen soll auch dessen Verlagstätigkeit weitergeführt werden. Deshalb ist er nun auf der Suche nach Geld. Zu Roland Bohlingers Verlagskomplex zählten der „Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur“, die „Theodor-Storm-Versandbuchhandlung“ sowie der „Hutten-Verlag“. Vorrangig Werke mit verschwörungstheoretischen Inhalten wurden dort vertrieben. Bohlinger war zudem als Vorstandsmitglied im „Deutschen Rechts- und Lebensschutzverband“ aktiv.

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Rechter Sondermüll

Die „taz“ berichtet:

Die NPD hat 2011 CDs auf Schulhöfen verteilt, jetzt steht ihr Chef Schmidtke dafür vor Gericht

Ein persönliches Vorwort vom NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke, Lieder mit drastischen Gewaltaufforderungen und eine Ansprache „An die Mädels“: Das ist der Inhalt der CD, die die Berliner NPD zur Abgeordnetenhauswahl 2011 nach eigenen Angaben rund 4.000-mal produzierte, um sie an Infoständen und auf Schulhöfen an ErstwählerInnen zu verteilen.

Wegen dieser CD steht Schmidtke nun vor Gericht. Nachdem die Bundesprüfstelle den Tonträger im März 2012 indiziert hatte, fand die Polizei bei einer Razzia im Mai 2012 über 600 Kopien in seinem Laden in Schöneweide. Am Dienstag wurde das Verfahren vor dem Amtsgericht eröffnet, angeklagt ist Schmidtke wegen Volksverhetzung. Für den Inhalt der CD war er allein verantwortlich.

Mitangeklagt ist der Neuköllner NPD-Kreisvorsitzende Sebastian Thom, bei dem ebenfalls CDs gefunden wurden. Mit Thoms Verteidiger einigte sich die Staatsanwaltschaft am Dienstag aber auf einen Deal: Das Verfahren gegen ihn wird eingestellt, dafür zieht Thom seine Revision in einem anderen Verfahren zurück – und wird dort nun eine viermonatige Haftstrafe antreten müssen.

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Siehe auch: NPD-Chef Schmidtke weist Vorwürfe zurück

16.4.-3.5.2014: Grau- und Braunzonenkonzerte weltweit

Eine Übersicht über Konzerte aus der musikalischen Grau- und Braunzone zwischen dem 16.4. und 3.5.2014:

Grauzone:

- 16.4.2014: „Indra Club“/Hamburg: „Hard and Smart“ präsentierte die Grauzonenband „Secret Army“.

- 17.4.2014: „Riders Cafe“/Lübeck: Grauzonenkonzert mit den „Kneipenterroristen“.

17.4.-3.5.: „9mm“ auf „Dauerfeuer Frei Tour 2014“:
- 17.4.: „Batschkapp“/Frankfurt a.M.
- 18.4.: „Z7“/Pratteln
- 19.4.: „Blue Shell“/Köln
- 25.4.: „F-Haus“/Jena
- 26.4.: „Wiesenhaus“/Lutherstadt Eisleben
- 2.5.: „K7“/Berlin
- 3.5.: „Tivoli“/Bremen

16.4.-26.4.: „Fart West Management“ und „Ruhrpott Skins Booking“ präsentierten die „Jenny Woo Band Spain/Germany Tour 2014:

- 16.4.: Gijon, 17.4.: Ibarra, 18.4.: Barcelona, 19.4.: Alicante, 20.4.: Malaga, 22.4.: Mannheim, 23.4.: Wetzlar, 24.4.: Düsseldorf, 25.4.: Berlin, 26.4.: Rosswein

17.-26.4.2014: „Krawallbrüder Schmerzfreitour 2014“:

- 17.4.: „Markthalle“/Hamburg
- 18.4.: „Kesselhaus“/Berlin
- 19.4.: „Live Factory“/Adelsheim – Zusammen mit „Grober Knüppel“ und „Heilige Dämonen“.
- 20.4.: „Neue Batschkapp“/Frankfurt a.M.
- 24.4.: „Musikzentrum/Hannover
- 25.4.: „Backstage“/München
- 26.4.: „Factory“/Magdeburg

17.-26.4.2014: „Kärbholz – Auf die alten Tage Tour“:

- 17.4.: „Matrix“/Bochum
- 19.4.: „K17“/Berlin
- 20.4.: „Factory“/Magdeburg
- 25.4.: „Das Bett“ (?)/Frankfurt a.M.
- 26.4.: „Centrum“/Erfurt

- 19.4.2014: „Sägewerk“/Neukirchen-Knüll: „Rotz & Wasser“

- 20.4.2014: „Jägerklause“/Berlin: „Kolowskis Easter Bash“ mit den „Suburbs“ und der stark rechtslastigen Combo „Last Seen Laughing“

- 25.4.2014: „Club Centrum“/Erfurt: „Kneipenterroristen“.

- 26.4.2014: „Jugendhaus“/Rosswein: Grauzonenkonzert mit „Gumbles“, „Jenny Woo“, „The Suburbs“ u.a.

- 26.4.2014: „Jugendhaus Alte Schule“/Langenau: „Back to Eastside Part VI“: Grauzonen- bis RAC-Konzert mit „Martns Army“, „Thekenprominenz“, „Goitsche Front“ und „Hoiter Dipoiter“.

- 26.4.2014: „Roter Baum“/Dresden: Grauzonenkonzert mit den „Cunninghams“, „The Ruckers“, „Cheap Stuff“ und „Said & Done“.

- 26.4.2014: „Gaststätte Kürzdörfer“/Pegnitz-Buchau: „Oi! It´s Partytime II“ mit den Grauzonen- bis RAC-Combos „Saints & Sinners“, „Scharmützel“, „Roughnecks“ und „Hardfive“.

- 26.4.2014: „VMax“/Leipzig: Konzert mit „OHL“.

- 30.4.2014: „Efendi“/Duisburg: „Rotz & Wasser“, „Pöbel & Gesocks“, „Lammkotze“, „Cotzraiz“, „Scharmützel“, „Lost Boyz Army“, „Jenny Woo“.

- 2.5.2014: „K17“/Berlin: „Die Bonkers“.

- 2.5.2014: „JC Wegeleben“/Wegeleben: Grauzonen- bis RAC-Konzert mit „Dolly D“, „Last Seen Laughing“ und „The Cunninghams“.

- 2.-4.5.2014: „Forellenstube“/Schramberg: „4.Randale Records Meeting“ mit Grauzonen- bis RAC-Bands: „The Last Resort“, „Evil Conduct“ und „Klasse Kriminale“.

- 3.5.2014: „From Hell“/Erfurt: „Die Bonkers“, „Biertras“ und „Grober Knüppel“.

- 3.5.2014: „Garage Deluxe“/München: „Rocknacht München“ mit den Bands „Böhse Bengelz“ und „Zorn Winkler“.

- 3.5.2014: „Sägewerk“/Neukirchen: „Lucky Punch“, „Discharger“, „Loi!chtfeuer“ und „Feuerkind“.

- 3.5.2014: Malmö/Schweden: Grauzonenkonzert mit den „Maraboots“ und der stark rechtslastigen Band „Vindicate This“.

- 3.5.2014: Jena: Konzert mit der Grauzonen- bis RAC-Band „Martens Army“.

- 3.5.2014: „JUZ B6“/Goslar: Grauzonen- bis RAC-Konzert mit den Bnads „Martens Army“, „Riot Company“ und „Platzverweis“.

- 3.5.2014: „Indra Club“/Hamburg: „Hard and Smart“ präsentierte die Grauzonenbands „Last Seen Laughing“ und „Argy Bargy“.

Braunzone:

- 18./19.4.2014: „Klubben Fryshuset“/Stockholm (Schweden): „Pretty Shitty Kjell 5“ u.a. mit folgenden RAC-Bands: “Templars”, “Aggent Bulldog” und “The East End Badoes”.

- 19.4.2014: “Kék Yuk”/Budapest (Ungarn): NS-Konzert mit “Drizzatorti”, “Fehér Törveny“, „Backstab“ und „There´s No Truth”.

- 19.4.2014: “Mitteleuropa”: “Blood & Honour”-Konzert mit den NS-Bands “Kraftschlag”, “Tätervolk”, “Legion of Thor”, “Devils Projekt” und einer “Überraschungsband”.

- 19.4.2014: „Pepperland“ (?): „Marten In“ mit den RAC-Bands „Crikey Crew“, „Strong Crowd“, „Aggroknuckle“, „Cruesome“ und „The Hawks“.

- 25.4.2014: „Blackland“/Berlin: Konzert mit der Rechtsrockband „Limited Booze Boys“.

- 26.4.2014: Schweden: Hammerskinkonzert „Gathering for Segerblot“ mit den NS-Bands und –Liedermacher_Innen „Barny & Alexandra“, „Geri“ von „Vérszerzödés“ und „Thorsverde“ (Andreas Vrede).

- 26.4.2014: Polen: NS-Konzert mit Obled“, „Gan“, „Nordica“, „Basti“ und „Stopa“.

- 26.4.2014: England: „Blood & Honour West Mid´s Division“ präsentierte ein NS-Konzert unter dem Motto „St George´s Day Gig“ mit den Bands „P.W.A.“, „Legion of St George“, „Redneck 28“, „Prime Suspects“ und „Pall & Slick“ (ex-„Unit 28“).

- 26.4.2014: Russland: NSHC-Konzert mit „Shoot on Sight“, „Random Change“ und „Complete 3.14“.

- 26./27.4.: Wroclaw/Polen: Konzert u.a. mit der RAC-Combo „Booze & Glory“.

- 3.5.2014: Mailand/Italien: NS-Konzert mit „Gesta Bellica“, „The Lads“ und „DDT“.

- 3.5.2014: Region Newcastle: „Southern Cross Hammerskins“ und „Blood & Honour“ organisierten ein gemeinsames NS-Konzert u.a. mit der Band „NSW“.

William, Cynic, Natürlich, Glaskammer, Handstreich, … – Portrait des Potsdamer Neonazimusikers Martin Rollberg

Via „Antifaschistische Recherche Potsdam Umland“:

Martin Rollberg gehört spätestens seit dem Jahr 2006 zu den kontinuierlich arbeitenden Akteur_innen der Potsdamer Neonazimusikszene. Mit seinen verschiedenen Bandprojekten hat er sich in den vergangenen Jahren in der Szene etabliert, sich einen (bzw. mehrere) Namen gemacht und der Brandenburger Landeshauptstadt somit mit zu ihrem heutigen Ruf innerhalb der deutschen RechtsRockszene verholfen. Ende 2012 heißt es diesbezüglich beim Neonazilabel Rebel-Records: „Ganz Deutschland hört Rechtsrock aus Potsdam“. [1]

Das am 11. März 1985 geborene “Multitalent” begann im Jahr 2004 seine musikalische Karriere und orientierte sich dabei, bis heute, inhaltlich fast ausschließlich am Nationalsozialismus und seinen Ausprägungen nach 1945. Die von ihm besungenen Themen reichen von Liedern über Kameradschaft und Soldatentum, der Verherrlichung und Verharmlosung des NS, Feindbilder von politischen Gegner_innen, antisemitischen und rassistischen Projektionen, bis hin zu emotionaleren und persönlicheren Themen wie Beziehungen und Vaterschaft. Er begann sein Musikprojekt als Einzelperson. Dabei sang er und spielte alle Instrumente für seine Songs selbst ein. Seit 2008 ist er auch mit (s)einer Band auf Konzerten unterwegs. In letzter Zeit versucht er sich auch in Fotografie und Bildbearbeitung.

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Kommando Kronstadt – Du bist Doi!tschland

„Konsequent“ inkonsequent gegen Nazi-Hools

Die „taz“ schreibt:

Nach dem Nord­der­by zwi­schen Wer­der Bre­men und dem HSV spa­zier­ten ver­mumm­te Hoo­li­gans an Po­li­zis­ten vor­bei und mach­ten Jagd auf Jour­na­lis­ten und Pas­san­ten. Jetzt legt Bre­mens In­nen­se­na­tor sei­nen Be­richt über den Po­li­zei­ein­satz vor

Bre­men, Nord­der­by, Wer­der gegen den HSV. Wäh­rend sich am Ufer der Weser Fans und Po­li­zis­ten tum­meln, tu­ckert ein Schiff in Rich­tung Sta­di­on. An Bord sind 137 Hoo­li­gans, Neo­na­zis, Ro­cker. Es sind die ag­gres­sivs­ten Bre­mer mit be­freun­de­ten Es­se­nern, ge­walt­su­chend, der harte Kern. Meh­re­re Dut­zend ste­hen mit grün-​wei­ßen Sturm­hau­ben ver­mummt an Deck.

Nach einer Kon­trol­le wird die Po­li­zei ei­ni­ge von ihnen un­be­glei­tet lau­fen las­sen, sie wer­den in der In­nen­stadt Men­schen jagen und Jour­na­lis­ten an­ge­hen, sie be­spu­cken und be­lei­di­gen – di­rekt in Ruf­wei­te der Po­li­zis­tIn­nen. Das ge­schah An­fang März, die taz be­rich­te­te. Am Mitt­woch wird In­nen­se­na­tor Ul­rich Mäu­rer (SPD) der Bre­mer In­nen­de­pu­ta­ti­on einen Be­richt vor­le­gen.

Der Ein­satz sei „ins­ge­samt po­si­tiv zu be­wer­ten“, heißt es darin. Auch zu­künf­tig werde die Po­li­zei gegen „or­ga­ni­sier­te Hoo­li­gan-​Ak­tio­nen kon­se­quent vor­ge­hen“. 241 Po­li­zis­ten waren im Ein­satz, fast zwei für jeden Hoo­li­gan.

Wie „kon­se­quent“ sie vor­ge­gan­gen sind, ist dem Be­richt zu ent­neh­men: „Es wurde keine Per­son in Ge­wahr­sam ge­nom­men“ und es wur­den „keine Platz­ver­wei­se aus­ge­spro­chen“. Denn: „Die An­nah­me, dass die Per­so­nen […] Straf­ta­ten be­ge­hen wer­den, wäre auf­grund der si­tua­ti­ons­be­zo­ge­nen Er­kennt­nis­la­ge nicht ge­recht­fer­tigt ge­we­sen.“

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Außergewöhnlicher Widerstand gegen rechten Eichsfeldtag

Die „Ostthüringer Zeitung“ berichtet:

Eichsfeld. Zum wiederholten Male will die NPD im Eichsfeld einen „Eichsfeldtag“ durchführen. Er soll am 17. Mai auf dem Sportplatz in Leinefelde stattfinden und hat das Ziel, Eichsfelder Bürger mit neonazistischem Gedankengut zu infiltrieren und den Kampf der NPD um die Parlamente einzuläuten.

Nachmittags mit einem sogenannten „Familientag“, am Abend mit einem Rechtsrockkonzert, zu dem NPD-Anhänger aus ganz Deutschland erwartet werden.

„Wir dürfen dazu nicht schweigen!“ Diesen öffentlichen Aufruf unterstrich das Eichsfelder Bündnis gegen Rechts in einem Pressegespräch. Unter dem Motto „Rote Karte zeigen – keine (Sport-)Plätze für Nazis“ stellte das Bündnis sein Aktionsprogramm als Protestdemonstration vor – alle demokratisch gesinnten Bürger seien eingeladen.

Schweigen und Wegsehen wäre ein falsches Signal

Am Abend vor der NPD-Veranstaltung solle eine symbolische Platzbesetzung des Terrains in der Beethovenstraße erfolgen, kündigten die Initiatoren an. „Wir wollen uns friedlich versammeln und damit zeigen, dass wir den Nazis und der rechtsextremen Szene nicht das Feld überlassen. Schweigen und Wegschauen wäre das falsche Signal“, betont Norbert Sondermann als Sprecher der „Bürgerinitiative für Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit“, das sich als „Bündnis gegen Rechts“ formiert hat und die Gegenveranstaltungen zum Tage organisiert.

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Statement von Frei Schnauze

Via Frei Schnauze:

Lieber Ronny M.! Da du es scheinbar noch immer nicht kapiert hast, geht hiermit nochmals ein ganz persönlicher Post an dich raus: Wenn du schon so blöd bist und nicht raffst das wir eine radikal ANTIFASCHISTISCHE(!) Band sind und unser Shirt auf der Rostocker 1. Mai-Demo der NPD trägst, dann sei wenigstens so konsequent und nimm das nächste Mal auch eine riesige „Gegen Nazis“-Fahne mit in die Demo um dich von den eigenen Reihen verkloppen zu lassen, du Pfeife!!! In diesem Sinne, nur für dich: ALERTA, ALERTA, ANTIFASCISTA!

https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/13898678618/in/set-72157644417758796

Quelle

Wenn Nazis tanzen

Via „taz“:

Neuer deutscher Widerstand, zweitausendvürzehn: Über einen Großmeister des Naziraps.

Nazis sind dumm. So dumm, dass sie seit 1945 keine neue Idee mehr hatten. Stattdessen klauen sie wie die Raben und bedienen sich in Ermangelung eigener Einfälle bei anderen Leuten. Das gilt für ideologische Versatzstücke und den Kleidungsstil, das gilt aber auch für die Musik, seit die Nazis Ende der siebziger Jahre den Punk für sich entdeckten. Und seit einiger Zeit gibt es sogar das: Nazirap. Das sagt einerseits viel über die Tauglichkeit des HipHop als universeller Musiksprache (sehr tauglich) und ebenso viel über das Rhythmusgefühl der Nazis (sehr untauglich).

Einer der Großmeister des Naziraps heißt Patrick Killat, ein Berliner Nazi, der sich „Villain051“ nennt, ein Prachtexemplar von Herrenmensch. Ein Fettwanst mit schlechten Zähnen, der in seinen selbstgedrehten Videos im Campingplatzstil hüftsteif von einem Bein aufs andere tritt und dazu ungelenk mit den Armen wedelt. Wären diese Clips ohne Ton, man würde vermuten, es mit einem ostdeutschen Stützeempfänger zu tun zu haben, der ganz dringend auf die Toilette muss. Mit dem Ton aber stellt sich eine andere Frage. Mit Rainald Grebe formuliert: Wenn Nazis tanzen, wie soll man das nennen?

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Kobito – Niemals Arm

Hass-Austausch im Internet: Das Nazi-Hool-Netzwerk

Via „Spiegel-Online“:

Wochenlang hetzten Nazi-Hooligans in einem geheimen Internetforum, organisierten gewalttätige Übergriffe. Ihr Hauptfeind: Salafist Pierre Vogel. Politik ist plötzlich wichtiger als fußballerische Feindschaft.

Eines möchte der Gladbacher Hooligan dann doch klarstellen: „Vor allem sollte JEDEM in der gruppe klar sein, das es nicht um pony reiten geht…die bereitschaft sehr weit gehen zu müssen sollte da sein. wer die nicht hat sollte uns verlassen.“ Angesprochen fühlte sich offenbar niemand in dem geheimen Internetforum mit dem Titel „Weil Deutsche sich’s noch trauen“. Darin hatten sich bundesweit rund 300 rechtsradikale Hooligans zusammengeschlossen, um gemeinsame Aktionen zu koordinieren.

Gemeinsame Aktionen verfeindeter Fußball-Hooligans? Schienen bislang ausgeschlossen, das ging gegen die Ehre. Man hatte zwar Kontakt im Internet, allerdings nur, um sich zu Prügeleien am Rande von Fußballspielen zu verabreden.
Darum ging es in dem mittlerweile dichtgemachten Forum nicht mehr. Die Auszüge der dortigen Unterhaltungen, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, dokumentieren, dass aus der Feindschaft der Hooligans eine Freundschaft geworden ist: im Sinne der gemeinsamen Sache, im Sinne eines „politischen Kampfes“. „Alle-die eine gesunde Einstellung gegen das Gesindel haben sind Willkommen Es geht hier nicht um Vereins-Farben!! Nur gemeinsam sind wir Stark!!!!“, schreibt ein Bochumer Hooligan. Wie ein paar Dutzend anderer ist er euphorisch, dass es gelungen ist, so viele verfeindete Hooligan-Szenen zu einen.

Jahrelang habe man sich wechselseitig verprügelt, auch wenn man gewusst habe, dass der Gegner aus der anderen Stadt die gleiche politische Einstellung habe. Das findet auch ein Gesinnungsgenosse aus Hessen, der ebenfalls vor Tatendrang strotzt: „Anstelle uns immer gegenseitig auf die Nase zu hauen, was auch Spaß macht, müssen wir was Deutschland angeht Seit an Seit stehen!“

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How deep is your state?

Die „Jungle World“ schreibt:

Mit Thomas Richter alias »Corelli« ist ein wichtiger Zeuge im NSU-Prozess verstorben. Das bewegt manche Beobachter zu wilden Spekulationen.

Zu den Todesfällen, die im Zusammenhang mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) stehen, ist ein weiterer hinzugekommen. Thomas Richter, unter dem Namen »Corelli« jahrelang als Spitzel des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) geführt, wurde Anfang April tot in seiner Wohnung im Landkreis Paderborn aufgefunden. Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) waren eigens für eine erneute Befragung des im Zeugenschutzprogramm untergebrachten 39jährigen angereist. Den Ergebnissen der Obduktion zufolge starb Richter an einem nicht erkannten Diabetes. Der amtlichen Untersuchung zufolge liegen keinerlei Anzeichen für eine Fremdeinwirkung vor.

Thomas Richter machte sich in der bundesweiten Neonaziszene einen Namen als Herausgeber der Zeitung Nationaler Beobachter, als Betreiber mehrere Internetseiten und als Gründer des »Nationalen Widerstands Halle/Saale«. Anfang der neunziger Jahre wurde er Mitglied der »International Knights of the Ku-Klux-Klan« (KKK), einem Ableger des rassistischen Geheimbunds aus den USA. Später trat er zusammen mit Achim Schmid und einem weiteren KKK-Mitglied wieder aus der Organisation aus und wirkte in der 2000 im baden-württembergischen Schwäbisch Hall gegründeten Sektion »European White Knights of the Ku-Klux-Klan« mit, die bis 2003 existierte. Zu den konspirativen Kapuzenmännern gehörten auch zwei Polizeibeamte der Böblinger Bereitschaftspolizei. Dem Untersuchungsbericht des baden-württembergischen Innenministeriums zufolge war einer der Polizisten schwerpunktmäßig an Einsätzen bei Delikten mit »rechtem Hintergrund« beteiligt. In derselben Einheit der Bereitschaftspolizei arbeitete später auch die 2007 in Heilbronn mutmaßlich vom NSU erschossene Michèle Kiesewetter. In seinen Berichten für das BfV teilte Richter damals mit, dass mehr als nur zwei Polizisten Mitglieder des Klans gewesen seien. Als »Kleagler«, offizieller Anwerber des KKK, hatte er den dazu nötigen Einblick in die Mitgliederstruktur des Geheimbunds.

Ein Beamter des BfV bezeichnete Richter als »Spitzenquelle«. Dieser verriet Interna über die rechtsextreme Szene in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Baden-Württemberg und Sachsen sowie über die bundesweite Organisation »Blood & Honour«. Drei Jahre lang spitzelte Richter für das Landesamt für Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt, danach weitere zehn Jahre für das Bundesamt. In dieser Zeit zahlte ihm der Inlandsgeheimdienst etwa 180 000 Euro. Sogar Richters Reisekosten samt Spesen aus Anlass eines Treffens des Ku-Klux-Klans in den USA wurden erstattet.

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Siehe auch: »Corelli« und das Täterwissen

Der dritte Mann

Die „Junge Welt“ schreibt:

Die wichtigsten Indizien für einen Selbstmord des NSU-Mitglieds Uwe Mundlos, der zuvor Uwe Böhnhardt erschossen haben soll, sind vorgetäuscht. Es muß eine weitere Person geben, die möglicherweise beide Morde begangen hat

Wenn man sich mit der offiziellen Version vom Ende des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) beschäftigt und den Selbstmord von dessen Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Eisenach am 4. November 2011 in Zweifel zieht, macht man sich sehr wenige Freunde. Groß wird die Ablehnung, wenn man anhand der vorliegenden Fakten einen Mord nicht ausschließt, also die Tat eines Dritten für wahrscheinlicher und plausibel hält – wer auch immer mit welchem Motiv diese Morde begangen hat.

Es verwundert nicht, daß der Widerstand gerade jener staatsnahen Medien und Parteien groß ist, die 13 Jahre lang mitgeholfen haben, neun Morde an Personen mit migrantischem Hintergrund ins kriminelle Milieu abzuschieben. Abermals geht es ihnen darum, die offizielle Version in ihren Kernbereichen zu decken und die erheblichen Zweifel ins Reich der Verschwörungen zu verweisen.

Irritierend ist, daß auch innerhalb der Linken das alles immunisierende Wort »Verschwörungstheorie« geraunt wird, wenn man anstelle vager Zweifel andere Geschehensabläufe für begründeter und die Rolle staatlicher Behörden nicht für undurchsichtig hält, sondern – sowohl im politischen wie juristischen Sinne – als Beihilfe beschreibt, angefangen bei der Ausstattung des neonazistischen Untergrunds über die aktive Vereitelung von Festnahmen bis hin zur aktiven Verhinderung der Aufklärung der Terror- und Mordserie des NSU durch Beseitigung und Vernichtung von Beweismitteln, durch gezielte Sabotage von Ermittlungen usw.

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Tanz der Überwachung

Via „Jungle World“:

Der Brandenburger Verfassungsschutz überwacht nicht nur Punk-Bands, sondern auch Konzert- und Partybesucher.

Der Veranstaltungsort »Black Fleck« in Potsdam ist eine der wenigen Lokalitäten, in denen ein Rest des Flairs aus der Zeit erhalten ist, als die Hausbesetzerszene in der Stadt noch stark war. Äußerst beliebt ist die alljährliche Party am 24. Dezember. Nach dem Familienprogramm treffen diejenigen, die längst nach Leipzig, Hamburg oder Tegucigalpa gezogen sind, auf die Dagebliebenen. Die Party mag eine wichtige soziale Bedeutung haben, eine politische aber wohl kaum. Schon gar nicht scheint sie geeignet, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu erschüttern.

Dass gewisse Kreise das anders sehen, erfuhr der 24jährige Student Michael Bornstedt*, nachdem er im vergangenen Jahr »mehr aus Spaß«, wie er sagt, einen Antrag auf Auskunft darüber gestellt hatte, welche Daten der Brandenburger Verfassungsschutz über ihn speichert. Die Antwort überraschte nicht nur ihn. Es wurde mitgeteilt: »Sie besuchten am 24. Dezember 2011 die Weihnachtsparty im Szeneobjekt ›Black Fleck‹ in Potsdam, welches häufig von Linksextremisten besucht wird. (…) Zur Aufgabenerfüllung der Verfassungsschutzbehörde Brandenburg ist es erforderlich, die vorstehend aufgeführten Erkenntnisse zu speichern, weil tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind, vorlagen und weiterhin vorliegen.«

Daraufhin riefen Potsdams linke Clubs und Kneipen dazu auf, weitere Anträge auf Aktenauskunft zu stellen. Mehr als 200 Personen kamen dem mittlerweile nach. Aus den vorliegenden Antworten ergibt sich ein Bild der umfassenden Überwachung der linken Subkultur in der Stadt. So speichert der Geheimdienst Daten der Besucher von Crustpunk-Konzerten und Techno-Partys, der »La Datscha«, des letzten besetzten Hauses in Potsdam, und des »Spartacus«, eines städtisch geförderten Jugendclubs. Er sammelt Informationen über Veranstaltungen mit 30 Teilnehmern und über Großevents.

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Ichsucht – Nasser Asphalt

Rechtsrock-Szene in Sachsen rückt zusammen

Der „Rechte Rand“ schreibt:

02.05.2014 – Am morgigen Samstag soll an bisher nicht genauer benanntem Ort in Sachsen eine braune Musikveranstaltung mit „Blackout“, „Sachsonia“, „Legion Of Thor“ sowie dem Liedermacher „Barny“ stattfinden.

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Für den 3. Mai wird kurzfristig ein Rechtsrock-Meeting in Sachsen angekündigt. Ferner ist gerade ein neuer CD-Sampler als Unterstützung für die Demonstration am 7. Juni in Dresden unter dem Motto „Tag der Deutschen Zukunft“ (TDDZ) erschienen. Federführendes Label ist dabei PC Records aus Chemnitz. Betreiber ist Yves Rahmel. Alle gängigen Rechtsrock-Versandanbieter haben das neue Werk inzwischen in ihr Sortiment aufgenommen.

Für das aktuelle Konzert am Samstag werden „Blackout“ (Wales), „Sachsonia“ (Dresden), „Legion Of Thor“ (Berlin) sowie als Solo-Liedermacher „Barny“, mit richtigem Namen Mirko Szydlowski, beworben. Dieser verfügt über beste Kontakte nach Schweden, wo er erst vor wenigen Tagen bei einem Rechtsrock-Event der Hammerskins auf die Bühne sollte. Erst am morgigen Konzerttag selbst sollen dann weitere Informationen über eine Mailbox einer Mobilfunknummer erfolgen.

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Rechtsrocker geht gegen Kritiker vor

Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet:

Nach einem abgesagten Konzert startet der kroatische Rechtsrocker Thompson eine Kampagne – und stellt seine Kritiker an den Pranger. Sozialen Netzwerke und kroatische Internetportale unterstützen Kroatiens erfolgreichster Musiker dabei.

Seit ein paar Tagen weiß Ilija G., wie es sich anfühlt, wenn man an den Pranger gestellt wird. Im Internet wird dem Berliner vorgeworfen, ein Verräter zu sein, ein Jugo-Kommunist und ein Feind Kroatiens. Ilija G. ist kein Politiker, kein Prominenter und kein Journalist. Bis dato stand er nie in der Öffentlichkeit. Und doch soll er dafür verantwortlich sein, dass ein für das vergangene Wochenende geplantes Konzert des kroatischen Rockers Thompson nicht stattfinden konnte. Sein Name findet sich in einer Mitteilung des Managements von Thompson, in dem dieser die Schuldigen für die Absage des Konzerts benennt – zwei Journalisten und eben Ilija G. „Und dabei habe ich nichts gemacht, außer eine Email zu schreiben.“

Was war geschehen? Für den 26. April hatte Kroatiens erfolgreichster Musiker, Marko Perkovic alias Thompson, ein Konzert in der Berliner Columbia-Halle angekündigt. Der Vorverkauf lief schon auf vollen Touren, als deutsche Medien damit begannen, über die Hintergründe zu berichten. Denn Thompson ist umstritten. Weil er in seinen Texten nationalistisches Gedankengut verbreitet und immer wieder auch positiv auf das faschistische Ustascha-Regime Bezug nimmt – genau wie seine Fans.

„Ich habe daher eine Email an die Columbia-Halle geschrieben und gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass keine faschistischen Symbole gezeigt werden. Mehr nicht“, sagt Ilija G. Die Columbia-Halle aber ging weiter und kündigte den Vertrag mit Thompson. Das Management des Musikers reagierte Ende letzter Woche mit einer Erklärung, in der vermeintliche Feinde Kroatiens für die Absage verantwortlich gemacht werden. „Überreste der Jugokommunisten“ seien noch in Deutschland aktiv, der Kampf gegen diese noch nicht vorbei, heißt es in der Mitteilung. Neben Ilija G. werden auch die beiden Journalisten Sead Husic („Tageszeitung“) und Jerko Bakotin („Neues Deutschland“) genannt.

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