„Über die Maas, über Schelde und Rhein“ – Hintergründe des „Blood & Honour“-Konzerts am 19. April 2014 im Elsass

Via „Autonom Antifa Freiburg“:

Am 19. April 2014 spielten sieben Nazibands am Vorabend von Hitlers Geburtstag im südelsässischen Dorf Oltingue. Das Nazikonzert war seit Monaten in einschlägigen Foren und auf Facebook beworben worden. Doch nicht einmal 300 Nazis machten sich an diesem Samstag auf den Weg Richtung Dreiländereck – ungewöhnlich wenige für ein Konzert dieser Größenordnung. Abgesehen von der miserablen Qualität der Soundanlage und der viel zu großen Halle konnte das Konzert ohne Probleme stattfinden. Nach einer antifaschistischen Veröffentlichung auf Indymedia linksunten und einer darauf folgenden Agenturmeldung von Agence France-Presse fragte der Vizechef der konservativen Oppositionspartei UMP, Roger Karoutchi, in einem offenen Brief den französischen Premierminister Manuel Valls, wie es sein könne, dass „200 Nazis in einem öffentlichen Saal einer französischen Gemeinde ungestraft Hitler feiern“. Die Medien in Deutschland und der Schweiz berichteten anschließend über den Nachklang des Nazikonzerts in Frankreich, doch die entscheidenden Fragen nach den Hintergründen wurden nirgendwo gestellt: Wer hat das Konzert organisiert? Wer sind die Verantwortlichen?

Es gab wie zu erwarten Nazis aus Südbaden und dem Elsass, die vor Ort das Konzert organisierten. Angeleitet wurden sie von «Blood & Honour»-Nazis mit Überschneidungen zu «Furchtlos & Treu» aus Stuttgart und den «Autonome Nationalisten Göppingen». Einnahmen des Konzerts sollten an ein Nazihaus im thüringischen Ballstädt gespendet werden, bei dem es Überschneidungen zum «Objekt 21» in Oberösterreich gibt. Unterstützung gab es aus den Niederlanden, die Bands kamen aus Deutschland, Finnland und den USA. Die Nazis diskutierten auf der Website nationale-revolution.net, dem inoffiziellen Nachfolger von thiazi.net. Im Herbst soll der Prozess gegen die Verantwortlichen von thiazi.net in Rostock beginnen. Die bisher bekannten «Thiazi»-ModeratorInnen kamen aus ganz Deutschland, inzwischen konnten weitere in Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Brandenburg, Berlin, Hamburg und Südengland identifiziert werden. Darunter der Sänger der Naziband «Deutsch, Stolz, Treu», die auch bei dem Konzert spielte, der Gründer der «Kampfgruppe Priem», eine Kita-Mitarbeiterin und CDU-Kandidatin aus Brandenburg und ein Nazi mit Kontakten zu «Combat 18 Pinneberg». Von «Combat 18» schließlich führt die Recherche zum Bassisten von «Oidoxie», dem Hauptorganisator des Konzerts: Alexander Gorges. Der Thüringer lebt mittlerweile in der Schweiz und organisiert Nazikonzerte von Frankreich bis Ungarn. Und nie ist der Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ weit entfernt.

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