Bizarrer Nazi-Roman soll NSU-Plan verraten

„Hajo Funke“ schreibt auf seinem Blog:

Hat das NSU-Trio seine Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen allein geplant und ausgeführt oder gab es eine übergeordnete Struktur mit einem strategischen Plan? Die Ermittler gehen bisher davon aus, dass das Trio die Taten allein beging. Das aber will das Oberlandesgericht (OLG) München im Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte jetzt offenbar kritisch hinterfragen.

Alle Videos zum NSU-Prozess finden Sie hier

Denn das Gericht hat vor der Sommerpause ein ungewöhnliches Beweismittel in den NSU-Prozess eingeführt, das ab der nächsten Sitzung am 4. September im Prozess erörtert wird – einen Roman, der auf mehrfache Weise mit dem NSU verknüpft ist. Verblüffend sind vor allem personelle Verflechtungen zwischen dem Autor und dem NSU-Umfeld, die eine ganz andere Vermutung nahelegen könnten: dass nämlich das Trio in eine weit verzweigte, womöglich internationale Struktur eingebunden gewesen sein könnte.

Weiter

Halfen die “Hammerskins” dem NSU-Trio?

Im August 2000 verhafteten US-Marshalls Möbus auf Bitten der Thüringer Ermittler und steckten ihn in Abschiebehaft. Unverzüglich entfachten Pierce und seine “National Alliance” eine Kampagne unter dem Motto “Free Hendrik Möbus”. In Untergrundzeitschriften erschienen Spendenaufrufe, auch in deutschen Fanzines aus dem unmittelbaren NSU-Umfeld. Möbus beantragte Asyl in den USA. Im Februar 2001 flog der Anführer des “Thüringer Heimatschutzes”, Tino Brandt, zu Möbus’ Unterstützung nach Amerika. Die Reise finanzierte nach Erkenntnis des Thüringer Verfassungsschutzes die “National Alliance” – ein Vermerk darüber findet sich in den Prozessakten.

Den Kontakt zwischen Brandt und Pierce soll ein führendes Mitglied der sächsischen “Hammerskin”-Gruppe vermittelt haben, das sich bereits in den USA aufhielt. Offen ist, ob der Verfassungsschutz diese Information von Brandt selber hat, der einer seiner wichtigsten V-Leute in der Szene war. Die “Hammerskins”, eine militante Organisation amerikanischer Neonazis mit Niederlassungen in mehreren europäischen Ländern, waren im NSU-Prozess schon mehrfach als mögliche Helfer-Struktur ins Visier geraten. Im Juli 2001 wurde Möbus nach Deutschland abgeschoben und erneut verurteilt.

2007 hatte er seine Strafen abgesessen. Inzwischen lebt er in Berlin und betreibt gemeinsam mit einem Kompagnon einen Internethandel mit dem Namen “Merchant of Death” (Händler des Todes). Dieser Kompagnon war bis vor kurzem der Facebook-Freund eines Cousins von Beate Zschäpe. Als Zeuge im NSU-Prozess räumte der Cousin das widerwillig und erst auf Vorhalt eines Fotos ein. Zeichnet sich hier eine “größere Gesamtstruktur” ab, die das BKA in seiner Analyse der “Turner-Tagebücher” noch vermisste? Eine Sprecherin des Gerichts sagt: “Der Senat ist an die Analyse nicht gebunden und muss sich ein eigenes Bild machen.”

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks
  • Identi.ca
  • RSS
  • MySpace
  • PDF