Von der Quotenforderung zum nationalen Pop

Ein Blick zurück ins Jahr 2005 mit dem grossartigen, aber leider viel zu früh verstorbenen Poptheoretiker Martin Büsser:

Kurz nach dem Mauerfall begann Deutschland, seine hässliche Fratze wieder offen zu zeigen. Anfang der 1990er verging keine Woche ohne rechtsradikale Brandanschläge auf Wohnheime und geschändete jüdische Friedhöfe. In diesem Zusammenhang rückte erstmals in die öffentliche Wahrnehmung, dass Rockmusik zunehmend zum Sprachrohr für diskriminierende, nationalistische und rassistische Inhalte geworden ist. Parolen wie »Nieder mit dem Misch-Masch-Blut, denn das tut dem Vaterland nicht gut« (Störkraft) haben den immer schon naiven Glaube erschüttert, dass Rock per se Rebellion gegen jegliche Autoritäten und damit tendenziell emanzipatorisch links sei. Die Medien reagierten auf solche Extremformen des sogenannten Rechtsrock mit Empörung, Bürger und Politiker gingen gemeinsam gegen rechte Gewalt auf die Straße, bildeten Lichterketten. Während Extremismus und rechte Gewalt nahezu einhellig abgelehnt und sehr schnell auf das stereotype Bild des pöbelnden Skinheads projiziert wurden, mehrten sich zugleich die Stimmen aus der gesellschaftlichen Mitte, die einen neuen, »normalen« Umgang mit Patriotismus und Nation forderten. Popkultur spiegelte diesbezüglich das alle kulturellen und gesellschaftlichen Bereiche durchdringende Zusammenspiel aus Fremdenangst (»Das Boot ist voll«) und Neubewertung des Nationalen wider.

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