Archiv für November 2014

„Döner-Killer“-Song und Holocaust-Leugnung

Der „Blick nach rechts“ berichtet:

27.11.2014 – Der frühere PC-Records-Betreiber Yves Rahmel ist am Mittwoch vor dem Amtsgericht Chemnitz zu einer Gesamtgeldstrafe von 7200 Euro verurteilt worden. Er hatte in den Jahren 2009 und 2010 vier volksverhetzende CDs produziert.

Rahmel räumte ein, die CDs der Gruppen „Gigi & die braunen Stadtmusikanten“, „X.x.X“ und „Warlord“ produziert zu haben. Er habe sich außerdem für alle Songs Gutachten einer Hamburger Szene-Anwältin eingeholt und sei daher davon ausgegangen, dass die Inhalte der Lieder nicht strafrechtlich relevant seien. Rahmels Anwalt Wolfram Nahrath, früher Anführer bei der „Wiking-Jugend“, plädierte auf Freispruch. Das Gericht folgte allerdings der Staatsanwaltschaft und verurteilte Rahmel zu 120 Tagessätzen von jeweils 60 Euro. Eine Freiheitsstrafe kam deswegen nicht in Betracht, weil die Taten vier bis fünf Jahre zurück liegen. Dabei lag eine Anklage bereits im Mai 2012 vor.

Rahmel hatte als ehemaliger Betreiber des Labels, Versandhandels und Ladengeschäfts PC Records im Chemnitzer Stadtteil Kappel in den Jahren 2009 und 2010 die beanstandeten Tonträger pressen lassen und vertrieben. Während des Prozesses stellte sich heraus, dass der 33-Jährige, der die Firma zehn Jahre lang geführt hatte, mittlerweile nur noch Angestellter ist. Das Impressum des Geschäfts weist nun einen S. Geburtig als Inhaber aus. Die Staatsanwaltschaft vermutete jedoch nicht ganz unbegründet, Rahmel ziehe weiterhin die Fäden bei PC Records.

Weiter

Die braune Rocker-Connection

Via der „Blick nach rechts“:

29.11.2014 – Am nächsten Donnerstag beginnt in Schwerin der Prozess gegen Rocker-Anführer Schlaffer. Ein bekannter Neonazi verteidigt ihn. Doch die Verbindung geht noch weiter.

Ein dichtes Netzwerk zwischen Neonazis und Rockern offenbart sich während des laufenden Prozesses gegen Mitglieder des „MCs Schwarze Schar“ vor dem Landgericht Schwerin. Es reicht bis hinein in den Drogenhandel. Vom Wismarer Motorradclub „MC Schwarze Schar“ war bereits bekannt, dass er sich bis zu seinem Verbot 2014 aus Neonazis zusammensetzte, die bis 2006 zur berüchtigten „Kameradschaft Werwölfe Wismar“ gehörten, sich danach dem Rotlicht-Milieu zugewandt hatten. Fortan bestimmten Drogenhandel, Partys, Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen sowie Prostitution und andere Geschäfte ihr Wirken. Das Clubleben der etwa zwölf deutschen Mitglieder war nach einem strengen Kodex ausgerichtet, es gab Kutten- und Messerpflicht. Die Ideologie rückte öffentlichkeitswirksam in den Hintergrund.

Nun aber nimmt sich der ehemalige Ex-Präsident Philip Schlaffer für seine Verteidigung für den am 4. Dezember beginnenden Prozess in Schwerin ausgerechnet den bekanntesten Anwalt der rechtsextremen Szene: Wolfram Nahrath. Diese Entscheidung könnte als eine Art Bekenntnis von Schlaffer ausgelegt werden. Lange halten sich zudem die Gerüchte, der glatzköpfige Akademikersohn aus Lübeck habe nicht nur im braunen, sondern auch im Kuttenmilieu viel geredet. Er gilt als äußerst umstritten.

Weiter

Von “HoGeSa” und “Pegida”: Das Einfallstor der extremen Rechten

„Publikative.org“ berichtet:

Weit über 4.000 Hooligans in Köln und über 5.000 Menschen in Dresden: Das Deckmantelthema für rassistischen und nationalistischen Protest in Deutschland ist erneut gefunden. Die organisierte extreme Rechte freut es, die Politik wirkt hilflos.

Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) oder „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida): Es gibt wieder ein Thema, unter dessen Deckmantel eine völkische und rassistische Stimmung Menschen in großer Zahl auf die Straße bringt. Was sich thematisch unter der Überschrift „Gegen Salafisten“ alles sammelt, ist eine konfuse Mischung aus rassistischen, nationalistischen und pseudo-demokratischen Forderungen, die sich in ihrer Argumentation der letzten Jahre kaum verändert haben. Im Schatten der Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der deutschen Einheit konstruieren sich die Protestierenden als „das Volk“, die „wahren Demokraten“, die endlich aufbegehren gegen eine staatliche Unterdrückung. Wer das „Volk“ versucht kleinzuhalten, wurde schnell deutlich: Staat und Medien Hand in Hand. Die Wurzeln dieser Argumentation dürften weit zurückliegen, sind aber seit 2011 immer stärker hervorgetreten. Nicht zuletzt Thilo Sarrazin lieferte vor knapp drei Jahren die aktualisierte Blaupause des Rhetorikkonzeptes, welchem sich die meisten Gruppen heute bedienen: Sie sind die Tabubrecher, die Kämpfer für die Meinungsfreiheit dieses von Medien und Staat unterdrückten Volkes. Als symbolisch-sprachlicher Höhepunkt dient die Adaption des zentralen Protest-Slogans der Einheitszeit: „Wir sind das Volk“. So verwundert es kaum, dass auf der „Pegida“-Demonstration in Dresden vor allem die Freude darüber besteht, dass man durch den Protest die „innerdeutschen Grenzen“ endlich überwunden hat. „Der erste Schritt ist also getan, es wächst auch endlich in den Köpfen zusammen, was zusammen gehört! WIR SIND EIN VOLK!“, schwadronierte einer der Redner am vergangenen Montag in Dresden. „Das Volk“ ist also schnell wieder zu „einem Volk“ geworden.

Weiter
Siehe auch: Bagida – HoGeSa und Pegida in Bayern – die extreme Rechte sucht Massenbasis!
SageSa spaltet sich! – „breites“ HoGeSa Spektrum vom Hitlergruß bis NPD

Kriminalität: Wo Rocker und Rechte gemeinsame Sache machen

Der „Spiegel“ schreibt:

Rocker bewachen Neonazi-Konzerte, rechte Schläger unterstützen Bikerbanden: Wie stark sind Kameradschaften und Motorradklubs in Deutschland verzahnt? Eine vertrauliche Analyse gibt Aufschluss.

Hamburg – Die bislang letzte politische Spur hinterließ der bayerische NPD-Funktionär Sascha Roßmüller Mitte September im Netz. Damals schwadronierte der „Nationaldemokrat“ über die „weltpolitische Großwetterlage“ und keilte gegen die „Brüsseler Gleichschaltungsadministration“. Einen Monat später musste er dann ins Gefängnis – allerdings nicht wegen seines Traktats.

Roßmüller ist nicht nur Rechtsextremist, sondern auch Rocker. Und als Führungsfigur der Bandidos Regensburg soll sich der 41-Jährige bei einer Straßenschlacht mit der rivalisierenden Gang des Gremiums MC Straubing im Dezember 2010 strafbar gemacht haben. Damals wurden zwei Männer niedergestochen. Die Staatsanwaltschaft Regensburg wirft Roßmüller daher schweren Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung vor.

Der massige Bayer mit einer offensichtlichen Vorliebe für Kurzarmhemden und Ewiggestriges verkörpert ein Phänomen, das die Sicherheitsbehörden seit einiger Zeit mit großer Aufmerksamkeit betrachten. Nach dem Auffliegen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, von dessen Existenz Polizei und Verfassungsschutz nichts geahnt hatten, analysieren Beamte nunmehr intensiv die Schnittmenge zwischen Rechten und Rockern. Die Sorge ist groß, dass sich eine Mischszene herausbilden könnte, in der Extremisten und Schwerkriminelle gemeinsame Sache machen.

Weiter

Trier: Rechte Hooligan-Band „Kategorie C“ plant Konzert

Die Band Kategorie C plant Anfang Dezember ein Konzert im Raum Trier. Die Polizei richtet sich darauf ein. Sie bezeichnen sich selbst als Fußballrocker aus Bremen. Geht man jedoch nach Kenner_innen der rechten Szene, handelt es sich bei den fünf Musikern der Band Kategorie C um Anhänger der rechten Hooligan-Szene. Die Band, die auch an den Hooligan-Demos in Köln und Hannover teilgenommen hat, hat auf ihrer Internetseite für den 5. Dezember ein „Nikolaus-Festival“ im „Raum Trier“ angekündigt. Wo genau das Konzert, an dem auch die als rechtsradikal geltenden Skinhead-Bands Pitbullfarm aus Schweden, The Firm aus den Niederlanden sowie die Tattooed Motherfuckers aus Großbritannien teilnehmen sollen, stattfindet, wird nicht bekanntgegeben. Auf der Internetseite heißt es lediglich: „Nur mit dem Auto zu erreichen.“ (volksfreund.de)

Ende für Scheinfelder Neonazi-Treff – Stadt kauft Diskothek

„Die braune Episode“ für Scheinfeld (Lkr. Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) ist vorbei. Die mittelfränkische Stadt hat die ehemalige Diskothek am Ortsrand gekauft, in der rechtsgerichtete Veranstaltungen die Gemeinde in die Schlagzeilen gebracht hatten. Die Erleichterung ist Bürgermeister Claus Seifert anzumerken, zumal nun alles notariell beglaubigt ist. Wenngleich der Kaufpreis von 230 000 Euro nicht leicht zu finanzieren war – der Nutzen für die Stadt und ihr Ansehen wiegen laut Seifert weitaus höher. Im Oktober 2013 hatte in der Diskothek ein Neonazi-Konzert stattgefunden, von dem die Stadt komplett überrascht worden war. Am Tag vor der Europawahl im Mai dieses Jahres hatte die NPD ihre Abschlusskundgebung in der Disco veranstaltet, doch darauf war Scheinfeld vorbereitet gewesen und demonstrierte unter dem Motto „Scheinfeld ist bunt“.

via mainpost: Ende für Scheinfelder Neonazi-Treff – Stadt kauft Diskothek

Der Soundtrack für das „Volk“

Via „antifa-berlin.info“:

Der rechte Rapper Patrick Killat aka. „Villain51“ ist nicht nur selbst bei den Demos anwesend, er produziert auch die Hintergrundmusik für die Demos. Zusammen mit „DeeEx“ oder Karin Mundt vom Rechtsrock-Projekt „Wut aus Liebe“ liefert er den Soundtrack gegen Flüchtlinge, Salafisten oder Andersdenkende. Auch er ist seit den Mobilmachungen gegen die Flüchtlingsunterkunft in Hellersdorf dabei und erfreut sich auch bei den „Hooligans gegen Salafisten“, durch seinen Auftritt in Köln, enormer Beliebtheit.

Weiter

Neonazi-Konzerte: Hetze gegen Ausländer_innen, Hetze gegen Reiche

Die „Welt“ berichtet:

Ihr Terrain sind mittelgroße Städte wie Gera und Heidelberg: Rechtsradikale werben mit Konzerten und Liederabenden um neue Kameraden. In Deutschland gibt es mehr als einhundert rechtsextreme Musikgruppen. Die Linke bittet in einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung um Auskunft über ihre Aktivitäten. Allein von Juli bis September 2014 fanden nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland 22 rechtsextremistische Musikveranstaltungen statt, davon neun Konzerte und 13 Liederabende. Nur neun von ihnen waren offen angekündigt. Von den 13 anderen Veranstaltungen erfuhr der Verfassungsschutz nur über vertrauliche Hinweise: Die Informationen zu den Auftritten waren konspirativ über einschlägige Netzwerke verbreitet worden. Auffällig ist, dass die Bands überwiegend in kleineren und mittelgroßen Städten wie Gera, Torgau und Heidelberg auftraten. Die Konzerte wurden nach Auskunft des Innenministeriums von durchschnittlich 150 Personen besucht, die Liederabende von etwa 50 pro Veranstaltung. (WELT)

Der NSU und die “Cui bono?”-Frage

Via „Publikative.org“:

Beim NSU-Prozess in München hat die Aussage des Ex-V-Manns Kai D. weitere Fragen zur Rolle des Geheimdienstes beim Aufbau der Neonazi-Szene aufgeworfen. D. behauptet, er sei erst auf Anweisung des Verfassungsschutzes in die Szene eingestiegen. Für Freunde von Verschwörungen der nächste Beleg für die eigene Legende. Doch die haben alle einen massiven Schwachpunkt.

Wurde der Thüringer Heimatschutz mit Billigung – wenn nicht sogar auf Anweisung – des Verfassungsschutzes aufgebaut? Die Aussage des Ex-V-Manns Kai D. aus Bayern beim NSU-Prozess legt diese Annahme zumindest nahe. Denn Kai D. war nach eigenen Angaben mehr als ein führender Neonazi, der Informationen verkaufte; er stieg angeblich erst auf Wunsch des Geheimdienstes richtig in die Szene ein. Es sei gar nicht seine eigene Meinung dafür maßgeblich gewesen. D. wäre somit faktisch ein verdeckter Ermittler des bayerischen Verfassungsschutzes gewesen.

Weiter

Zeugin schwärmt von Blood & Honour

Der „Tagesspiegel“ schreibt:

Es mangelt dem NSU-Prozess nicht an bizarren Auftritten von Rechtsextremisten oder Zeugen, die angeblich oder tatsächlich die Szene verlassen haben. Doch was die Prozessparteien an diesem Donnerstag an Dreistigkeit erleben, dürfte so schnell nicht zu überbieten sein.

Eine Zeugin aus Sachsen schildert in warmen Worten die tiefbraune Skinheadvereinigung „Blood & Honour“ als eine Art Caritas, deren sächsische Sektion leider in geldgierige Hände geriet. Dass im September 2000 der damalige Bundesinnenminister die komplette deutsche „Division“ von Blood & Honour verbot, muss demnach ein schwerer Irrtum gewesen sein. Ebenso wie der Verdacht der Bundesanwaltschaft, die Terrorzelle NSU sei aus der sächsischen Sektion unterstützt worden.

Mitbegründerin des Blood & Honour-Ablegers in Sachsen

Die Zeugin Antje B., 40 Jahre alt, die blondierten Strähnen von einem schwarzen Stirnband gebändigt, spricht zunächst über den Gründer von Blood & Honour, dem britischen Skinhead und Rechtsrock-Musiker Ian Stuart Donaldson. Der bullige Glatzkopf, eine Ikone der Szene, starb 1993 nach einem Verkehrsunfall. „Dieses Ernstvolle, was er verkörpert hat, die hohen Werte, dass wir uns ein Stück weit zurückbesinnen, dass wir eben so ’n Stück wieder ehrlicher sind, dass man erkennt, was Demut ist, waren zumindest meine persönlichen Ideale“, sagt die Mutter von vier Kindern. Dass sie heute als Erzieherin tätig ist, lässt einen mit jedem weiteren Satz frösteln.

Sie habe von der sächsischen Sektion erwartet, „dass man befreundet ist, dass wir viele Familien haben, wo man gemeinsam mit den Kindern Unternehmungen macht“. Mitte der 1990er Jahre beteiligte sich Antje B. an der Gründung des Ablegers von Blood & Honour im Freistaat. Sie und ein paar Freunde hätten sich in einer Kneipe getroffen und überlegt, wie sie nach dem Tod von Ian Stuart Donaldson dessen Musik „hier in Deutschland ein bisschen voranbringen“. Politische Ziele habe sie selbst nicht verfolgt, sagt Antje B., „nee“.

Weiter
Zeugin im NSU-Prozess: Skingirl im Sumpf

Brandstifter und Biedermänner

Der „Blick nach rechts“ berichtet:

18.11.2014 – In mehreren Berliner Stadtteilen finden seit Wochen Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte statt. Neben Angehörigen der rechten Szene, die die Infrastruktur stellen, beteiligen sich daran auch Anwohner.

Am Montagabend marschierten rund 200 Menschen durch den Stadtteil Buch im Norden Berlins. Fast zeitgleich beteiligten sich an dem Tag nach Veranstalterangaben über 1000, Polizeiangaben zufolge 700, Personen an einer mehrstündigen Demonstration durch den Berliner Stadtbezirk Marzahn gegen ein dort geplantes Containerdorf für Flüchtlinge. Unter den Demonstrierenden befanden sich der Berliner NPD-Vorsitzende Sebastian Schmidtke und Angehörige von Kameradschaften. Statt Partei- beziehungsweise Organisationsbannern waren Deutschlandfahnen in allen Größen sowie das Berliner Wappen zu sehen. An der Spitze trugen Rechtsextremisten ein Transparent mit dem Motto „Wache auf! Handeln statt klagen“. Gleich dahinter wurde ein Transparent mit der Parole „Wir haben die Schnauze voll“ mitgeführt. Dieser Spruch wurde auch häufig skandiert.

Mit gezielten Ansprachen an die Bewohner der Häuserblocks in Marzahn, an denen die Demonstration dicht vorbei zog, warben Redner für die Ziele des Aufzugs. So versuchte ein älterer Mann die Menschen, die auf ihren Balkonen standen, über Megaphon zur Teilnahme zu bewegen. „Wir sind keine Krawallmacher, sondern anständige Bürger“, rief er immer wieder. „Auch Sie werden durch die Parteien ausgebeutet, verarmen im Alter und müssen vielleicht Flaschen sammeln“, appellierte er an die Zuschauer. Vereinzelt stießen solche Ansprachen auf Zustimmung. Die Organisatoren sprachen von einem großen Erfolg, weil sich von Montag zu Montag die Teilnehmerzahl erhöht habe.

Weiter

Weibliche Hetze

Via der „Blick nach rechts“:

18.11.2014 – Von der Bewerberin um den NPD-Vorsitz bis zur christlichen Fundamentalistin: Bei den „Hooligans gegen Salafisten“ spielen auch die „Ladies“ eine wichtige Rolle.

NPD-Liedermacherin Karin Mundt bei der HoGeSa-Kundgebung in Hannover; Photo: Otto Belina
Kürzlich hatte sie sich im Internet noch mit Strapsen und Peitsche präsentiert und für ordentlich Empörung im nationalen Lager gesorgt. Die bayrische NPD-Frau Sigrid Schüssler inszeniert sich seit einiger Zeit als braune „Skandalnudel“, fremdenfeindlich und obszön. Bei der „Hooligan gegen Salafisten“-Kundgebung in Hannover am Samstag gab sie unter den zahlreichen weiblichen Teilnehmerinnen eine der auffälligsten Erscheinungen ab.

Gekonnt postierte sich die rothaarige diplomierte Schauspielerin, in der Szene bekannt als „Hexe Ragna“, am Hinterausgang des Bahnhof, gerade so, dass die zahlreichen Kameras sie auch wahrnahmen. Sie wartete alleine auf ihren Freund, den Münchner Neonazi und Stadtrat Karl Richter. Mit den anderen Teilnehmern der HoGeSa-Veranstaltung schien sie wenig gemein. Sichtlich genervt rückte die geschasste ehemalige Vorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“ dann auch zur Seite, als zwei völlig überdrehte Hooligans einen primitiven Schaukampf mit Gebrüll vor ihr abhielten. Die beiden imitierten einen Fight, zeigten hochgereckte Fäuste und schrien: „Deutschland“. Angewidert drehte sich Frau Schüssler weg.

Andere Frauen dagegen halfen beim Einheizen. Sie trugen Shirts mit Aufschriften wie „Berserker“ oder „HoGeSa Bremen“, standen auf einer Empore oder wechselten sich mit den Mepaphonen ab, um mit Parolen wie „Wir sind das Volk“ Sprechchöre in Gang zu bringen.

Weiter

Brauner Fackelmarsch

Die „PNN“ schreibt:

Gespenstische Atmosphäre in Gransee: Am Sonntagabend marschieren bis zu 90 Neonazis mit Fackeln durch die Stadt – aus Protest gegen Flüchtlingsheime. Verantwortlich ist ein bekannter Neonazi.

Gransee/Potsdam – Die Szenerie wirkte gespenstisch und bedrohlich. Mit Fackeln marschierten bis zu 90 Neonazis am Volkstrauertag durch die Straßen von Gransee (Oberhavel) und riefen fremdenfeindliche Parolen. An der Spitze des Aufmarsches trugen sie ein braunes Banner, darauf eine Fackel und der Spruch: „Wir für Deutschland gegen Überfremdung.“

Verantwortlich für den Aufzug der „Aktivisten des Nationalen Widerstandskampfes“ sind nach PNN-Recherchen Maik Eminger aus Grabow (Potsdam-Mittelmark) und das Neonazi-Netzwerk „Licht und Schatten“. Eminger ist der Zwillingsbruder des im Münchner NSU-Prozess mitangeklagten André Eminger, dem mutmaßlichen Hauptunterstützer des Terrortrios. Ursprünglich hatte Maik Eminger den Aufmarsch für Sonntagabend in Werder geplant und am Freitag bei der Polizeidirektion West angemeldet. Doch die Polizei West genehmigte die Kundgebung nicht, weil sie wegen des Feiertagsgesetzes unzulässig sei. Darauf hatte Eminger erklärt, dass er keinen Aufzug durchführen werde.

Weiter

NSU-Prozess: Das sächsische Unterstützer-Netzwerk wird Thema

Die „Thüringische Landeszeitung“ berichtet:

München. Als die drei jungen Neonazis, die heute meist das NSU-Trio genannt werden, im Januar 1998 aus Jena flüchteten, kamen sie zuerst in Chemnitz unter. Die dortigen Neonazis kannten sie von Aufmärschen und Skinhead-Konzerten.

Die Namen ihrer sogenannten Kameraden aus Sachsen sind inzwischen fester Bestandteil des NSU-Prozesses: Thomas Starke, Jan W., Andreas G., Thomas oder etwa Antje P., die einst einen Szeneladen in Chemnitz betrieb. Am Donnerstag soll sie als Zeugin aussagen.
Sie alle gehörten oder besaßen zumindest Bezug zur sächsischen Sektion der neonazistischen Organisation „Blood & Honour“ genauso wie Carsten Szczepanski, der unter dem Decknamen „Piato“ dem brandenburgischen Verfassungsschutz zuarbeitete. Im Sommer und Herbst 1998 gab er dem Dienst mehrere Hinweise zu den Flüchtigen. So hieß es in einer Meldung vom 9. September: „Jan W. soll zurzeit den Auftrag haben, die drei Skinheads mit Waffen zu versorgen. […] Und weiter: „Vor ihrer beabsichtigten Flucht nach Südafrika soll das Trio einen weiteren Überfall nach dem Erhalt der Waffen planen, um mit dem Geld sofort Deutschland verlassen zu können. Der weiblichen Person des Trios will Antje P. ihren Pass zur Verfügung stellen.“
Der Vermerk beschäftigte nicht nur das BKA, die Bundesanwaltschaft und den NSU-Untersuchungsausschuss in Berlin, sondern taucht auch immer wieder in der Hauptverhandlung in München auf. Schon 1998 führten die Signalworte (Trio, Waffen, Überfall) zu einer erhöhten Betriebsamkeit der Ermittler. Sektionschef Jan. W, aber auch Antje P. und ihr damaliger Ehemann Michael P. wurden observiert, zudem überwachte man ihre Telefone. Schon zuvor war bekannt geworden, dass Antje P. bei einem „Blood & Honour“-Treffen gefordert habe, die „politische Arbeit“ im Untergrund in Form von Anschlägen durchzuführen.

Weiter

“HoGeSa” in Hannover: Vom Zerfall einer “Volksbewegung”

Via „Publikative.org“:

Nur noch rund 2.500 Teilnehmer hat es zur „HoGeSa“-Veranstaltung nach Hannover gezogen. Die Veranstaltung blieb auf Grund des engen behördlichen Korsetts weitestgehend friedlich. Mit Hannover hat der Zerfallsprozess einer Gruppe eingesetzt, die außer einem diffusen Hass und Aktionismus wenig eint.

Der Zenit der sich gern selbst als „Volksbewegung“ bezeichneten „HoGeSa“ scheint überschritten. Geradezu absurd muteten die von Hooligans und extrem Rechten gerufenen Parolen vor Ort an. „Wir sind das Volk“ ist wohl alles andere als eine zutreffende Beschreibung. Nur rund 2.500 Teilnehmer waren am Samstagmittag nach Hannover gekommen. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zu Köln halbiert. Dies dürfte wohl nicht zuletzt auch an den restriktiven Auflagen gelegen haben, die die Polizei erteilt hatte. Ohne Demonstrationszug und den Auftritt von „Kategorie C“ blieb nicht mehr viel übrig von den Angeboten, die in Köln noch 4.800 Menschen angezogen hatten. Das massive Polizeiaufgebot mit Wasserwerfern, Räumpanzern und fast 5.000 Beamten hat hinsichtlich der befürchteten Ausschreitungen wohl ebenfalls seine Wirkung nicht verfehlt.

Weiter

Terrorgruppe wollte nach Südafrika flüchten

„Vorwärts.de“ schreibt:

Der Thüringer Verfassungsschutz wusste 1999 von den Plänen des NSU-Trios, nach Südafrika zu flüchten. Er wusste ebenfalls, dass die Hauptangeklagte Beate Zschäpe über einen Anwalt in die Legalität zurückzukehren wollte. Unternommen haben die Verfassungschützer nichts.

Nach Erkenntnissen des Thüringer Landesamts für Verfassungsschutz wollte sich das damals untergetauchte NSU-Terror-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe 1999 nach Südafrika absetzen. Dies scheiterte, weil Zschäpe die beiden Uwes nicht ins Ausland begleiten wollte. Das Trio stand deshalb kurz davor sich zu trennen. Das berichtet ein ehemaliger V-Mann-Führer des Landesamts, der bereits zum dritten Mal im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München aussagte. Der pensionierte Regierungsoberrat war Quellenführer von Tino Brandt, dem wohl wichtigsten Neonazi in Thüringen in den 90er Jahren und zentrale Figur im NSU-Umfeld. Er ermöglichte den drei mutmaßlichen Terroristen, 13 Jahre unerkannt im Untergrund zu leben.

Weiter

Nikolaus-Konzert mit Frank Rennicke

Der „blick nach rechts“ berichtet:

17.11.2014 – Belgien (Sint-Niklaas) – Der rechtsextreme Liedermacher Frank Rennicke tritt bei Gesinnungsgenossen in Belgien auf.
Am 6. Dezember soll der 49-jährige braune Barde im Museumtheater von Sint-Niklaas aufspielen. Das Kulturzentrum vermeidet es dabei, die Veranstaltung auf ihrer eigenen Homepage anzukündigen. Bürgermeister Lieven Dehandschutter der Stadt in Ostflandern spricht von „keiner Gefahr der öffentlichen Ordnung“. Der verantwortliche Stadtvertreter gehört zur nationalistisch orientierten mit separatistischen Zielen behafteten Neuen Flämischen Allianz, die seit den Europawahlen im Mai vier EU-Abgeordnete stellt und mit der Parlamentsgruppe um die AfD kooperiert.

Als Veranstalter fungiert das Onlineportal für ein rechtsnationales Flandern „Rechts actueel“, das nun schon zweimal bei der von Götz Kubitschek und Felix Menzel mitveranstalteten neurechten Aktionsmesse „Zwischentag“ mitgewirkt hat. (hf)

Quelle

Neonazi-Szene sammelt für „ihre“ Gefangenen

Via „Endstation Rechts“:

Die extreme Rechte unternimmt weiterhin große Anstrengungen, um inhaftierte „Kameraden“ bei der Stange zu halten: Das Internetportal „Altermedia“ hat in Zusammenarbeit mit der „Gefangenenhilfe“ eine Spendenaktion für Gesinnungsgenossen hinter Gittern ins Leben gerufen. Szene-Mailorder spenden beim Kauf bestimmter Produkte kleinere Beträge, mit denen Geschenke gekauft werden sollen. Mit an Bord ist auch die antisemitische „Europäische Aktion“.

„Stolze“ 100 Euro stellt der „Odin Versand“ in Aussicht, wenn Kunden das Buch „Männer und Taten – Ritterkreuzträger erzählen“, ein „Tischfähnchen Schwarz-Weiß-Rot mit Plastikständer“ oder eine Reichskriegsflagge zu zehn Euro kaufen. Auch Rechtsrock ist im Angebot, etwa die CD „Die Rückkehr des Unbegreiflichen“ der neuen Band des früheren Sängers der als Kriminellen Vereinigung eingestuften Kapelle „Landser“, Michael Regener, „Die Lunikoff Verschwörung“. Fünf Euro pro abgesetztem „Soli-Hemd“ steuert nach eigenen Angaben der „Zentralversand“, der sich selbst „Versand des Nationalen Widerstandes“ nennt, bei. Das in rot oder schwarz erhältliche Kleidungsstück unter dem Motto „Drinnen und Draussen eine Front“ [sic!] ist auf der Rückseite dem Slogan „Freiheit für alle nationalpolitischen Gefangenen“ bedruckt.

Weiter

Rapper Fler beleidigt Kollegen Farid Bang rassistisch und trifft auf Gegenwehr

„rap.de“ schreibt:

Flers Aussagen von Mittwochabend haben zahlreiche Kritiker aus der Deutschrap-Szene auf den Plan gerufen. Er hatte in einem offenen Brief an Farid Bang diesen dazu aufgefordert, sich als “Gast” in Deutschland dankbarer zu zeigen und darauf zu achten, was er sage. Der Musiker Manuellsen äußerte sich noch in der Nacht zu heute und erklärte, Fler versuche sich bei Rassist_innen anzubiedern. Auch der Hamburger Disarstar zeigte sich wenig erfreut über Flers Aussagen. “Dieser Mann konnte nicht verstehen, warum die NPD seine Zeilen für ihren Wahlkampf benutzt. Ich hingegen kann nicht verstehen, warum dem Nazi nicht mal jemand das Maul stopft“, so der Hamburger, der einen klaren Standpunkt vertritt: “Das ist nicht mein Land, oder dein Land, das ist unser Planet.” (rap.de)

Siehe auch: Die deutsche Rap-Szene ist durchsetzt von Rassismus

Rechtsrock aus Brandenburg

Der „Blick nach rechts“ berichtet:

14.11.2014 – Senftenberg – Vier Bands aus der Rechtsrock-Szene werden für den 29. November zu einem Konzert in Mitteldeutschland angekündigt, ohne vorerst den Ort genauer zu benennen.
Auf dem Programm stehen an dem Samstag Ende November „Confidence Of Victory“ (Senftenberg) und ebenfalls aus Brandenburg die seit 2005 existierenden „Hope For The Weak“, die im sächsischen Verfassungsschutzbericht aufgelistete Band „Blutzeugen“ sowie „Saubande“, die aus Tschechien stammt. (hf)

Quelle