NSU-Prozess: Das sächsische Unterstützer-Netzwerk wird Thema

Die „Thüringische Landeszeitung“ berichtet:

München. Als die drei jungen Neonazis, die heute meist das NSU-Trio genannt werden, im Januar 1998 aus Jena flüchteten, kamen sie zuerst in Chemnitz unter. Die dortigen Neonazis kannten sie von Aufmärschen und Skinhead-Konzerten.

Die Namen ihrer sogenannten Kameraden aus Sachsen sind inzwischen fester Bestandteil des NSU-Prozesses: Thomas Starke, Jan W., Andreas G., Thomas oder etwa Antje P., die einst einen Szeneladen in Chemnitz betrieb. Am Donnerstag soll sie als Zeugin aussagen.
Sie alle gehörten oder besaßen zumindest Bezug zur sächsischen Sektion der neonazistischen Organisation „Blood & Honour“ genauso wie Carsten Szczepanski, der unter dem Decknamen „Piato“ dem brandenburgischen Verfassungsschutz zuarbeitete. Im Sommer und Herbst 1998 gab er dem Dienst mehrere Hinweise zu den Flüchtigen. So hieß es in einer Meldung vom 9. September: „Jan W. soll zurzeit den Auftrag haben, die drei Skinheads mit Waffen zu versorgen. […] Und weiter: „Vor ihrer beabsichtigten Flucht nach Südafrika soll das Trio einen weiteren Überfall nach dem Erhalt der Waffen planen, um mit dem Geld sofort Deutschland verlassen zu können. Der weiblichen Person des Trios will Antje P. ihren Pass zur Verfügung stellen.“
Der Vermerk beschäftigte nicht nur das BKA, die Bundesanwaltschaft und den NSU-Untersuchungsausschuss in Berlin, sondern taucht auch immer wieder in der Hauptverhandlung in München auf. Schon 1998 führten die Signalworte (Trio, Waffen, Überfall) zu einer erhöhten Betriebsamkeit der Ermittler. Sektionschef Jan. W, aber auch Antje P. und ihr damaliger Ehemann Michael P. wurden observiert, zudem überwachte man ihre Telefone. Schon zuvor war bekannt geworden, dass Antje P. bei einem „Blood & Honour“-Treffen gefordert habe, die „politische Arbeit“ im Untergrund in Form von Anschlägen durchzuführen.

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