Das Spiel mit den Symbolen

Via „analyse & kritik“:

Wie Überidentifikation in der Popmusik von einer subversiven Strategie zum Vehikel rechter Botschaften wurde

Es war einmal: Pop und Rock als Ausdruck eines linken Lebensgefühls, des Widerstands gegen konservative Eltern und überkommene gesellschaftliche Strukturen. Die Enkel_innen des rebellischen Nachkriegskindes Pop haben die Suche nach Emanzipation aufgegeben. Inzwischen findet im Mainstream der Minderheiten von Metalcore bis Helene Fischer alles seinen Platz. Pop ist Establishment, inklusive Deutschrock in Schwarz-Rot-Gold. Dass es eindeutig rechte Bands gibt, verwundert wenig. Noch gefährlicher aber, weil uneindeutiger und verführerischer, ist die sogenannte »Grauzone«: Man gibt sich betont unpolitisch, hat aber keine Probleme mit rechtem Gedankengut und rechten Fans.

Eine Subkultur, die sich besonders anfällig für Grauzone-Bands zeigt, ist die sogenannte schwarze Szene mit Subgenres wie Industrial und Neofolk. Hier einzelne Namen durchzukauen, ist müßig. Produktiver ist es, zu ergründen, welche künstlerischen Strategien das Entstehen einer Grauzone bis hin zur gezielten Unterwanderung durch die »Neue Rechte« ermöglicht haben.Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf der Strategie der Überidentifikation oder Überaffirmation liegen, die scheinbar zustimmende Verwendung rechter oder bürgerlicher Symbole oder Handlungen, die einst als subversive Kommunikationsstrategie begann. Wie konnte gerade sie zur Einflugschneise für rechtes Gedankengut werden?

Als Strategie einer subversiven linken Praxis hatte die Überidentifikation in den 1990er Jahren viele Fans. Reader über die Kommunikationsguerilla waren das heiße Ding, die US-Aktivistengruppe The Yes Men wurden zu Politstars. So kehrten Spaß und Subversion zurück in die politische Praxis – bis der Mainstream aufsprang und z.B. das Verfremden von Markenlogos überall stattfand. Die Waffe der Überidentifikation wurde stumpf.

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