„Ich bin ein Rassist, und das Tag für Tag“ – NS-Rap am Beispiel von MaKss Damage

Das „Netz gegen Nazis“ berichtet:

Nazis, die rappen? Führerkult und HipHop? Ja, das gibt es. Nazis haben immer schon spannende Jugend- und Subkulturen kopiert, unterwandert und zu ihren eigenen Gunsten interpretiert, um gerade junge Menschen für die Szene zu ködern.

Viele der rappenden Nazis tun dies genau aus dieser Motivation heraus (z.B. n’Socialist Soundsystem, Villain051, SZU – Sprechgesang zum Untergang). Sie sind ein Teil der modernen Variante des Neonazismus. Diese Tendenzen werden innerhalb der neonazistischen Szene zum Teil sehr stark diskutiert. Dabei geht es meist um zwei zentrale Fragen: Darf Hip Hop als ursprünglich afro-und latinoamerikanische Musikkultur überhaupt für Neonazi-Zwecke genutzt werden? Und wie sinnvoll ist Hip Hop für die Rekrutierung junger Menschen?

Mittel zur Rekrutierung vs. Reimkunst

Die NS-Rapper*innen sind meistens vom Mittel zum Zweck überzeugt, so zum Beispiel die Band n’Socialist Soundsystem, die eigentlich aus der Band Häretiker – die ursprünglich Rechtsrock machten – hervorgegangen ist und Hip Hop ganz klar als strategisches Mittel sieht. Das merkt man auch ihren Rap-Texten an. Da gibt es keinen Flow und keine Reimkunst. Sie sind eher lächerlich als gut.

Leider lässt sich das nicht über alle NS-Rapper*innen sagen. Einer, der aus der NS-Rap-Szene mit Rap-Fähigkeiten heraus sticht, ist MaKss Damage, mit bürgerlichem Namen Julian Fritsch. Er kommt aus Gütersloh und bezeichnet sich erst seit 2011 offiziell als NS-Rapper. In der Zeit davor war er seit 2008 als Rapper in der linken Szene unterwegs, stieß dort aber auf Grund seiner sexistischen und antisemitischen Texte auf deutliche Kritik und galt mit Textzeilen wie „Ich leite Giftgas lyrisch in Siedlungen die jüdisch sind“ („Arabisches Geld“ 2010) für linke Akteur*innen als nicht tragbar.

In einem sehr langwierigen Interview Anfang 2011 mit zwei der führenden Neonazis Kölns, Axel Reitz und Kevin Koch aus Wuppertal für „medinet-west“, erklärte MaKss Damage, der unter anderem Horst Mahler als sein Vorbild beschreibt, dass er nun überzeugter Neonazi sei. Dieser öffentlich wirksame Schritt des Einstiegs in die Neonazi-Szene wurde von dieser bewusst inszeniert und thematisiert: Ein ehemaliger „Linker” tritt aus der Szene aus und engagiert sich bei der politischen Gegenseite – ein gefundenes Fressen für die Neonazis.

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Ebenfalls interessant in diesem Zusammenhang: Podium: Rappen für die Revolution?! – Linker Rap in Deutschland – Geschichte, Gegenwart, Zukunft.

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