CasaPound Italia – Neue Rechte auf Italiens Straßen

Am 22. März 2014 erschien von mir ein Artikel zu CasaPound Italia im „Neuen Deutschland“. Der hier vorliegende Text ist eine von mir stark erweiterte und ergänzte Fassung vom 22. Februar diesen Jahres. Der Text hängt dem Artikel auch als layoutete PDF an.

Die Neofaschisten von CasaPound haben sich etabliert

In Deutschland relativ unbeachtet hat es in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Veränderung am rechten Rand der italienischen Politik gegeben. Die Rede ist von der faschistischen Bewegung „CasaPound Italia“, deren Mitglieder sich stolz „i fascisti del terzo millennio“ – Faschisten des dritten Jahrtausends – nennen. Gegründet vor zehn Jahren schaffte es CasaPound, sich von Rom aus über ganz Italien zu verbreiten. Bis vor zwei Jahren verstand sich CasaPound allein als Bewegung. Seit 2013 nimmt sie aber auch an Wahlen teil. Mit ihren angeblich 4.000 Mitgliedern ist CasaPound verglichen mit den traditionellen rechten Parteien relativ klein, gilt aber öffentlich als nicht korrumpiert und verfügt über ein unverbrauchtes und modernes Image.

Was CasaPound so besonders macht, ist ihre erfolgreiche Verbindung extrem rechter Subkulturen mit einer straff geführten hierarchischen Organisation, ihre popkulturellen Bezüge, die Synthese eines traditionellen Faschismus mit Elementen der Nouvelle Droite (Neuen Rechten), ihre antikapitalistische, national-revolutionäre Propaganda und ihre Inszenierung als soziale Opposition von Rechts.

Die Bewegung CasaPound entstand Ende 2003, als Protagonisten verschiedener rechtsradikaler Gruppierungen ein Mietshaus im römischen Stadtteil Esquilino, unweit des Hauptbahnhofs Termini besetzten. Sie nannten das Gebäude CasaPound, nach dem amerikanischen Literaten Ezra Pound. Dieser antisemitische Schriftsteller hatte sich zur Zeit des Faschismus im lingurischen Rapallo niedergelassen und unterstützte Mussolini durch Radioansprachen im „Radio Roma“. Mit der Besetzung des sechsstöckigen Wohnhauses gaben die rechten Hausbesetzer vor, gegen die herrschende Mieten- und Wohnraumpolitik zu protestieren. Grund der bestehenden sozialen Misere auf dem Wohnungsmarkt der Hauptstadt Italiens sei die Zinspolitik der Hochfinanz. Sie nannten diese Form der Besetzung Occupazione Scopo Abitativo (OSA), eine Besetzung die neben einem faschistischen Kulturangebot auch „rein“ italienischen Familien als Wohnraum zur Verfügung stehen sollte.

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Siehe auch: Interview zu CasaPound Italia (dt, it, es)

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