Neonazis im thüringischen Kloster Veßra

Eine Reportage des „Deutschlandradios“:

Strukturen gezielt unterwandert werden, zeigt das Beispiel Kloster Veßra in Thüringen. Dort hat ein rechter Aktvist das Dorfgasthaus übernommen und einen neuen Szenetreff aufgebaut.

Sie: „Wir gucken mal.“ Er: „Mal sehen, ob er deine Preise hat.“
Sie: „7.90 geht’s los, das ist nicht teuer.“ Er: „Das ist nicht teuer.“

Die alte Wirtin beugt sich ein wenig nach vorne. Schiebt ihr Gesicht ganz dicht an den Glaskasten, um die verblichene Speisekarte zu entziffern. „Schweinegulasch mit Thüringer Klößen 7,90. Rinderroulade 9,10 Euro.“ Das ist in Ordnung. Soviel nimmt sie in ihrer Gaststätte auch. Ihr Begleiter studiert die Getränkekarte. Beginnt zu lachen:

„Tressen“, hahaha, hat er vielleicht gedacht, es wird mit s-zett geschrieben!“

Gelächter hallt über die menschenleere Dorfstraße von Kloster Veßra. „Tresen“ mit zwei „s“. Dafür Speisen mit „ß“. Mit der Rechtschreibung steht der neue Wirt vom „Goldenen Löwen“ scheinbar auf Kriegsfuß. Die 72-Jährige schüttelt amüsiert den Kopf. Eine kleine rote Lederschleife hält die schütteren schwarzen Haare zum Zopf zusammen. Sie geht einige Schritte zurück, lässt den Blick über die Fassade wandern: Fachwerk, braune Balken, weißer Putz, an vielen Stellen abgeblättert, drei Stockwerke, an der Dachrinne wächst Moos. So sieht es also aus, das Wirtshaus, von dem alle reden.

Es ist 15 Uhr. „Heute Ruhetag“, verkündet ein Schild. Neugierig blicken sich die beiden um. Entdecken auf dem Nachbargrundstück einen Mann in roter Latzhose, der gerade Holz stapelt.

Sie: „Und da ist heute Ruhetag?“ Er: „Und hier ist heute gar nix los?“
Nachbar: „Jaja, erst heute Abend.“ Sie: „Weil Ruhetag dransteht.“
Nachbar: „Heute Abend erst ist was los.“ Sie: „Erzähl uns mal was.“
Nachbar: „Pffff…“ Sie: „Was treibt der Frenck heute?“

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