Bitterfeld und seine Neonazikader

Das „Antifa-Infoblatt“ berichtet:

In den letzten Wochen bestimmten die maßgeblich von der NPD getragenen „Proteste“ gegen und der Brandanschlag auf eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge in Tröglitz (Burgenlandkreis) die Diskussionen über Neonazismus in Sachsen-Anhalt.

Zumindest regional wurde auch regelmäßig über die wöchentlichen Demonstrationen des Magdeburger PEGIDA-Ablegers MAGIDA oder die antiziganistischen Auswüchse in Halle-Silberhöhe berichtet.

Bisher weitgehend unbeachtet sind aber im gesamten Bundesland rege Aktivitäten von rechts zu beobachten. Neonazis versuchen, ihren Vorteil aus den rassistischen Mobilisierungen der letzten Monate zu ziehen und gehen dabei selbstbewusst wie rabiat vor. Neue Organisierungsversuche und rohe Gewalt schließen einander bekanntermaßen nicht aus.

Derzeit ist am Beispiel von Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) gut zu erkennen, wie beides ineinander greift, wenn es um Hegemoniebestrebungen geht.
In der Chemiestadt fanden seit einigen Monaten – wie in etlichen anderen Städten im gesamten Bundesgebiet – montägliche „Friedensmahnwachen“ statt, bei denen krude Verschwörungstheorien verbreitet wurden. Lange Zeit bestand das Häufchen vorwiegend aus AfD-lern und Reichsbürgern, aber auch NormalbürgerInnen. Dazu gesellten sich nach und nach Neonazis, manche davon parteigebunden in NPD, DIE RECHTE oder Der III. Weg.

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Zurück zu Maria-Luise Malcoci

Süss-Lindert / Malcoci zeichnete 1987/88 für diverse Flugblätter der DFF verantwortlich. Mittlerweile war sie DFF-Gauführerin von (Nord)rhein-Westfalen und stellvertretende DFF-„Bundesführerin“. Ebenfalls Ende der 1980er Jahre wurden unter der Leitung Macocis zwei Netzwerk-Treffen europäischer Neonazistinnen in Hamburg und Paris durchgeführt.49

In der zweiten Jahreshälfte 1988 spitzte sich der Richtungsstreit derart zu, dass es zwei DFF-Führungen unter Müller bzw. Worch gab, die jeweils eigene Ausgaben der Kampfgefährtin verbreiteten. Das Konto für die Müller-DFF lief auf den Namen von Maria-Luise Malcoci. Die Spur beider DFF-Flügel verlor sich kurz darauf.

Schon seit den 1980er Jahren gab es eine enge Zusammenarbeit zwischen Neonazis aus Deutschland und den Niederlanden. Bei den Kommunalwahlen 1998 im grenznahen Kerkrade wollte Maria-Luise für die niederländische Neonazipartei Centrumpartij ’86 kandidieren.50 Nach dem Unfalltod von Mitkandidat Andree Zimmermann, eines Führungskaders der Sauerländer Aktionsfront (SAF), ein paar Monate vor der Wahl, zog Malcoci ihre Kandidatur zurück. Die CP’86 wurde noch im selben Jahr verboten.

Ende der 1990er Jahre trennten sich die Malcocis. Maria-Luise betrieb nun um die Jahrtausendwende in Heinsberg bei Aachen (NRW), gemeinsam mit ihrem neuen Lebensgefährten Sven Duensing (1978) den Thule Multimedia-Verlag. Duensing, Neonaziskin aus Bremen, wurden Verbindungen zu den Skinheads Sächsischen Schweiz (SSS) und den Hammerskins nachgesagt. Ob die Namensgebung des Verlags auf den „Orden von Thule“ zurückgeht, ist unklar. Süss-Lindert nennt sich im Internet allerdings heute noch stellenweise „Freydis von Thule“.

Im Januar 2000 wurden die Räumlichkeiten des Verlags durchsucht. Hintergrund war laut einer Meldung im Forum des „Nationalen Infotelefons“ (NIT) ein Verfahren gegen Duensing, Peter-Timm Malcoci und einen dritten Neonazi wegen Volksverhetzung. Ein paar Monate zuvor war in Duensings Auto eine größere Anzahl von CDs der Bands „Code 13″ und „Chingford Attack“ sichergestellt worden.

Zum Programm des Verlages gehörte – wie es dem Faible „Malu’s“ entspricht – allerlei esoterischer und neuheidnischer Krimskrams wie ein „Germanischer Jahrweiser“ oder der unvermeidbare Thorshammer. Wie Jahre zuvor bei der DFF kümmerte sich Malcoci auch um den neonazistischen Nachwuchs. Ende des Jahres 1999 lobte sie einen Malwettbewerb zum Thema „Heidentum“ aus. Natürlich vollkommen selbstlos wurde gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Rechte an eingereichten Bildern an „Thule Multimedia“ übergehen würden.

Der Verlag versuchte sich auch in der Musikproduktion. Anfang 2000 wurde eine CD von „Angry Wolf“ angekündigt, die mit einer Konzertreihe beworben werden sollte. Im April 2000 fand ein solcher, von „Malu“ organisierter „Balladenabend“ mit „Angry Wolf“ in einer Düsseldorfer Gaststätte statt.51 Das Innenministerium NRW machte eine „im Neonazispektrum anzusiedelnde und im Skinmusikbereich engagierte weibliche Person vom Niederrhein“ als Organisatorin aus.52

In den 2000er Jahren lebte Maria-Luise, die mittlerweile ihren Geburtsnamen wieder angenommen hatte, zeitweise „in einem Ferienhaus im Landkreis Rothenburg. Auch sollen Kontakte zu jungen Neonazis bestanden haben.“53

Erst vor wenigen Jahren trat sie in Nordhessen wieder öffentlich in Erscheinung: mit ihrem heutigen Lebensgefährten Mosebach. Seit kurzem wohnen die Beiden nun in Sandersdorf bei Bitterfeld und sind bei vielen Aufmärschen über die Region hinaus anzutreffen. Schon im März 2014 liefen sie beim „Trauermarsch“ in Dessau mit. Süss-Linderts alter Bekannter Hans-Robert Klug war damals als Redner vor Ort.

Auch als Der III. Weg im November im fränkischen Wunsiedel oder vor wenigen Tagen im thüringischen Gotha aufmarschierte, waren sie dabei. In Gotha gehörte Süss-Lindert zu den RednerInnen.

Seit Januar versuchen Süss-Lindert und Mosebach, Den III. Weg in der Region zu verankern.

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