Archiv für April 2015

Aus “Kinder-Hogesa” wird “Bündnis Deutscher Hools”

Der „Störungsmelder“ schreibt:

Wer schon gedacht hat, dass die „Hooligans gegen Salafisten“ (HogeSa) an Inhaltlosigkeit nichtmehr zu überbieten sind, wird nun eines Besseren belehrt. Vor allem in Berlin treten Sympathisanten des rechten Netzwerkes neuerdings als „Bündnis deutscher Hools“ (B.D.H.) in Erscheinung. Sie fallen vor allem durch Alkoholkonsum und Straftaten auf.

Die überwiegend männlichen und gewaltbereiten Fußballfans eint vor allem der Hass: Auf Salafisten – stellvertretend für den Islam generell –, auf Flüchtlinge und auf „die Antifa“. Die Gruppe mit einer Affinität zu extrem rechten Inhalten trat regelmäßig beim Berliner Pegida-Ableger „Bärgida“ und den rechten Aufmärschen gegen geplante Flüchtlingsunterkünfte im Ostteil Berlins auf. Über Ostern fand nun in Hellersdorf ein überregionales „Kennenlerntreffen“ mit Teilnehmern aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern statt. Die Folge: Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.

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Konkurrenz unter Nazis

Die „Jungle World“ berichtet:

Szene ist umtriebig. Mit Sügida und Thügida gibt es dort mittlerweile zwei Pegida-Ableger und am 1. Mai wollen gleich zwei rechtsextreme Parteien einen Aufmarsch veranstalten.

Durchschnittlich einmal in der Woche zählte die Mobile Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen (Ezra) einen rechten Angriff im grünen Herzen Deutschlands. Insgesamt verzeichnete sie 58 Angriffe für das Jahr 2014. Das Thüringer Innenministerium registrierte im vorigen Jahr neun Delikte im Zusammenhang mit Flüchtlingsheimen. Dabei handelte es sich in sechs Fällen um Sachbeschädigung, in zwei Fällen um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und in einem Fall um Volksverhetzung. Im Jahr zuvor hatte man nur drei Fälle registriert.

Diese »statistischen Daten lassen aber kaum erahnen, welche unglaublichen Geschichten hinter jedem einzelnen Angriff stehen«, ergänzt die Opferberaterin Christina Büttner. Im Februar 2014 erschütterte ein brutaler Angriff durch organisierte Neonazis die kleine Gemeinde Ballstädt im Landkreis Gotha. Im Gemeindesaal des Ortes ging eine Veranstaltung der örtlichen Kirmesgesellschaft gerade zu Ende, als etwa 16 vermummte Angreifer das Gebäude stürmten und auf die verbliebenen Gäste einschlugen. Die minutiös geplante Attacke hinterließ neun verletzte Personen. Zwei mussten wegen der Schwere ihrer Verletzungen längere Zeit im Krankenhaus behandelt werden. »Die psychischen Folgen sind für alle, die den Angriff erleben mussten, gravierend«, beschreibt Büttner die Situation in der Gemeinde. Viele Bewohner lebten »seither in Angst und können sich in ihrem Alltag nicht mehr sicher fühlen«. Die Täter wohnen im Ort, sie verfügen über eine Immobilie, in der auch nach dem Angriff weiterhin Partys der rechten Szene stattfanden. Und über ein Jahr später hat die Erfurter Staatsanwaltschaft immer noch nicht Anklage erhoben. Das Verfahren sei »noch nicht abgeschlossen«, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

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[Berlin-Prenzlauer Berg] Konzert der rechten Limited Booze Boys geplant: Vom Ende einer unpolitischen Band

Via „Recherche und Aktion“:

Am 11. April 2015 feiert der Ber­liner Metal­club „Black­land“ am aktu­ellen Standort in der Lili-Hennoch-Straße in Berlin-Prenzlauer Berg sein fünf­jäh­riges Bestehen. Als Head­liner wird die Band „Limited Booze Boys“ aus Thü­ringen ange­kün­digt. Die Band ist umstritten, spä­tes­tens seit bekannt wurde, dass ihr lang­jäh­riger Gitar­rist Hen­ning Haydt in den 1990er Jahren zum Kern der Jenaer Neo­na­zi­szene gehörte und dass gegen ihn im Zusam­men­hang mit dem Unter­tau­chen des NSU-„Trios“ ermit­telt wurde. Wei­tere Bilder zeigten Mit­glieder der Band mit Neonazi-Tattoos und Beklei­dung der Nazi­marke „Thor Steinar“. Nachdem einige Auf­tritte der Band auf­grund der im Raum ste­henden Vor­würfe abge­sagt wurden, ver­ließ der Gitar­rist die Band. Die ver­blie­benen „Booze Boys“ stellen sich seitdem als Opfer einer Ver­leum­dungs­kam­pagne dar und waschen ihre Hände in Unschuld.

Ein Blick auf die Aus­sagen, die Band­mit­glieder bis heute im Internet ver­breiten, zeigt jedoch dass offener Ras­sismus und völ­ki­sches Denken zum gän­gigen Mei­nungs­bild gehören. So schrieb Band­bas­sist „Harti“ kürz­lich: „Die Polit­ver­bre­cher wollen das deut­sche Volk und die gesamte weiße Rasse aus­rotten, weil sie selbst dafür zu feige und zu unfähig sind, holen sie die Mör­der­banden aus der ganzen Welt nach Europa.“ State­ments dieser Art finden sich auch in den öffent­li­chen Aus­sagen wei­terer Band­mit­glieder. Auch das „Black­land“ stand seit seiner Eröff­nung bereits mehr­fach wegen seiner feh­lenden Abgren­zung nach rechts in der Kritik. Warum die Dis­tan­zie­rungen der „Limited Booze Boys“ zur rechten Szene unglaub­würdig sind und warum die Band auch im Jahr 2015 noch immer untragbar ist, soll im Fol­genden dar­ge­legt werden.

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Frei.Wild: die Band, die Wahrheit, der Hitlergruß

Das Frühjahr 2015 verspricht für die Südtiroler Band Frei.Wild aufregend zu werden. Gerade konnte sich die Gruppe erneut über eine Nominierung zum Echo-Musikpreis freuen. Nun erscheint am 3. April das neue Album „Opposition“, das aller Wahrscheinlichkeit nach ganz hoch in den Charts landen wird. Mit dem Konzert am 9. April in Schwerin startet eine große Tour, die durch diverse deutsche Städte führen wird. (…) In einer offiziellen, von der Band autorisierten Frei.Wild-Bandbiografie („Allein nach vorne“, 2011) wird über Kaiserjäger geschrieben: Dabei nehmen sich die Jungs vor, lediglich patriotische Songs zu schreiben. Was die übrige Musik betrifft, so bezeichnet Philipp sie zwar als provokativ und patriotisch, aber Kaiserjäger ist keine Nazi-Band.“ (S. 37) Es habe damals leider auch, so heißt es im Fan-Buch weiter, unfaire Nazivorwürfe gegeben: „[Kaiserjäger zieht in] einen Proberaum im Jugendzentrum von Brixen um. Dort sind sie ab dem ersten Tag völlige Außenseiter. […] Die anderen Jugendlichen beschimpfen sie als Nazis und Ewiggestrige, doch dieser Kategorie will sich Philipp nicht zuordnen lassen.“ (S. 36) Kaiserjäger veröffentlichten eine Demo-CD, die den Titel „Raff dich auf“ trägt und in kleiner Auflage erschien. Ein Blick in das Beiheft der Kaiserjäger-Veröffentlichung fördert Erstaunliches zutage: Zu sehen sind Gruppenbilder von böse bis beschwipst dreinschauenden Naziskinheads, unterlegt mit der Inschrift “Skinheads Brixen 1995-2000″. Ein paar Leute recken ihre rechten Arme zum Hitlergruß. Auch Philipp Burger posiert im Booklet: Glatze, Bomberjacke – und mit gestrecktem Arm. Neben ihm steht ein Mann in italienischer Polizeiuniform. Wenn man das Zeigen des Hitlergrußes als Bekenntnis zum Nationalsozialismus gelten lässt – was soll es sonst sein? – und Kaiserjäger den Hitlergruß in ihrer CD feierten – dann muss man Kaiserjäger wohl als Naziband einordnen. Und mit den Behauptungen, die Frei.wild-Vorgänger hätten mit Neonazismus nichts am Hut gehabt ist es demzufolge nicht allzu weit her. Frei.wild, so darf man meinen, lügen ihre Fans und die Öffentlichkeit an.

via berlin rechtsaußen: Frei.Wild: die Band, die Wahrheit, der Hitlergruß

Bock auf Rechtsreggae?

Die „Ruhrbarone“ schreiben:

Das hat selbst Reggae nicht verdient. Melanie Dittmer, ehemalige Aktivistin in Neonazi-Kameradschaften und heute Anführerin von “Dügida” macht jetzt einen auf Musikerin. Dittmer ist seit Ende 2014 wieder verstärkt in der rechten Szene aktiv. In Düsseldorf nervt sie Anwohner und Geschäftsleute durch wöchentliche Demonstrationen. Sollte Dittmer ihre Songs auch bei den Demonstrationen abspielen wollen wird sie bald wohl alleine demonstrieren.

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HoGeSa quo vadis?

„Fussball gegen Nazis“ berichtet:

Um die Hooligans gegen Salafisten ist es ruhiger geworden. Mehrfach kündigten sie Demonstrationen an und sagten sie dann wieder ab. Am Wochenende unterstützten sie eine Aufmarsch von Neonazis in Dortmund, der unter dem Motto „Wir sind das Volk“ provokativ am gleichen Tag wie eine Gedenkdemonstration anlässlich des 10. Todestag eines Todesopfers rechter Gewalt in Dortmund, angekündigt wurde. Am Abend fand vor dem Westfalen Stadion dann ein Konzert mit dem Rechtsrocker „Lunikoff“ statt. Zu Ausschreitungen wie in Köln kam es nicht. Bleibt die Frage: HoGeSa, quo vadis?

Bei einer Neonazi-Demonstration am Wochenende waren wieder Anhänger_innen der Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) zu sehen. Sie unterstützten den Marsch, der von der Partei Die Rechte angemeldet wurde. Am Abend fand vor dem Westfalen-Stadion des BVB ein Rechtsrockkonzert mit „Lunikoff“ statt, ein Transparent auf der Bühne forderte die Aufhebung des Verbots vom Nationalen Widerstand Dortmund (NWDO). Das hatten im August 2012 auch schon rechtsradikale Fans der Borussen mit einem Transparent beim Heimspiel gegen Werder Bremen verlangt.

Vor gut einem halben Jahr hatte HoGeSa in Dortmund mit 300 Teilnehmenden selbst demonstriert. Am Samstag waren wieder einige Anhänger_innen unter den 500 Rechtsextremen zu sehen, es war aber keine originäre HoGeSa-Veranstaltung. Die Demonstration der Neonazis fand an einem Jahrestag statt: Vor genau zehn Jahren hatte ein Dortmunder Rechtsextremist den Punker Thomas Schulz in einer U-Bahn-Station erstochen. Die Polizei bewertete die Demonstrationsanmeldung der Rechten als „Provokation“ und versuchte den Aufmarsch im Vorfeld zu verbieten. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hob das Verbot jedoch auf. In Dortmund demonstrierten schließlich 2000 Menschen gegen den rechtsextremen Aufmarsch und in Gedenken an den Ermordeten.

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Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag

Die „Lotta“ schreibt:

Ein Rück- und Ausblick (fast) 15 Jahre danach

Gerade einmal 1.800 Zeichen Text sind bei „Wikipedia“ über den Sprengstoffanschlag vom 27. Juli 2000 auf dem S-Bahnhof Wehrhahn im Düsseldorfer Stadtteil Flingern zu finden: „Mit TNT gefüllte Rohrbombe“, „zehn Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt“, „bislang unbekannte Täter“, „fremdenfeindliche oder antisemitische Motive nicht ausgeschlossen“, da es sich bei den „Opfern um Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion handelte, sechs mit jüdischem […] Hintergrund“, formuliert die Online-Enzyklopädie die Erkenntnis-Fetzen. Über einen Zusammenhang mit der Mord- und Anschlagsserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) lägen, heißt es hier, „keine sicheren Erkenntnisse“ vor.

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„Katz-und-Maus-Spielchen“

Veranstaltungstipp in Bremen via „taz“:

Journalistin Andrea Röpke spricht über Bremer „Mischszenen am rechten Rand“

taz: Frau Röpke, wo sehen Sie momentan in Bremen Gefahr von Hooligan-Gruppen ?

Andrea Röpke: Die Gefahr besteht vor allem darin, dass rechte Hooligan-Gruppen versuchen mit fremdenfeindlichen Ressentiments bei den Pegida-Bewegungen und Anti-Flüchtlingsinitiativen anzudocken und sich als selbsternannte Ordnungshüter aufspielen. D.h., Mitglieder von rechten Gruppen wie Standarte Bremen verlassen ihr subkulturelles Milieu, um gefährliche Stimmung innerhalb einer breiten Gesellschaft zu schüren. Viel zu wenig ist bisher bekannt, dass sie durchaus über bundesweite Netzwerke verfügen und massiv über die sozialen Netzwerke agieren.

Hat sich nicht die „Standarte Bremen“ Ende Januar aufgelöst?

Das ist ein Katz-und-Maus-Spielchen mit den Behörden, ein strategischer Schachzug. Wenn, dann könnte es sich höchstens um eine taktische Umstrukturierung handeln. Deren Anführer sind aktiver denn je.

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„Das war ein gezielter Anschlag“

Via „Tagesspiegel “:

UPDATEEs war Mahnmal und Veranstaltungsort für in Berlin lebende Flüchtlinge – jetzt ist das „Haus der 28 Türen“ in Kreuzberg abgebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Alekos Hofstetter ist fassungslos. „Der Anblick ist schwer zu ertragen“, sagt der Künstler. Er ist am Dienstagmorgen gleich zum Oranienplatz geeilt, als er gehört hatte, was dort in der Nacht zuvor passiert ist: Das „Haus der 28 Türen“ ist abgebrannt. Hofstetter war einer der Künstler der Gruppe „Bewegung Nurr“, die den Rundbau zusammen mit Flüchtlingen in jahrelanger Arbeit entwickelt und aufgebaut hatten. „Das war ein gezielter Anschlag“, vermutet er. Darauf deuten auch erste Erkenntnisse der Ermittler hin.

Die Polizei bestätigte dem Tagesspiegel inzwischen, dass sie von Brandstiftung ausgehe und festgestellt habe, dass die Täter vor dem Anschlag in das Haus eingedrungen waren.

Die Ermittler haben außerdem beobachtet, dass das Feuer sehr heiß gewesen sein muss – was darauf hindeutet, dass jemand Brandbeschleuniger benutzt hat. Wie Hofstetter bereits zuvor vor Ort im Gespräch mit Brandermittlern erfahren hat, ist wahrscheinlich zunächst die Tür des Pavillons aufgebrochen und ein Brandsatz im Inneren abgelegt worden.

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„Opposition ist einfach ein markanter Begriff“

Die „taz“ schreibt:

RECHTSROCK Philipp Burger, Sänger der kontroversen Südtiroler Rockband Frei.Wild, über konservative Werte, markige Songtexte, seine Opferrolle und darüber, dass die Band nicht damit einverstanden ist, in die rechte Ecke gedrängt zu werden, wo sie sich in der Mitte sieht

Ein Restaurant in Berlin-Lichterfelde, Ende Februar. In einem schmucklosen Veranstaltungsraum des Schweizer Lokals sitzen Philipp Burger, Jochen Gargitter, Christian Fohrer und Jonas Notdurfer von der Südtiroler Band Frei.Wild. Sie geben Interviews anlässlich ihres in der kommenden Woche erscheinenden Albums „Opposition“. Überwiegend spricht Burger (Sänger, Gitarrist und Texter) im Namen der Band. Frei.Wild traten in die Lücke der Böhsen Onkelz, nachdem diese 2005 zwischenzeitlich von der Bildfläche verschwanden. Den Inhalten Frei.Wilds wird eine Anschlussfähigkeit an die extreme Rechte nachgesagt. Mit zahlreichen Nummer-eins-Platzierungen und Goldenen Schallplatten sind Frei.Wild, die es seit 2002 gibt, die erfolgreichste Band im „rechtslastigen Rock“ der vergangenen Jahre. Rechtslastiger Rock? Das will Burger so nicht stehen lassen.

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