FASCHISMUS, GEWALT UND TOD—: DER TRAURIGE TIEFPUNKT DES ITALIENISCHEN FUSSBALL

Via „Vice“-Magazin:

Letzten Mai—nur wenige Stunden vor dem Finale der Coppa Italia—hat Daniele De Santis, ein 48 Jahre alter Postangestellter und ehemaliger Roma-Ultra, während Zusammenstößen mit Fans vom SSC Neapel eine Waffe gezogen und mehrere Schüsse abgefeuert. Der Vorfall ereignete sich nur ein paar Kilometer vom Stadio Olimpico entfernt, wo zu späterer Stunde der SSC Neapel auf den AC Florenz treffen sollte. De Santis schoss auf drei Menschen. Einer davon—Ciro Esposito, ein 30-jähriger Autowäscher aus Scampia, einem berüchtigten Vorort von Neapel mit hoher Kriminalitätsrate—starb einige Wochen später an seinen schweren Verletzungen.

Die Schießerei und der Tod von Esposito lösten landesweit eine große Welle der Entrüstung aus—was natürlich für die italienischen Gazetten ein gefundenes Fressen war, um die Zeit zwischen dem Saisonende der Serie A und dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien zu überbrücken. Doch der Vorfall hat auch dafür gesorgt, dass sich die Spannungen zwischen Roma- und Napoli-Fans—zwischen denen eine der größten Rivalitäten im italienischen Fußball herrscht—erheblich zugespitzt haben. In den Monaten nach seinem Tod wurde Esposito als Held dargestellt, „„ein lieber Kerl und ganz normaler Fan, der nie zuvor etwas mit Gewalt am Hut hatte“, wie der Messaggero seine Mutter, Antonella Leardi, zitierte. De Santis machte die Presse hingegen zu einem Ultra-Schreckgespenst, einem unverbesserlichen Faschisten und Schlägertypen, der nur auf Gewalt aus sei. „„Will man die Tat von De Santis verstehen“, konnte man vier Tage nach der Schießerei in der La Repubblica lesen, „„muss man wissen, dass er nicht nur ein Ultra ist, sondern vor allem auch ein überzeugter Faschist. Einer vom harten Kern, der auch vor Strafexpeditionen nicht zurückschreckt.“

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