USA: Terrorismus, selbst hergestellt

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt:

In Charleston hat ein Rassist Schwarze in einer Kirche erschossen. Nun streitet sich das Land darüber, ob das Terrorismus war oder „nur“ ein rassistisches Verbrechen.

Wortklauberei ist es nicht, wenn sich Amerika darüber Gedanken macht, ob man Dylann Storm Roofs Massenmord in der Emanuel African Episcopal Methodist Church ein Verbrechen oder einen Terroranschlag nennen soll. Die Justizministerin Loretta Lynch und die Polizei in Charleston klassifizierten die Tat erst einmal als hate crime, also als rassistisches Verbrechen. Sehr viele Amerikaner fordern dagegen, dass die Tat als Terrorakt bezeichnet wird. Es geht um die Selbstvergewisserung eines Landes, das dem Terror den Krieg erklärt hat.

Die Definition ist eindeutig. Sowohl in den Notstandsgesetzen des Patriot Act als auch in den Leitlinien der Sicherheitsbehörde Homeland Security Department gilt jede Gewalttat als Terror, die darauf ausgelegt ist, ein Land durch Angst zu zwingen, seine Politik oder seine Gesetze zu ändern.

Das trifft auch auf Dylann Storm Roof zu.

Er redete immer wieder davon, einen „Rassenkrieg“ anzetteln zu wollen. Das ist keine fixe Idee eines einsamen Irren, sondern das ideologische Leitmotiv der US-Rechtsradikalen. Schlüsseltext für diese Hetze ist der Roman „The Turner Diaries“, den der Gründer der rechtsradikalen Organisation National Alliance, William L. Pierce 1978 unter dem Pseudonym Andrew Macdonald veröffentlichte. Das Buch hat sich in den USA eine halbe Million Mal verkauft. Sein Plot: Ein Programmierer namens Earl Turner löst mit der Organisation The Order einen Rassenkrieg aus. In seinem Nachfolgeroman „Hunter“ propagierte Pierce 1989 die Taktik der „leaderless resistance“, der unabhängig voneinander agierenden Zellen und Einzeltäter.

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