„A3stus“ als neuer Aktivposten innerhalb des Netzwerks „Rechtsextremistische Musik“

Wir zitieren aus dem aktuellen Berliner Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2014:

Netzwerk „Rechtsextremistische Musik“

Musik bildet einen wichtigen Bestandteil der rechtsextremistischen Erlebniswelt, in der die Grenzen zwischen politischen Zielen, Identitätsstiftung, Kommerz und Unterhaltung verschwimmen. Durch die Vermittlung von Feindbildern sowie der Kommunikation von Ideologiefragmenten in Liedtexten ist rechtsextremistische Musik ein verbindendes Element und für die Szene von enormer Bedeutung.

Im Berliner Netzwerk „Rechtsextremistische Musik“ sind neben verschiedenen Bands und Liedermachern auch Einzelpersonen sowie Personenzusammenschlüsse wie die „Hammerskins“ und „Vandalen“ aktiv, die im Umfeld der Bands agieren und diese logistisch unterstützen. Insgesamt liegt das Personenpotenzial des Netzwerks „Rechtsextremistische Musik“, das heißt Personen, die an Produktion und Vertrieb der Musik sowie der Organisation von Konzerten beteiligt sind, bei ungefähr 170 Personen.

Den Kern dieser konspirativ agierenden Musikszene bilden derzeit sechs Bands: „Die Lunikoff-Verschwörung“, D.S.T. oder X.x.X., „Legion of Thor“, „Marci und Kapelle“, auch „Tätervolk“ (TV) genannt, „Second Class Citizen“ sowie die 2014 erstmals in Erscheinung getretenen „A3stus“. Ein Großteil der rechtsextremistischen Bands und Interpreten lässt sich den Stilrichtungen Rock, Hardrock, Hardcore oder Hatecore zuordnen. „A3stus“ verdeutlichen jedoch mit ihrem poppigen Sprechgesang, dass die Szene auch auf alltagstauglichere Stilrichtungen zur Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts setzt.
Aufgrund anhaltender Exekutivmaßnahmen sowie Strafanzeigen agiert die Szene sehr vorsichtig. Als Gegenmaßnahmen zu staatlicher Repression werden
beispielsweise Texte auf ihre strafrechtliche Relevanz hin geprüft, und die Planung und Durchführung von Konzerten erfolgt konspirativ.

Das Netzwerk „Rechtsextremistische Musik“, zweiter integraler Teil des aktionsorientierten Rechtsextremismus in Berlin, weist seit Jahren eine hohe Stabilität im Hinblick auf sein Personenpotenzial und die dazugehörigen Unterstützerkreise auf. Die „Lunikoff-Verschwörung“ gehört zu den populärsten Bands, was vor allem auf die Prominenz des Kopfes der Band, Michael Regener, der auch allein unter dem Namen „Lunikoff“ auftritt, zurückzuführen ist.51

Die Band ist seit 2004 aktiv und bedient das rechtsextremistische Rock- und Balladengenre. 2014 veröffentlichte sie die CD „Lunikoff – über die Zeiten fort“, die alte Titel und Samplerbeiträge beinhaltete. Die Aktivitäten der Band und des Einzelinterpreten „Lunikoff“ schwankten zwischen öffentlicher Werbung und Konspiration. Bei Großveranstaltungen wurde mit der Band als „Zugpferd“ geworben. Kleinere Konzerte, wie etwa im Rahmen einer „Clubtour“ im Herbst, wurden unter großer Geheimhaltung organisiert und erst im Nachgang in sozialen Netzwerken kommentiert.

Im Gegensatz zur „Lunikoff-Verschwörung“ ist die seit Januar aktive Band „A3stus“ eine neue Erscheinung in der rechtsextremistischen Musikszene Berlins.
Die mittlerweile dreiköpfige Band verbreitet einen szeneuntypischen poppigen Sprechgesang mit rechtsextremistischen Inhalten, schwerpunktmäßig
über soziale Netzwerke und Videoplattformen. Auffällig ist die enge Beziehung zu den „Bürgerbewegungen“ bzw. die Einbindung in die rechtsextremistischen Aktivitäten gegen Flüchtlingsunterkünfte in Berlin. Die Liedtexte von „A3stus“ thematisieren überwiegend eine vermeintlich „drohende Überfremdung der Gesellschaft“, rufen zum gewaltsamen Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung auf und stecken voller rassistischer und fremdenfeindlicher Ressentiments. Immer wieder werden in den Texten und Videos von „A3stus“ auch die Opfer des Holocausts verunglimpft. Im Januar veröffentlichte die „Bürgerbewegung Hellersdorf“ (BBH) das erste Musikvideo „Für unsere Kinder“ von „A3stus“ über ihre Seite in einem sozialen Netzwerk.

Aufgrund der antisemitischen und fremdenfeindlichen Diktion des Textes regte der Berliner Verfassungsschutz die Indizierung des Videos an,52
in dem es u.a. heißt:

„Brüder dieser Welt vereinigt euch und Zion fällt, ihm geht’s nicht mehr um Religion oder Volk, Nein er kommt über Nacht und will nur euer Gold.“ 53

Auch die zweite Videoveröffentlichung von „A3stus“, mit dem Titel „Lass uns die Welt bewegen“, wurde über das Profil der BBH lanciert. Im Gegensatz zu dieser Suche nach Öffentlichkeit durch die gezielte Nutzung sozialer Netzwerke durch „A3stus“ stand der konspirative Zugang zu den Konzerten der Band. Die Termine wurden nicht öffentlich beworben, standen meist nur für einen kleinen, festen Besucherkreis offen und wurden erst im Nachgang öffentlich kommentiert. Trotz dieser Konspiration konnte das von „A3stus“ anlässlich der Veröffentlichung ihres Albums am 30. August geplante Konzert im Bezirk Mitte verhindert werden.

Rechtsextremistische Propaganda durch Musik – die Aktion „Schwarze Kreuze Deutschland“

Am 13. Juli rief der Sänger der Band „A3stus“, der sich selbst „Villain 051“ nennt, über dessen Profil in einem sozialen Netzwerk zum bundesweiten
Aktionstag „Schwarze Kreuze Deutschland“ auf. Parallel dazu verbreitete er das Musikvideo mit dem Titel „Wehret den Anfängen“, in dem die vermeintliche
Gewalt „Nicht-Deutscher“ und deren „deutsche Opfer“ sowie eine daraus konstruierte verschwiegene „Opferzahl“ thematisiert wurden.

„Allein in den letzten zwanzig Jahren, verdammt starben tausende von Deutschen, die genaue Zahl ist unbekannt, durch Zuwandererhand, durch Fremde feige hingerichtet. Wir gedenken heut‘, den Opfern dieser blinden Liste.“

Die Argumentationslogik dieser Aktion griff die unter Rechtsextremisten weitverbreitete Kampagne des so genannten „Volkstodes“ auf. Diese Kampagne hat ihre Wurzeln in der völkischen Ideologie und wurde in den vergangenen Jahren von Gruppen wie den „Unsterblichen“ sowie den „Spreelichtern“ initiiert.
Die Aktivitäten von „A3stus“ zeigen, dass sich die rechtsextremistische Musikszene trotz ihrer größtenteils lebensälteren Anhängerschaft gegenüber
neuen Medien und Verbreitungswegen geöffnet hat. Forciert wurden diese Bemühungen durch die Suche nach neuen Zielgruppen, die vor allem auf
Musikangebote im virtuellen Raum zurückgreifen.

Die Sicherheitsbehörden haben diese sich in Teilen verändernden Vertriebs- und Verbreitungswege im Blick und werden den Verfolgungsdruck auf das Netzwerk „Rechtsextremistische Musik“ auch im Hinblick auf die Internetaktivitäten der Szene aufrechterhalten.

So zog die Aktion „Schwarze Kreuze Deutschland“ mehrere bundesweite Ermittlungsverfahren nach sich. Darüber hinaus gehörten das Verhindern
bzw. Auflösen von Veranstaltungen und die konsequente strafrechtliche Verfolgung relevanter Veröffentlichungen zu den wirksamsten Instrumenten der Sicherheitsbehörden.

Die Indizierung von Tonträgern und Musikvideos bildete eine weitere staatliche Maßnahme gegen die rechtsextremistische Musikszene. So wurde das Album „Musikkrieg“ der Rechtsrockband „Marci und Kapelle“, die bundesweit auch als „Tätervolk“ oder „Totalverlust“ bekannt ist, auf Anregung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport von der „Bundesprüfstelle jugendgefährdender Medien“ (BPjM) auf die Liste jugendgefährdender Medien gesetzt. Begründet wurde diese Entscheidung u.a. durch die den Nationalsozialismus verherrlichenden Liedinhalte sowie die propagierte Aufforderung zum Rassenhass. Ebenfalls auf Anregung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport indizierte die BPjM den Titel „Gegen die Pest“ des „A3stus“-Sängers „Villain 051“.

Quelle

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks
  • Identi.ca
  • RSS
  • MySpace
  • PDF