Wie ich ein führender White-Power-Skinhead wurde

Via „Vice“-Magazin:

Mit 18 stand ich auf der Bühne einer Kirche in Deutschland, „Heil Hitler!“-Rufe durchdrangen immer wieder das Gebrüll Tausender Neonazis, die alle den Namen meiner Band grölten.

In diesem Augenblick war ich verantwortlich für diese unglaubliche Spannung in der Luft, für das Adrenalin, das durch pulsierende Adern strömte, und für den Schweiß, der an den kahlrasierten Köpfen runterlief.

Die Menge in dieser nebligen Märznacht 1992 war vereint durch die absolute Hingabe für die Überlegenheit der weißen Rasse. Ich war Anführer der ersten amerikanischen Nazi-Skinhead-Band, die sich jemals außerhalb der USA getraut hatte, auf dem Boden des heiligen Vaterlandes—überhaupt Europa—zu spielen. Hier wurde Geschichte geschrieben. Ich stellte mir damals vor, dass sich Hitler genau so gefühlt haben muss, als er seine Armeen zur Eroberung der Welt anführte.

Ich sang Lieder darüber, wie Gesetze Schwarze bevorzugen und damit den Weißen die Jobs wegnehmen, und wie die Weißen mit Steuern belastet werden, die für die Sozialhilfe anderer ausgegeben werden. Ich glaubte daran, dass Gegenden mit rechtschaffenden und hart arbeitenden Familien von Minderheiten und ihren Drogen überrannt wurden. Schwule—eine Gefahr für den Erhalt unserer Spezies—forderten Sonderrechte ein. Unsere Frauen wurden von Minderheiten in Beziehungen gelockt. Die Juden planten unser Unglück. Ganz klar, die weiße Rasse war in Gefahr.

So hat man es mir jedenfalls beigebracht.

Über die nächsten sieben Jahre wurde ich zu einem absoluten Rekrutierungs-Talent. Ich indoktrinierte ein zartes Pflänzchen junger Extremisten nach dem anderen. Ich gründete zwei Nazibands—White American Youth und Final Solution—und die Musik wurde schließlich zum Propagandawerkzeug meiner Wahl.

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