In musikalischen Stahlgewittern

Via der „Blick nach Rechts“:

Rechtsextreme rekrutieren zunehmend neue Kameraden über Hip-Hop und Rap

Sie inszenieren sich als harmlose Patrioten, verbreiten jedoch rassistische Botschaften: Extrem rechte Musiker werden in Berlin immer aktiver – und instrumentalisieren auch emanzipatorische Stilformen.

Erst sind es nur Stelen. Als das Duo die Liedzeile »Oh du mein Vaterland« anstimmt, werden die Protagonisten darauf sitzend und stehend gezeigt. Spätestens, nachdem sie sich in den nächsten Minuten über »EU-Zionisten« echauffiert haben, gegen die sie »vereint in den Krieg« ziehen wollen und fortan immer wieder länger hölzern tanzend auf besagten Stelen zu sehen sind, lässt sich der Ort identifizieren: Es ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin. »Villain051« fantasiert von einer »Hetzjagd auf Deutsche«, derweil »Dee Ex« sich als »Gerechte« sieht, die »den Mythos des kollektiv bösen Deutschen zerstören« möchte. Der Titel ihres Liedes kommt harmlos daher: »Europa sagt nein zur EU«.

»Dee Ex« bezeichnet ihren Stil auf ihrem Facebook-Profil als »Sangspruchdichtung zu neuzeitlichen Klangstücken«. Sie verwendet dort auch den Begriff, der ihre Richtung treffender beschreibt. Denn Mia Herm, wie sie wirklich heißt, macht nichts anderes als Rap; jenen Sprechgesang also, der in der afroamerikanischen Kultur entstand. Dass sich zunehmend Rechte diese Musik aneignen, erscheint paradox. Fabian Wichmann von der Berliner »Exit«-Initiative, die Aussteiger aus der Naziszene unterstützt, sieht darin eine Strategie: »Es entspricht für sie nicht der deutschen Kultur, aber sofern es der Rekrutierung dient und Jugendliche damit erreicht werden können, nutzen sie es.«

Mitte der Woche war die Beantwortung einer Schriftlichen Anfrage der Grünen-Abgeordneten Clara Herrmann an die Senats-Innenverwaltung bekannt geworden, nach der dort in den vergangenen zwei Monaten mindestens zwei rechtsextreme Musikveranstaltungen stattfanden (»nd« berichtete). Wie die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) am Freitag dem »nd« mitteilte, ist für den kommenden Samstag ein weiterer rechter »Liederabend« mitten in Berlin geplant, bei dem die in der Szene einschlägig bekannten »Lunikoff« und »Diggi & Klampfe« auftreten werden.

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