Pivert, eine faschistische Modemarke aus dem Hause CasaPound Italia

Via Heiko Koch:

„Ein Volk von Dichtern, Künstlern, Helden, Heiligen, von Denkern, Wissenschaftlern, Seefahrern, Weltreisenden“. So steht es hoch oben an dem Palazzo della Civiltà Italiana, dem sechsstöckigen Weltausstellungs-Palast in dem unter dem Diktator Benito Mussolini erbauten Stadtteil Esposizione Universale di Roma (EUR) im Süden Roms. Jetzt wirbt unverhohlen eine neue Modemarke mit den Bildern des EUR und dem nationalistischen Sinnspruch des Colosseo Quadrato. Ihr Name: Pivert. Ihre Macher: Militante der faschistischen Partei CasaPound Italia.

- eine Recherche über Mode, MMA und Schattenkommerz -

Auf den ersten Blick hat die Modemarke nichts Faschistisches an sich. Dezent gestylt sieht man auf Polo- und Sweat-Shirts, Jacken und Mützen lediglich ein kleines P mit einem stilisierten Specht. Aus der Entfernung könnte man die Produkte mit Markenartikel aus dem Haus Ralph Lauren mit dem bekannten Signe des Poloreiters verwechseln – oder mit der Marke „Fred Perry“. Es wird kein halb-offener oder direkter Bezug zum Nationalsozialismus oder Faschismus wie bei den Marken „Ansgar Arian“ oder „Svastone“ hergestellt. Keine pseudo-germanische Helden- und Heidentümelei wie bei „Thor Steinar“, „Eric and Sons“ oder „Runa“ geboten. Und die aggressive Pose wie bei „Hard Wolf“, „Calci e Pugni“, „Walhall Athletic“ oder „Greifvogel“ fehlt ebenfalls. Mit Logo und Style, Farben und Schnitt ist an eine Herrenmode für Jedermann gedacht. Denn, wie bei vielen ihrer Projekte und Vorhaben, will CasaPound zwar das Eigene betonen, sich aber dennoch gezielt mitten in der Gesellschaft platzieren – und Geld machen. So ist die Marke nach außen nur für diejenigen zu erkennen, die um ihre Hintergründe und ihre „black contents“ wissen.

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The black contents of Pivert – oder „Männer mit Missionen“

Der Film „Pivert – #semiDio“ stammt von dem CasaPound Italia Mitglied Davide di Stefano. Im Februar 2013 kandidierte di Stefano zusammen mit seinem Bruder Simone di Stefano, dem Vizepräsident CasaPound Italias, zu den Wahlen in Lazio I. Er ist der nationale Koordinator der rechten Sammelorganisation „Sovranita“ und seit 2014 Assistent des EU-Parlamentariers Mario Borghezio von der Lega Nord. Bekannt wurde er das erste Mal, als er als Nationaler Verantwortlicher der Schüler-und Studentenorganisation CasaPounds, dem „Blocco Studentesco“, im Oktober 2008 auf der römischen Piazza Navona zusammen mit Francesco Polacchi, Alberto „Zippo“ Palladino und weiteren Blocco Studentesco – Mitgliedern gewalttätig gegen eine Protestdemonstration von StudentInnen anlässlich des Kürzungs-Programms der Bildungsministerin Gelmini vorging. Laut seines Portfolio im Internet will er in den letzten Jahren als Fotograf, Filmemacher und Journalist (z.B. für Adn Kronos ) tätig gewesen sein. Als Filmer und Fotograf sei er für die neu-rechte Gruppierung „Sol.Id“ 2011 in Birma, 2012 im Kosovo und 2013 in Syrien gewesen. Er sei an dem klassischen Lyzeum Sokrates in Rom von 2000 – 2006 zur Schule gegangen. Von 2012 bis 2014 hätte er seinen Master in Fotografie, Video- und Filmproduktion am „Fondazione Its Roberto Rossellini“ (corso ‚Video Producer‘) gemacht. 2011 will er die Firma „Alta Produzioni“ gegründet haben. Unter dieser Firmenbezeichnung produzierte er für rein kommerzielle Firmen, aber auch faschistische Bands wie „Bronson Crew“ und „Blind Justice“, kleine Filme und Videoclips. Die Musik zu dem Pivert-Videoclip „Pivert – #semiDio“ wurde von Alessandro Bizzarri komponiert, der aller Vermutung nach Autor der online-Zeitung CasaPounds „Il Primato Nazionale“ ist. Das Gitarrenspiel stammt von einem Musiker namens Alessio Rossetti, der auch mal bei der faschistischen Hardcore Band „Blind Justice“ aushilft – so bei der Produktion des Videoclips „Blind Justice – Civiltà“. Der Videoclip wurde von Davide di Stefano in dem CasaPound Zentrum „Area 19“ gedreht und im November 2014 von „Alta Produzioni“ auf Youtube gestellt. Das Prügeln kann Davide di Stefano anscheinend nicht sein lassen. Zuletzt betätigte er sich am 17. Juli 2015 bei rassistischen Aussschreitungen im römischen Stadtteil La Storta als Schläger gegen Polizisten, die eingesetzt waren um Flüchtlinge in eine neu eingerichtete Unterkunft in dem Stadtteil zu begleiten (https://linksunten.indymedia.org/de/node/148853).

Allround-Designer der schwarzen Parallelwelt – Vincenzo Sortino

Wie schon gesagt betreut die Internet-Seite von „Hung Mun“ der Kampfsportler und Designer Vincenzo Sortino. In seinem Portfolio von 2013 gibt er an, dass er auch für „Top Horizon“ gearbeitet hat. Was dieses Luxus-Reiseunternehmen wirklich macht ist unklar. Als Adresse gibt es an:

TOP HORIZON – S.R.L.

Via Diomede Pantaleoni 31/33 – 00166 Roma

Seinem Portfolio zu Folge betreute der 32-jährige Vincenzo Sortino als Graphiker und Web-Designer „Rock the castle“, „La casa della musica“, „Riu vacanze“, „Top Horizon, „Teatro Opera Roma“, „Yes man“, „Mamma mia!“, „The heir“, „LNS Solution“, „Avis“, „Sagem“, „Fefé“ und „Solaris“. Aber auch die Box- und Kampfsportzubehörmarke „Old style“, den „Warrior Fight – Shop“, das Kampfsportstudio „Hung Mun“, die „STORM“ – Turniere, Fabio Ciollis und Andrea Brunis „G.A.M.M.A.“ (Giudici e Arbitri di MMA), Brunis „MMA-Cafe“ und die MMA-Division „Bullyson Clan“ von Gianni Erbella Violetti aus Viterbo. Aktiv war der CasaPound-Fan Sortino aber auch für das bekannte „Tango Core Tattoo“ und den Tattowierer Alex Ciliegia. Das, was er in seinem Portfolio Artwork nennt, entpuppt sich als Cover- und Bookletgestaltung von NS-Blackmetal-Bands wie „Via Dolorosa“ und „Lupus Infestus“, NS-Hardcore Bands wie „Blind Justice“ und „Hate for breakfast“, aber auch „The horrible night“ und „Drizzatorti“. Letzteres ist nicht verwunderlich, spielt er doch auch in dieser Band mit dem Frontmann Alessandro Mereu, dem ehemaligen „Fiamma Tricolore“-Mitglied und heutigen CasaPound Verantwortlichen für die Provinz Viterbo. Angeblich ist Alessandro Mereu für das Label „Black Shirts Records“ verantwortlich, das mit seinen rassistischen und nationalsozialistischen Angeboten kaum noch zu übertreffen ist. Vor 10 Jahren soll Alessandro Mereu des öfteren auf dem von Ralf Wohlleben angemeldeten „Fest der Völker – Für ein Europa der Vaterländer“ in Thüringen zu Gast gewesen sein.

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