Archiv für Oktober 2015

Pivert, eine faschistische Modemarke aus dem Hause CasaPound Italia

Via Heiko Koch:

„Ein Volk von Dichtern, Künstlern, Helden, Heiligen, von Denkern, Wissenschaftlern, Seefahrern, Weltreisenden“. So steht es hoch oben an dem Palazzo della Civiltà Italiana, dem sechsstöckigen Weltausstellungs-Palast in dem unter dem Diktator Benito Mussolini erbauten Stadtteil Esposizione Universale di Roma (EUR) im Süden Roms. Jetzt wirbt unverhohlen eine neue Modemarke mit den Bildern des EUR und dem nationalistischen Sinnspruch des Colosseo Quadrato. Ihr Name: Pivert. Ihre Macher: Militante der faschistischen Partei CasaPound Italia.

- eine Recherche über Mode, MMA und Schattenkommerz -

Auf den ersten Blick hat die Modemarke nichts Faschistisches an sich. Dezent gestylt sieht man auf Polo- und Sweat-Shirts, Jacken und Mützen lediglich ein kleines P mit einem stilisierten Specht. Aus der Entfernung könnte man die Produkte mit Markenartikel aus dem Haus Ralph Lauren mit dem bekannten Signe des Poloreiters verwechseln – oder mit der Marke „Fred Perry“. Es wird kein halb-offener oder direkter Bezug zum Nationalsozialismus oder Faschismus wie bei den Marken „Ansgar Arian“ oder „Svastone“ hergestellt. Keine pseudo-germanische Helden- und Heidentümelei wie bei „Thor Steinar“, „Eric and Sons“ oder „Runa“ geboten. Und die aggressive Pose wie bei „Hard Wolf“, „Calci e Pugni“, „Walhall Athletic“ oder „Greifvogel“ fehlt ebenfalls. Mit Logo und Style, Farben und Schnitt ist an eine Herrenmode für Jedermann gedacht. Denn, wie bei vielen ihrer Projekte und Vorhaben, will CasaPound zwar das Eigene betonen, sich aber dennoch gezielt mitten in der Gesellschaft platzieren – und Geld machen. So ist die Marke nach außen nur für diejenigen zu erkennen, die um ihre Hintergründe und ihre „black contents“ wissen.

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[Ketsch] Nazi-Tätowierer kondoliert „Hammerskin“-Bruder

Die „Antifaschistische Initiative Heidelberg“ schreibt:

Mit einem „Sieg Heil“ verabschiedet sich der Ketscher Tätowierer Marco Berlinghof auf einem Facebook-Eintrag vom „Hammerskin“ und HoGeSa-Mitgründer Roland Sokol. Sokol war vor kurzem an Krebs verstorben. Zudem war bekannt geworden, dass der Nazi-Skinhead für den „Verfassungsschutz“ als Spitzel arbeitete. Mit schwulstigen Worten und Phantastereien von „Walhalla“ und den „Hallen der Großen Krieger“ (sic!) kondoliert Berlinghof am 22.09.2015 seinem „Bruder“ und „Kameraden“ Sokol auf Facebook.

Marco Berlinghof war bereits im August vergangenen Jahres von der Antifaschistischen Initiative Heidelberg (AIHD) als Anhänger der rechten Szene öffentlich benannt worden. Vorausgegangen war ein Artikel der „Schwetzinger Zeitung“, in dem der Tätowierer ausgiebig sein Tattoo-Studio in Ketsch vorstellen konnte.

In der „Schwetzinger Zeitung“ vom 26.08.2014 hatte der Nazi-Tätowierer dann auf die Pressemitteilung der AIHD wie folgt Stellung bezogen: „Mein Tattoo-Studio ist kein Sammelplatz und/oder Treffpunkt für Neonazis oder national gesinnter Leute.“ Und weiter behauptete Marco Berlinghof in seiner Erklärung: „Ich bin kein Mitglied der NPD oder ähnlicher Vereinigungen beziehungsweise Parteien. Vielmehr bin ich Opfer einer Schmierkampagne von Neidern, Missgönnern und kriminellen Leuten geworden.“

„Das war eine glatte Lüge. Wer sich nämlich Berlinghofs Bekanntenkreis beispielsweise in sozialen Medien genauer anschaut, findet darunter ein Who-is-who der rechten Szene“, so Peter Gerber, Sprecher der AIHD. „Berlinghof zählt zu seinen Kontakten zahlreiche AnhängerInnen der rechten Musikszene, ebenso wie bekannte Hammerskins oder NPD-Mitglieder.“

Das Statement Berlinghofs vom August 2014 war verbunden mit der Drohung, Anzeige zu erstatten. „Daraus wurde bislang nichts. Für den Hammerskin Berlinghof ist es offenbar zu schwer, zu beweisen, dass er nicht der rechten Szene angehört“, betont Gerber.

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Kobito – The Walking Deutsch (feat. Spezial-K)

„Spucken Blut, voller Wut, denn sie sind das Volk,
werden mehr, kommen näher – The Walking Deutsch,
voller Staub, totgeglaubt, sie sind wieder stolz,
werden mehr kommen näher, The Walking Deutsch!“

Über ein Jahr ist vergangen seit dem Release von Kobitos „Blaupausen“ Album. Ein Jahr, in dem in diesem Land vieles vor sich gegangen ist, wo Kopfschütteln nicht mehr ausreicht. Wo man laut werden muss. Der Song „The Walking Deutsch“, den Kobito nun veröffentlicht, beschreibt die Atmosphäre der Ausschreitungen gegen Asylbewerber durch Nazis und ihre Mitläufer. Er beschreibt die bürgerliche Mitte, die so mittig gar nicht ist. Sie sind „zwar keine Nazis, aber“. Die Gewalt auf der Straße war nur versteckt, sie kein neues Phänomen. Im Schutz der Ignoranz der Gesellschaft gärte das alles. Taub für Argumente, empathielos und ohne Verständnis – ohne den Willen, zu verstehen. Die Ausschreitungen und Angriffe sind keine wirkliche Ausnahme in einem fremdenfeindlichen System, sondern der schrille Ausdruck von dem, was viele insgeheim denken. Brandanschläge, Prügel, Ablehnung – das „asylkritische Lager“ ist nicht gegen Asyl, sondern gegen Menschen, also menschenfeindlich. Diese Leute sind The Walking Deutsch.

„Eine heiße Nacht, der Wind trägt,
Nachricht aus den Städten, dass sich dort gerade der Wind dreht,
Kamen voller Hass und tragen Fackeln durch die Nacht,
Nur der Windstoß trennt Worte von Taten und trägt die Funken auf ein Dach“

Fremdenhass: Deutschlands Al-Qaida-Moment

Sascha Lobo schreibt für „Spiegel Online“:

Das Kölner Attentat auf Henriette Reker ist ein Indikator für eine düstere Entwicklung. In Deutschland bildet sich gerade ein dezentraler rechtsradikaler Untergrund, angefeuert vom Hass in den sozialen Netzwerken.

Seit dem Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin ist die Bundesrepublik nicht mehr dieselbe. Nicht, dass die unzähligen rechtsextremistischen Gewalttaten zuvor keinen terroristischen Charakter gehabt hätten. Im Gegenteil. Aber ein essentielles Detail fällt in Köln auf.

Der Attentäter war im Umfeld der rechtsextremen, mittlerweile verbotenen FAP zugange. Die Ermittler gehen davon aus, dass er aus „fremdenfeindlichen Motiven“ gehandelt hat. Inzwischen als voll schuldfähig eingestuft und damit eben nicht „geistesgestört“, schrie er nach seinem Angriff: „Ich habe es für euch alle getan!“ Später soll er von „Reker, Merkel, Flüchtlingsschwemme“ gesprochen haben, um seine Motive zu beschreiben.

In Deutschland passiert etwas, genau jetzt. Eine Radikalisierung via Internet bringt anschlagsbereite Terroristen hervor. Deutschland erlebt einen Al-Qaida-Moment. Eine dezentrale, gewaltbereite, terroristische Mobilisierung beginnt, und soziale Medien spielen eine entscheidende Rolle dabei.

Wäre Frank S. cleverer gewesen, stünde sein Name neben Breivik, das Fundament ist dasselbe, und der Schlüssel findet sich im Ausruf „Ich habe es für Euch alle getan“. Eine wachsende Gruppe hasserfüllter Leute imaginiert eine Situation von Notwehr herbei, in der man sich endlich trauen muss zu handeln: Frank S. glaubt, sich im Namen des Volkes zu wehren, und man muss davon ausgehen, dass dieser Eindruck vor allem über soziale Medien entstanden ist. „XYZ wehrt sich“ ist der Standardtitel der Facebook-Seiten voller Flüchtlingshetze. Frank S. ist nicht krank, er hasst. Hass ist keine Krankheit, sondern eine Entscheidung. Er ist nicht allein.

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Schlimmer als Frei.Wild? Nieder mit SIDOs Heimat-Rap

Via „Kaput-Mag“:

Das ehemalige Aggro-Ferkelchen Paul Würdig alias SIDO dockte bei der GEZ an – und ließ sich buchen für einen Beitrag zur Heimat-Themenwoche auf der ARD. Auf Gebührendeckel. Statt in seinem Block chillt er jetzt scheinbar mit den Touris vor’m Reichstag, wie er einen wissen lässt. Aber das ist noch nicht alles.

„Du bist perfekt auf deine Art, fast genau wie ichs mag
Du bist die kleinen Gartenlauben und die Tauben im Park
Du bist der Kegelclub, der Dönermann, die wehenden Fahnen
Du bist die Banken und die Schranken, die verspätete Bahn
Du bist nie so ganz gerecht, trotzdem liebe ich dich echt“

Im Jahre 2015 und damit vor der Kulisse von Aufmärschen besorgter Bürger, Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, der Verschärfung des Asylrechts ein erstaunliches mild- wie debiles Bild, das der ehemalige Gangster einem hier von Deutschland vermitteln möchte. SIDO macht mittlerweile so offensichtlich Musik, die beruhigen möchte statt zu agitieren, dass sich in den eigenen Widerwillen fast sogar ein bisschen Mitleid dazumischt. Fast! Denn gegen die affirmative Schlichtheit des bärtigen Clowns sind Schlagertexte ja noch Punk – und das, das ist einfach schon fahrlässig.„Die Wiese vor dem Reichstag“ – eine einzige Durchhalteparole, als hätte Heinz Rühmann wieder seinen Erbauungsstreifen “Quax, der Bruchpilot” am Start, als hätte Merkels Redenschreiber nach einer Lobotomie plötzlich, naja, „Rap“ entdeckt. Also wenn man dieses wohlfeile Gedudel allein musikalisch überhaupt noch dem armen Genre zuschieben kann.

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Gefragter brauner Live-Act

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

Für den 14. November wird in Thüringen ein Konzert mit „Lunikoff Verschwörung“ angekündigt – zwei Wochen später haben die Rechtsrock-Musiker einen weiteren Auftritt in Bulgarien.

Die „Lunikoff Verschwörung“, die 2004 ins Leben gerufene Musikband, mit der Michael Regener nach dem Ende von „Landser“ unterwegs ist, bleibt in der rechten Szene ein nachgefragter Live-Act. Der Rechtsrock der Berliner und Brandenburger ist dabei nicht nur hierzulande gefragt, sondern auch im Ausland. „Landser“ agierte aus dem Untergrund, tunlichst darauf bedacht, öffentliche Auftritte zu vermeiden, weil die Bandmitglieder Verhaftungen fürchteten. Bei Regeners Nachfolgeband ist das vollkommen anders, sie gehört zu den meist gebuchten Rechtsrock-Vertretern.

In diesem Jahr haben Regener und seine Begleiter, die aus der Band „Spreegeschwader“ stammen, einen neuen Tonträger namens „Ebola im Jobcenter“ mit 19 deutschsprachigen Titeln vorgelegt. Das grafisch ausgeprägte „L“ im Bandnamen scheint übrigens ganz offenkundig eine Übernahme des Zeichens der damals in Ungarn aktiven 37. SS-Freiwilligen-Division zu sein.

Seit geraumer Zeit wird bereits ein Konzert am 28. November in Bulgarien beworben. Veranstalter ist in diesem Fall die dortige Sektion des Rechtsrock-Netzwerkes „Blood&Honour“. Zwei Wochen zuvor am 14. November soll ein Auftritt mit der „Lunikoff Verschwörung“ in Thüringen stattfinden. Beworben wird das Konzert dabei mit dem Hinweis auf „Rock im Trutzgau“, die von Nationalsozialisten gern benutzte Beschreibung für den Freistaat. Der Vorverkauf läuft per Online-Bestellung. Als Kontakt wird eine Mail-Adresse von Frontschwein Records angegeben.

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Moscow Death Brigade – „Papers, Please!“

Lyrics:

Wrong place of birth, wrong papers, wrong accent
“Your presence here is unacceptable accident“
They turn backs on them, puppetry level’s excellent
They’re spitting lies in their eyes and never hesitate

You know what I’m saying, it’s time to spare your prayers
They look the other way for terrorists, smugglers and slavers
But if you’re running for your life, trying to escape the slaughter
They’ll let your wife die and feast on your sons and daughters

Poison the water, the feast of legalized murder
Their lies about human rights don’t cost a quarter
They bomb your home, let the beast roam, close the border
And feed the world another tale by double-tongued reporter

Forward to the past, Can I ask? Do you remember
How the allies were sending people back to gas chamber?
Beware the beast, at least you know what to expect
The circle closes and the history repeats itself

Hook 2x:
Papers, please! They get you on your knees
Straight face, race to the death, Deaf to your pleas
Who’s the real illegal people, who’s the real disease?
We’re all immigrants, We‘re all refugees.

The circle closes and the history repeats itself
Like 80 years ago abandoning those to the death
Who happened to be born on the wrong side of the fence
Ignoring obvious atrocities and cries for help

Not all was apathy – fallacy, lost humanity
Progressive wanna-be society begets another malady
No remedy, humanitarian calamity
another people denied the right to live with vanity

Another Human race catastrophe,
Another instance of entitled masses showing lack of empathy
Authorities are waging war, you people lie in idleness
Refuse to take responsibility for leaders‘ violence

Communities of hypocrites reveal their rotten values
“Civilized world” devoid of basic principles of kindness
Close minded, close the borders: entry denied
The price of economic comfort is their innocent lives

Hook 2x:
Papers, please! They get you on your knees
Straight face, race to the death, Deaf to your pleas
Who’s the real illegal people, who’s the real disease?
We’re all immigrants, We‘re all refugees.

Face the facts, no thanks, „Your passport lacks stamps
Please go back for war, torture and the death camps“
Join the ranks, labeled as illegal people
Cursed by those who suck blood from golden calf’s nipple

Broken families, tragedies, who the devil is
They put another spiked wall on the land they‘ve seized
Barbed wire, peace expires, lost evidence
Infection of the whole soul, unknown genesis

Das Rätsel der verschollenen CD

Der „Wiesbadener Kurier“ schreibt:

NSU Ein Video soll zeigen, dass Mundlos und Böhnhardt kurz vor dem Mord an Yozgat in Kassel waren

WIESBADEN – Waren Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nur wenige Tage vor dem Mord an Halit Yozgat in Kassel? Dieser Verdacht hat nach der Aussage eines Polizisten, den der NSU-Untersuchungsauschuss des Landtages gehört hat, neue Nahrung. Das zumindest glaubt die Opposition.

Yozgat war am 6. April 2006 in seinem Internet-Café in Kassel erschossen worden, als letztes Opfer der NSU-Mordserie. Mundlos und Böhnhardt, die sich im November 2011 in Eisenach das Leben genommen hatten, gelten als die Täter. Und der jetzt im Untersuchungsausschuss gehörte Polizist war 2012 mit Nachermittlungen beauftragt. Er hatte damals eine CD auf dem Tisch, die den Videomitschnitt eines Konzerts der Rechtsrock-Band Oidoxie zeigt. Der Auftritt soll am 18. März 2006 bei einem Rockerclub in Kassel stattgefunden haben. „Nach dieser CD fahnden wir schon einige Zeit“, so die SPD. Nicht nur sie, auch die Linken mutmaßen, auf dem Mitschnitt seien Mundlos und Böhnhardt zu sehen. Denn es gibt auch Aussagen von drei Zeugen, die die beiden dort gesehen haben wollen. Nur: Die CD galt als verschollen.

Jetzt bestätigte der Polizist: Er hatte die CD. Er hatte sie allerdings weiter an das BKA geleitet. „Bislang haben wir nur gerüchteweise von der CD gehört“, so die Linken, die den Mitschnitt nun sehen wollen.

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Rechte Offensive in Südthüringen

Via der „Blick nach Rechts“:

Der Gasthof „Goldener Löwe“ in Kloster Veßra hat sich zu einem Veranstaltungsort für die braune Szene entwickelt.

Die rechtsextreme Offensive in Südthüringen trägt vor allem einen Namen: Tommy Frenck. Nur wenige Aktivisten in der rechten Szene treten seit geraumer Zeit sowohl öffentlich auf der Straße oder bei Veranstaltungen derart in Erscheinung wie der Endzwanziger. Dauerpräsenz zeigt er auch auf seiner offen einsehbaren Facebook-Seite. Vor Jahren noch offen unter dem Segel der NPD unterwegs, agiert er nun als vermeintlicher Kümmerer mit Kreistagsmandat für das „Bündnis Zukunft Hildburghausen“. Und speziell Hetzparolen, rassistischer Humor oder weitergeleitete Hasstiraden gegen Flüchtlinge verbreitet er nur allzu gern.

Zugenommen hat Frencks Schlagzahl als treibende Kraft, seitdem er Ende vergangenen Jahres in dem 15 Minuten von Hildburghausen entfernten Örtchen Kloster Veßra einen heruntergekommenen Gasthof namens „Goldener Löwe“ für 80 000 Euro erworben hat. Dort wie auf dem dazugehörigen Außengelände haben seitdem diverse Szene-Veranstaltungen stattgefunden. Selbst ordnungsrechtliche Auflagen bremsen Frenck nicht in seinem Tatendrang. Heikle Events gerade auch im Musikbereich deklariert er als politische Veranstaltungen um, benennt mindestens einen Redner und kommt mit dieser Methode des Absicherns gegen behördliches Einschreiten bisher problemlos durch. Ansonsten beschreitet er verwaltungsrechtliche Schritte.

Immer wieder tritt er auch als Demonstrationsanmelder auf. Erst vor einigen Tagen gab es ein so genanntes „Thügida“-Organisationstreffen, an dem Frenck mit anderen Rechtsextremisten wie zum Beispiel NPD-Kader David Köckert mitwirkte. Dies zeigte im Übrigen, dass die besagte Protestbewegung in Thüringen eindeutig neonazistisch gesteuert ist.

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NS-Hardcore im Nachbarland

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

Tschechien (Liberec) – Die Rechtsrock-Band „Painful Awakening“ aus Mecklenburg-Vorpommern soll am 7. November in Nordböhmen aufspielen.

Am 13. Juni traten sie bereits gemeinsam beim so genannten „Patriot-Rock“ in Ostböhmen auf, nun wiederholt sich die Rechtsrock-Begegnung: Am 7. November soll in der Tschechischen Republik wieder Hardcore-Musik mit NS-Gesinnung erklingen, diesmal in Nordböhmen. Dafür angekündigt werden neben der einheimischen Band „Saubande“ auch die aus dem Raum Güstrow kommende und seit Ende 2005 aktive Combo „Painful Awakening“.

Diese besitzt offenkundig auch Kontakt ins „Blood&Honour“-Netzwerk, spielte sie doch 2008 bei einem Konzert dieser internationalen Organisation in Budapest. Doch auch in der hiesigen Neonazi-Szene haben die Bandmitglieder aus Mecklenburg-Vorpommern einen festen Platz. Im Februar grüßten sie zuletzt den inhaftierten und im NSU-Prozess in München mit auf der Anklagebank sitzenden Ralf Wohlleben zu dessen Geburtstag mit der Forderung „Freiheit für Wolle“, dem Spitznahmen des Thüringers. (hf)

Quelle

Zahl der Anschläge auf Flüchtlingsheime steigt drastisch

Via „MDR“:

In Deutschland kommt es nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zunehmend zu Gewalttaten gegen Flüchtlinge. „Wir haben einen massiven Anstieg fremdenfeindlicher Übergriffe auf Asylbewerber“, sagte der Minister den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Insgesamt gab es in diesem Jahr bereits mehr als 490 Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte.“ Zwei Drittel der Tatverdächtigen seien „Bürger aus der Region, die sich bisher nichts zu Schulden kommen ließen“, berichtete de Maizière. Dieser Zuwachs an Menschen, die Gewalt anwenden, sei besorgniserregend.

Die jetzt von de Maizière genannte Zahl von 490 Straftaten, die sich gegen bewohnte oder unbewohnte Asylunterkünfte gerichtet haben, ist dramatisch höher als die für das vergangene Jahr. 2014 verzeichnete die Amadeu Antonio-Stiftung 153 gewalttätige Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, darunter 35 Brandstiftungen.

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Zollbeamter betreibt Nazi-Feriendorf

Ein Beamter des Zolls führt gemeinsam mit seiner Frau das ‚Niederschlesische Feriendorf‘. Die Bungalowsiedlung am Quitzdorfer See in der Nähe von Görlitz ist bei Rechtsextremen beliebt. Das berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe. Der Zollbetriebsinspektor Helge Redeker ist seit drei Jahrzehnten in der rechten Szene aktiv. Seit 2001 finden auf dem Gelände des Feriendorfs Veranstaltungen aus dem rechten Spektrum statt. Neben Treffen rechter Kameradschaften, Konzerten der rechtsextremistischen Band ‚Sleipnir‘, der Rechtsrocker ‚Sturmwehr‘ oder ‚Brutal Attack‘ oder des “Nazi-Liedermachers” Frank Rennicke, fanden immer wieder Veranstaltungen von NPD, deren Jugendorganisation ‚Junge Nationaldemokraten‘ (JN) oder der mittlerweile als verfassungsfeindlich verbotenen ‚Heimattreuen Deutschen Jugend‘ (HDJ) auf dem Gelände statt. Im Jahr 2011 löste die Polizei ein Treffen von JN-Anhängern auf, weil der Verdacht einer HDJ-Nachfolgestruktur vermutet wurde. Das Hauptzollamt Rosenheim wollte sich auf Anfrage nicht zu den rechten Aktivitäten seines Beamten im mittleren Dienst äußern.

via zeit: Zollbeamter betreibt Nazi-Feriendorf

SÜDBADISCHE RECHTSEXTREME WOLLTEN ROHRBOMBE IN JUGENDZELTLAGER ZÜNDEN

„TV Südbaden“ berichtet:

einen Sprengstoffanschlag auf ein antifaschistisches Sommercamp für Jugendliche geplant haben.

Vor dem Amtsgericht Emmendingen müssen sich nächste Woche deshalb drei mutmaßliche Rechsextreme verantworten. Laut Staatsanwaltschaft hatten die drei 25, 26 und 44 Jahre alten Männer geplant, mit einem Modellflugzeug eine Rohrbombe über dem Zeltlager abzuwerfen. Diese hatten sie demnach bereits zusammengebaut und in einer Wohnung versteckt. Allerdings hatten sie ihren Plan nach einem ersten Sprengstoffanschlag in Dortmund wohl vorübergehend auf Eis gelegt. Damals waren mehrere Demonstranten, ein Polizist, sowie ein Landtagsabgeordneter der Piratenpartei verletzt worden. Derbeschuldigte 25-Jährige hatte den Sprengkörper damals gezündet, heißt es. Ihnen wird jetzt unter anderem unerlaubter Besitz von explosionsgefährlichen Stoffen, das Herbeiführen einer Explosion und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Kennengelernt hatten sich die drei Angeklagten bei einem so genannten „Heldengedenken“ der Neonazi-Szene.

Quelle

»Die Rechte« expandiert

Neofaschistische Konkurrenz dehnt sich von West nach Ost aus und könnte der altbackenen NPD den letzten Schlag versetzen. Neuer Landesverband in Thüringen. Die neofaschistische Partei »Die Rechte« könnte sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für die NPD entwickeln. Letztere steckt seit Monaten in einer ihrer tiefsten Existenzkrisen, derweil gründete »Die Rechte« am 11. Juli einen neuen Landesverband. Diesmal in Thüringen. Wie die Internetseite »Thüringen rechtsaußen« berichtete, wurde der Neonazi Bert Müller zum Landesvorsitzenden gewählt, Marco Kern zu seinem Stellvertreter, Kevin Kern zum Schatzmeister und Jörg Krautheim aus Gera zum Landesgeschäftsführer. Zum »Landesorganisationsleiter« wurde Michel Fischer aus Tannroda bestimmt – ein Gewalttäter, der erst im vergangen Jahr zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, weil er gemeinsam mit seinem Vater ein 13jähriges Kind verprügelt hatte. Während die NPD aktuell mit Personalquerelen, finanziellen Engpässen und dem laufenden Verbotsverfahren zu kämpfen hat, versucht »Die Rechte« sich zunehmend als radikalere Kraft in Stellung zu bringen. Und dies nicht ohne Erfolg. So gilt Nordrhein-Westfalen als Keimzelle der noch jungen Partei. Infolge des im August 2012 vom dortigen Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) erlassenen Verbotes verschiedener »Kameradschaften« – unter anderem der militanten »Kameradschaft Aachener Land« und des »Nationalen Widerstandes Dortmund« – hatte »Die Rechte« in NRW erste Kreisverbände gegründet. Unter dem Schutz des Parteiengesetzes setzten die Neonazis aus den Kameradschaften ihre Offensive fort und umgingen so das Verbot gekonnt. Heute gilt die Ruhrgebietsmetropole Dortmund als ihre Hochburg in Westdeutschland. Mittlerweile vergeht kaum eine Woche, in der Neonazis aus der Partei »Die Rechte« nicht gegen Flüchtlinge aufmarschieren oder mit Provokationen öffentliche Aufmerksamkeit einheimsen. Etablierte Politik, Polizei und Inlandsgeheimdienste lassen sie nahezu ungestört agieren und begnügen sich mehrheitlich mit Empörungsgesten. Der aktionistische harte Kern der rechten Parteigänger besteht in Dortmund aus knapp über 60 Personen. Das Mobilisierungspotential liegt deutlich darüber. Eine Ausstrahlungskraft übt »Die Rechte« vor allem auf jüngere Neonazis aus.

via jw: »Die Rechte« expandiert

Sa. 10.10. R.A.S.H. München presents: Malasuerte Fi Sud

Ausgehtip:

Im Münchner „Backstage“ findet auch dieses Jahr wieder das „Pogorausch-Festival“ statt. Unter dem Motto „no racism, no sexism, no homophobia – just Dance“soll ein Zeichen gegen Nazis und Grauzone gesetzt werden. Dass dieses Vorhaben einfach nur heiße Lust ist, erkennt mensch spätesten beim Line-up! Bands wie „Booze & Glory“, „The Templars“ oder „Secret Army“ sind kein Zeichen gegen die Grauzone. Sie sind die Grauzone! Mit diesem Konzert wollen wir anfangen, wieder die klare Grenze zu ziehen, die es einst gab. Weg mit dieser trüben „Unity“-Scheiße, denn diese ist absoluter Müll!

Konzert mit „Malasuerte Fi Sud“ (Ska Punk aus Florenz)

Die T-Killas mussten krankheitsbedingt ausfallen.
Support: Rotten Shock (Punk, München)

Quelle

Grauzonenkonzert im Bi Nuu in Berlin

Via RASH Berlin-Brandenburg:

Heute vor 10 Jahren organisierten RASH Berlin-Brandenburg und die Antifaschistische Linke Berlin mit Unterstützung von Fire & Flames im damaligen Kreuzberger Kato ein grandioses Konzert mit The Oppressed, Jeunesse Apatride und Freiboiter! Traurig nur, dass im Nachfolgeladen Bi Nuu fast auf den Tag genau 10 Jahre später ein rechtsoffenes Konzert mit den Bullenschubsern, OHL, Evil Conduct und Thee Flanders stattfindet. Das zeigt leider, dass auch in Berlin mittlerweile die rechtsoffenen Teile der Skinheadsubkultur die Szene dominieren (zumindest im Konzertbereich). Für uns ein Ausdruck der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung nach Rechts. Wir kämpfen auf jeden Fall weiterhin für bessere Skinhead Times! Siempre antifascista!

Moscow Death Brigade & What We Feel „Here to Stay“

[HH] Auswertung zum 12.09.

Via „Indymedia Linksunten“:

Der „Tag der Deutschen Patrioten“ am 12.09.2015 verlief nicht so, wie die Neonazis es geplant hatten. In einem Eilverfahren entschied das Bundesverfassungsgericht in der Nacht zu Samstag, dass der „Tag der deutschen Patrioten“ verboten bleibt. Trotz des Verbots erschienen an diesem Tag einige Neonazis in Hamburg.

Der Orga-Kreis koordinierte etwa 30 meist voll besetzte Autos und etwa 200 Neonazis die mit dem Zug unterwegs waren zwischen Hamburg, Bremen und Kirchweyhe. Inklusive der dezentralen Aktionen waren am 12.09. innerhalb Deutschlands etwa 500 Neonazis unter dem Motto „Tag der Deutschen Patrioten“ unterwegs.

Im Vorfeld der Demonstration wurden laut Thorsten de Vries‘ Aussage bereits um die 500 polizeiliche Aufenthaltsverbote für Neonazis und rechte Hooligans in ganz Deutschland ausgestellt. Außerdem hätten Busunternehmen sieben bereits gebuchte Busse, die aus Süddeutschland kommen sollten, abgesagt, sodass Neonazis aus dem Raum Süddeutschland eine 16-stündige Zugfahrt auf sich hätten nehmen müssen, um an einer verbotenen Veranstaltung in Hamburg teilzunehmen. Was De Vries‘ von den unflexiblen Kameraden hält, äußerte er zuvor in hier sichergestellten Sprachnachrichten (1).

In Anbetracht eines drohenden Verbotes riefen sowohl de Vries als auch Marcel Kuschela bereits Tage zuvor dazu auf, dennoch nach Hamburg zu reisen. Am Freitag Nachmittag, vor Verkündung des endgültigen Verbotes, verbreitete die Orga-Truppe ihren Plan B: „Moin moin, Hamburg wird natürlich weiter bis ins letzte Gericht geklagt, wenn wirklich etwas nicht so laufen sollte wie wir es möchten dann wird Plan B greifen. Plan B wurde auf dem Orgameeting in Hamburg ohne Handys besprochen, und wie der Plan läuft wissen nur die Leute die in diesem Zimmer saßen. Die Anreise wäre für alle fast die selbe und die Reisegruppen werden einwenig umgeleitet. Also es heißt natürlich weiterhin: ALLES FÄHRT RICHTUNG HAMBURG !“

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Rechtsrockkonzerte im September 2015

Unsere monatliche Übersicht bezüglich Rechtsrockkonzerten bundesweit und international:

- 4.-6.9.2015: Roccelletta di Borgia/Italien: „AlPoCat“, „Veneto Fronte Skinheads“ und die „White Criminals Crew“ präsentierten das „Erebor Camp 2015“ mit neonazistischen Bands, Sport, Konferenz etc.

- 5.9.2015: Frankreich: „Blood & Honour Hexagine“ organisierte ein „ISD Memorial Concert“ mit den neonazistischen Bands „Irrecductibles“, „Match Retour“, „Whitelaw“ und „Acciaio Vincente“.

- 5.9.2015: Finnland: Die finnische Hammerskin-Sektion „Crew 38 Finnland“ veranstaltete ein NS-Konzert mit den Bands „Goatmoon“ (NSBM) und „Vapaudenristi“.

- 5.9.2015: Sachsen: „Mobi für den TddZ 2016 – Freiheit für Horst Mahler“ – NS-Konzert mit den Bands „Sachsonia“, „Tätervolk“, „Die Lunikoffverschwörung“, „Überzeugungstäter Vogtland“ aka „Selbststeller“ und „Uwocaust“.

- 5.9.2015: „Voxhall“/Aarhus (Dänemark): „Big Bite Productions“ präsentierten ein stark rechtslastiges Konzert u.a. mit der RAC-Band „Superyob“, „Infa-Riot“, „Last Seen Laughing“ und „Control“. Bereits am Abend zuvor fand eine „Opening Night“ mit dem Rechtsrocker „Frankie Flame“ und den „Crombie Bruisers“ statt.

- 11.-13.9.2015: Caso Primo bei Mailand Italien: Casa Pound Sommerfest:
Rechtsrockkonzert mit “Anti Decreto Legge 122 (A.D.L.122) und Dodicesima Disposizione Transitoria (DDT) aus Mailand, Bellator aus Pordenone, Drizzatorti aus Viterbo, Bronson und ZetaZeroAlfa aus Rom.

Bei dem Konzert dürften wohl die Meisten der, nach CasaPound Angaben, 2.000 bis 3.000 Besucher anwesend gewesen sein.

Für ein Direktübertragung sorgte ein Internetstream von Europalive, sowie das Radio Bandiera Nera (RBN). Dieses führte diverse Interviews. So z. B. mit dem Abgeordneten Mimmo Gianturco, der als regionaler CasaPound Verantwortlicher für Sovranità im Parlament der kalabrischen Kleinstadt Lamezia sitzt. Oder dem Sprecher der Goldenen Morgenröte Kostantinos Boviatsos, der eine Veranstaltung zur Golden Dawn abhielt.“

Quelle: http://oireszene.blogsport.de/2015/09/19/mailand-casapound-italia-direzione-rivoluzione-2015/

- 12.9.2015: Berzy-Le-Sec/Frankreich: RAC-Konzert mit „Code 1“, „The Patrons“, „Tattoed Mother Fuckers“ und „Les Eburons“.

- 12.9.2015: „Mitteldeutschland“: Es wurden die NS-Bands „Blutzeugen“, „Hope fort he Weak“, „Helle und die RAC´ker“, „Thematik 25“ und „Blindfolded“ (Holland) angekündigt.

- 12.9.2015: Nordfrankreich: Es soll ein NS-Konzert mit ausschliesslich deutschen Bands stattgefunden haben: „12 Golden Years“, „Radikahl“, „Wolfsfront“ und „Feindbild Deutsch“.

- 12.9.2015: „Stormmusic Club“/Decin (Tschechien): „Storm of Underground I“ – NSBM-Konzert mit den Bands „Permafrost“, „Sekhmet“, „Chronik“, „Claymore“ und „Poprava“.

- 12.9.2015: Budapest/Ungarn: “Blood & Honour Ungarn” veranstaltete ein “ISD Memorial Concert” mit den NS-Bands “Romantikus Eröszak”, “Rémkoppintók”, “Redneck 28” (Wales) und “Kitörés”.

- 19.9.2015: Melbourne/Australien: “Blood & Honour Australien” und die “Southern Cross Hammerskins” präsentierten ein “ISD Memorial Concert” mit diversen Bands.

- 19.9.2015: Ungarn: “Blood & Honour”-Konzert mit “Old Lu“ aka „Luni“ und eine unbekannte Überraschungsband. Ausserdem wurde die Naziüberzeugungstäterin Edda Schmidt als Referentin/Rednerin angekündigt.

- 25./26.9.2015: England: „Blood & Honour UK“ organisierte wie jedes Jahr ein grosses „ISD Memorial Concert“ mit fast allen zur Zeit aktiven englischen „Blood & Honour“-Bands und unbekannten europäischen Gästen. Angekündigt waren u.a.: „Stevie“, „John“ („Memesis“), „Prime Suspects“, „Redneck 28“, „March or Die“, „Section 88“, „Whitelaw“, „Blackout“ und „Brad“. Anwesend waren diverse “Blood & Honour Divisionen” und “Hammerskin-Sektionen” aus ganz Europa. U.a. waren auch die „Hammerskins Berlin“ und das in Deutschland verbotene „Blood & Honour“-Netzwerk aka „Brooderhood Deutschland“ mit eigenen Bannern vor Ort. Soviel zu effektiver staatlicher Verbotspolitik – von der wir allerdings sowieso nichts halten…

- 26.9.2015: Passau: „Weekend Warriors Tour“. Stark rechtslastiges Konzert. U.a. mit den Rechtsrockern von „Martens Army“, der RAC-Band „Agitators“, den „Krawallbrüdern“ aka „Böhse Brühder“, „Control“ und „Restrisiko“.

Zur Militanzdebatte in der „Kameradschaft Jena“

Via „Nebenklage NSU-Prozess“:

Sodann wurde ein Zeuge weiter vernommen, der Gründungsmitglied der Kameradschaft Jena gewesen war und bereits bei seiner letzten Vernehmung einiges zur Ideologie usw. ausgesagt hatte (vgl. den Bericht vom 16.09.2015).

In einer polizeilichen Vernehmung hatte der Zeuge von Diskussionen zur Bildung einer militanten Organisation berichtet, die entstanden seien, nachdem man sich Videos über die rechte Szene aus Skandinavien angeschaut habe. Diese Aussage hatte er bereits bei seiner ersten Vernehmung in München bestätigt. Heute gab er auf Nachfrage an, es habe sich dabei um die sogenannten „Kriegsberichter“-Videos eines skandinavischen Blood and Honour-Vertriebs gehandelt. In den Videos, so der Zeuge, seien Ausschnitte von Konzerten, aber auch von durch Nazis durchgeführte nWehr- oder Sprengübungen gezeigt worden. Nun schränkte er aber ein, er habe sich wohl zeitlich vertan, diese Filme seien erst ab 1997/98 erschienen, daher müsse er sie wohl mit anderen Freunden gesehen haben. Allerdings konnte er keinerlei Angaben machen, um welche Freunde es sich dabei gehandelt habe .Er konnte auch nicht erklären, welche Umstände denn dann Auslöser für die Diskussionen innerhalb der Kameradschaft Jena zur Bildung einer militanten Organisation gewesen seien. Auch als ihm vorgehalten wurde, dass die „Kriegsberichter“-Videos sehr wohl ab 1996 vertrieben wurden, reagierte er weiterhin abwehrend. Es wurde sehr deutlich, dass der Zeuge sich einerseits in der zeitlichen Einordnung des Geschehens schlicht getäuscht hat, andererseits aber auch sich und vor allem seine damaligen Kameraden schützen will.

Diese Entlastungstendenz wurde auch an einem weiteren Punkt sehr deutlich. Der Zeuge wurde gefragt, ob er in der damaligen polizeilichen Vernehmung Streichungen vorgenommen hatte, was er verneinte. In der Vernehmung ist aber der Satz „Als wir über eine militante Organisation gesprochen haben, wurde nicht erwähnt, wo man sich Waffen beschaffen konnte“, per Hand ausgestrichen, die Veränderung mit dem Namenskürzel des Zeugen bestätigt, und auf Vorhalt dieser Tatsachen bestätigte er, dass die Streichung „mit seinem Einverständnis“ geschehen sei. Damals wollte er also offensichtlich nicht deutlich werden lassen, wie häufig die Durchführung gewalttätiger Aktionen Thema war, heute wollte er von den Diskussionen über solche Aktionen im Zusammenhang mit den gemeinsam angeschauten Videos nichts wissen. Der Frage, was er denn in der Vernehmung damals tatsächlich gesagt hat, wird noch weiter nachzugehen sein.

Quelle