„In Stahlgewittern“: Einblicke in die rechte Neofolk-Szene

Via „Antifa-Infoblatt“:

Für den 28. März 2015 kündigte die Band „Allerseelen“ ein Konzert in Berlin-Kreuzberg an. Halb-konspirativ organisiert war der Ort erst 24 Stunden vor Konzertbeginn zu erfahren, allerdings auch nur, wenn man das rund 40 Euro teure Ticket erwarb. Trotz dem medialen Interesse in den Tagen vor dem Konzert und einer erhöhten Aufmerksamkeit seitens antifaschistischer Initiativen konnten „Allerseelen“ gemeinsam mit „The Grimsel Path“ ungestört im Kreuzberger Club „Chesters Inn“ in der Glogauer Straße im kleinen Kreise auftreten.

Gerhard Petak, alias „Kadmon“ bzw. „Helmstatt“, ist Sänger und kreativer Kopf der seit 1987 bestehenden österreichischen Formation „Allerseelen“. Am Bass ist Marcel Petri und Christien H. am Schlagzeug. Musikalisch angesiedelt zwischen Neofolk, Dark Wave und Military Pop vertont die Band Esoterisches und Okkultes, dessen Ursprung nicht selten im Nationalsozialismus zu finden ist. Mit dem Album „Gotos=Kalanda“ kombiniert das Projekt um Petak Ambient-Klänge mit Texten des gleichnamigen Gedichtzyklus’ des SS-Brigadeführers Karl Maria Wiligut. Wiligut, Leiter des Archivs im Rasse- und Siedlungshauptamt des Dritten Reichs, war federführend an der Entwicklung der mystischen Seite der SS beteiligt, etwa durch den Entwurf des Totenkopfrings oder die Umgestaltung der Wewelsburg.1

Auch die bei Neonazis beliebte „Schwarze Sonne“, welche als Bodenornament im ­sogenannten Nordturm der Wewelsburg eingelassen ist, ziert jenes Album. „Allerseelens“ fünftes Album „Neuschwabenland“ bezieht sich durch den Titel auf die gleichnamige Expedition der Nationalsozialisten in der Antarktis.2 Besonders die mystische Seite des Natio­nalsozialismus scheint Petaks kreative Quelle zu sein. In vielen seiner Werke sind Bezüge zu Leni Riefenstahls Film „Das Blaue Licht“ erkennbar. Das Cover der Single „Alle Lust will Ewigkeit/Traumlied“ zeigt Riefenstahl in Gestalt des Mädchens „Junta“, die Hauptprotagonistin des Films. Die Platte selbst ist mit der „Schwarzen Sonne“ gestal­tet. Riefenstahl, welche nach der Machtübernahme 1933 enge Vertraute von Joseph Goebbels war und Propaganda-Filme wie „Triumph des Willens“ produzierte, beschreibt Petak als „wunderschöne und starke Frau“ und stand laut eigener Aussage vor einigen Jahren mit ihr in Korrespondenz. Die Idee Riefenstahls, „Das Blaue Licht“ neu zu vertonen, setzte er allerdings nie um.3

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