Staatsaffäre Popmusik

Das „Neue Deutschland“ berichtet:

European Song Contest und die Renationalisierung der Musikkritik

Nichts mehr los in der Welt als Krieg und Terror? Weit gefehlt. Endlich hatte die Nation mal wieder ein Thema. Eines, das Bedeutung hat: Xavier Naidoo darf die Nation nicht beim European Song Contest vertreten!

Nichts mehr los in der Welt als Krieg und Terror? Weit gefehlt. Endlich hatte die Nation mal wieder ein Thema. Eines, das Bedeutung hat und die Einzelnen zu einem Wir vereint: Xavier Naidoo darf die Nation nicht beim European Song Contest (ESC) vertreten! Das dröhnte tagelang von der Titelseite der »Bild« über »Tagesschau« und »Spiegel« bis in die linke Medienwelt. Und so kam es: Am Samstag machte, prominent platziert in den Abendnachrichten, die Neuigkeit die Runde, dass der federführende NDR einen Rückzieher macht.

Es hat Naidoo wenig geholfen, dass er, wiewohl sein Zuckersoul natürlich Geschmackssache ist, im Gegensatz zu jüngst entsandten MusikdarstellerInnen etwas vom Fach versteht und womöglich einen eigenen Song abgeliefert hätte statt des üblichen Schrotts aus den Hitfabriken. Es hat ihm auch nicht geholfen, dass er jüngst in einem Brief an die Kanzlerin gemeinsam mit etwa den »Ärzten« und Nena für die gleichgestellte »Ehe für alle« plädiert hat oder mit dem Projekt »Brothers Keepers« langjährig gegen Rassismus eingetreten ist. Gemessen wurde er an Ausführungen, die nach Sympathie mit rechtsobskurantistischen Sektierern klangen oder an Songtexten, die sich als homophob oder gar antisemitisch auslegen ließen. Man befand, dass dieser Hintergrund kein guter Beitrag sei zu dem vor allem in der schwullesbischen und Queerkultur populären TV-Event. Xavier Naidoo? Das ist nicht Deutschland!

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