„Tickende Zeitbomben“

Via der „Blick nach Rechts“:

Anschläge auf eine Bürgermeisterkandidatin und eine Schule – das „Lone Wolf“-Phänomen im Rechtsterrorismus anhand von zwei Fällen.

Mit dem Anschlag auf die Bürgermeisterkandidatin Henriette Reker am 17. Oktober dieses Jahres in Köln und den Morden an einer Schule in Trollhättan am 22. Oktober hat es binnen weniger Tage zwei Fälle von „Lone Wolf“-Terrorismus in Deutschland und Schweden im Lichte einer von Fremdenfeindlichkeit gegen Flüchtlinge geprägten Stimmung gegeben. Die Bezeichnung meint eine Einzelperson, die ohne Anleitung von anderen und ohne Einbettung in eine Gruppe eine terroristische Tat begeht. Nachstehend sollen die beiden Fälle dargestellt und untersucht werden: Es geht erstens um die Beschreibung der Ereignisse, zweitens um die Darstellung der Person und drittens um die Erörterung des Kontextes. Bei dem letzt genannten Aspekt soll ein Gesichtspunkt gesondert in den Blick genommen werden: Auch der Einzeltäter- und „Lone Wolf“-Terrorist wird nicht als ein solcher geboren. Es gibt bereits zuvor bestehende mentale und politische Prägungen, welche die Entwicklung hin zu dieser besonderen Form von Gewaltanwendung erklären.

Da dieser Aspekt bei dem Einzeltäter- beziehungsweise „Lone Wolf“-Terrorismus mitunter falsch verstanden wird, bedarf es zunächst noch einer Benennung der Merkmale: Die Personen agieren erstens allein als Individuen, sie folgen zweitens keiner Gruppe und ihre Handlungen sind drittens selbst bestimmt. Dabei fällt der Blick auf die konkrete Tat, das heißt ein Einzeltäter kann durchaus Angehöriger einer Gruppe oder Mitglied einer Organisation gewesen oder noch sein. Der entscheidende Aspekt besteht darin, dass der Anschlag oder das Attentat als konkrete Handlung von ihm selbst ohne Einwirkung von Hierarchie oder Struktur umgesetzt wurde. Die Bezeichnung „Lone Wolf“-Terrorist steht lediglich für die konkrete Tatplanung. Sie bestreitet weder, dass die Akteure sich beispielsweise durch Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft motiviert fühlen, noch, dass ihre einschlägige Gewalt- und Ideologiefixierung eine Folge der Sozialisation in der rechtsextremen Szene ist. Die Annahme, wonach ein Rechtsterrorist keine derartige Prägungen aufweise, wäre wirklichkeitsfremd.

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