Neonazismus auf der Insel Rügen

Das „Antifaschistische Infoblatt“ schreibt:

Das Thema Neonazismus ist auf der reichen Urlaubsidylle aus Angst vor Imageschaden nahezu ein Tabu. Die Ermordung des Obdachlosen Horst Gens aus sozialdarwinistischen Motiven, die NS-Vergangenheit Rügens sowie andere neonazistische Taten werden verschwiegen oder verharmlost.
Michael Lausberg

Immer wieder gab es überregionale negative Schlagzeilen über Rügen und seine Neonazis, die an der idyllischen Fassade der Urlaubsinsel kratzten. Der schlimmste Vorfall war die Ermordung des Obdachlosen Horst Gens aus sozialdarwinistischen Motiven. Am 22.4.1997 wurde Horst Gens in Sassnitz von vier jungen Männern entführt. Sie attackierten das 50-jährige Opfer und warfen ihn schließlich in einen Straßengraben. Als die Täter später nochmals vorbeikamen, erschlugen sie Horst Gens mit einem 30 Kilogramm schweren Stein. Laut Staatsanwaltschaft Stralsund wollten die Täter im Alter zwischen 18 und 29 Jahren einen „Assi klatschen“. Diese Aussage ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass die vier jungen Männer aus einer sozialdarwinistischen Motivation heraus gehandelt haben. Das Landgericht Stralsund verurteilte die Schläger wegen Mordes zu Jugendstrafen zwischen sechs und zehn Jahren. Der Fall Horst Gens wird jedoch offiziell (noch) nicht als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt.

Rügen war schon in der Weimarer Republik eine rechte Hochburg. Die Insel war einer der wenigen Landkreise, wo die NSDAP per Wählervotum eine absolute Mehrheit erreichte. Ein Großteil der Bevölkerung Rügens war am Bau des Bades der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) in Prora mitbeteiligt.1 Im Zweiten Weltkrieg diente Sassnitz als relativ bedeutender Standort der Kriegsmarine. Zwei Marine-Artillerie-Schulen, ein Güterbahnhof, Flak-, Funk- und Radar-Anlagen, sowie ein Hafen für U-Boote, Zerstörer und Torpedo-Boote gehörten zur Einrichtung des Stützpunktes.2

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