International verflochtenes braunes Netzwerk

Der „Blick nach Rechts“ schreibt:

Die militante „Misanthropic Division“ ist über die Ukraine hinaus aktiv – am 26. März soll ein Rechtsrock-Konzert mit Bands aus verschiedenen Ländern in Kiew stattfinden.

Ebenso wie es „Blood&Honour“(B&H) oder die „Hammerskins“ geschafft haben, sich innerhalb der rechten Szene ein internationales Netzwerk aufzubauen, ist dies auch der Ende Oktober 2013 in Kiew gegründeten Gruppierung „Misanthropic Division“ (MD) gelungen. Mit deutscher Beteiligung soll am 26. März in der ukrainischen Hauptstadt mit fast fünfmonatiger Verspätung das zweijährige MD-Bestehen gefeiert werden.

Die ukrainische Organisation ist militant, gewaltbereit und willens, für ihre offen faschistischen Ziele auch Waffen einzusetzen. Nicht von ungefähr finden sich im ukrainischen Freiwilligen-Bataillon Azow, das sich in der Ost- und Südostukraine im Krieg gegen von Russland unterstützte Separatistentruppen befindet, sehr viele Neonazis mit MD-Anbindung. In der selbst ernannten Kampfeinheit der weißen Rasse trifft man sie zum Teil bis an die Zähne bewaffnet. Sie betrachten Russland historisch und aktuell als einen Erzfeind, reden aber davon, als ganz großes Ziel Europa befreien zu wollen. Die Azow-Kämpfer und MD-Aktivisten schmücken sich mit Emblemen des Nationalsozialismus. Die MD-Bewegung steht an der Seite der „Sozial Nationalen Versammlung“ (SNA), einer Untergruppe des „Rechten Sektors“.

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Klare Ausrichtung zum arischen Germanentum

MD distanziert sich dabei gerne von SNA und vom „Rechten Sektor“, spricht lediglich von einem Zweckbündnis. SNA und Rechter Sektor seien zwar nationalistisch, selbst verortet man sich allerdings mit elitärem Habitus als nationalsozialistische Bruderschaft mit klarer Ausrichtung zum arischen Germanentum und zur nordischen Wikinger-Mythologie. Dafür hat man sich eine 14-Punkte-Doktrin gegeben und bewegt sich in der NS-Terminologie. Bei B&H und deren bewaffnetem Arm „Combat 18“ war der führerlose Widerstand mit kleinen autonom aufgestellten Aktionszellen die Leitlinie. MD ist dagegen stramm hierarchisch aufgebaut.

Binnen kurzer Zeit wurden nicht zuletzt durch bestehende B&H-Kontakte auch außerhalb der Ukraine internationale Verbindungen abgerufen beziehungsweise hergestellt. Ein Aspekt dabei war auch immer die Rekrutierung neonazistischer Söldner für den bewaffneten Kampf – mit einem realen Krieg und realen Fronten. Ähnlichkeiten bei der Anwerbung von internationalen Kämpfern mit dem Vorgehen des IS sind nicht von der Hand zu weisen. Auch MD streicht Ehre, Heldentum, Kulturgeschichte, Ideologie sowie die eigene Vision heraus und verknüpft alles miteinander zu einer vermeintlich großen Mission, bei der es um mehr als nur eine nationale Aufgabe gehe. Die Hauptbühne für das „große Ganze“ befindet sich momentan in der Ukraine, propagandistisch werden aber auch möglichst viele Nebenbühnen geschaffen. Darum hat MD sich den Zusatz „international“ gegeben.

Es geht MD natürlich auch um die Beschaffung von Geld und anderer logistischer wie materieller Unterstützung. Das Online-Label „Wiking“ mit T-Shirts von Adolf Hitler oder dem norwegischen Massenmörder Anders Breivik im Sortiment steht dafür. In Spanien betreibt MD gar ein eigenes Merchandising. Und so taucht das schwarze MD-Banner mit zwei Kalashnikovs, zwei Totenschädeln und dem Leitspruch „Töten für Wotan“ immer häufiger mitten in der rechten militanten Szene auf, ob nun bei Demonstrationen in Großbritannien oder Frankreich oder bei Werbeveranstaltungen der kulturfaschistisch orientierten „Casa Pound“-Bewegung in Italien. In der Schweiz wurde bereits zu Spenden für MD aufgerufen, in Polen wird ebenfalls die Werbetrommel gerührt. Der russische MD-Verbindungsmann Roman Zheleznov, von dem im Internet ein Foto mit einem T-Shirt und der Aufschrift „Auschwitz Death Brigade“ existiert, hat sich dafür eigens nach Warschau begeben.
„Lunikoff“ mit MD-Emblem

Über Europa hinaus kann MD derweil Anhänger aus den USA, Kanada und Brasilien aufweisen. Gekämpft wird bei Azov Seite an Seite mit Schweden, Finnen, Russen und Kroaten. Viele „Kampfbrüder“ kommen aus Russland und Weißrussland, inzwischen hat MD aber auch eine Sektion mit dem Untertitel „Girls“ eingerichtet. Dass auch hierzulande MD auf Interesse stößt, kann nicht wirklich verwundern. Gerne lässt sich beispielsweise der Berliner Ex-„Landser“-Sänger Michael Regener, besser bekannt als „Lunikoff“, mit dem MD-Emblem ablichten. Auf den verschiedenen MD-Seiten des russischen sozialen Mediums vk entdeckt man Verweise auf neue deutsche Rechtsrock-Alben, wie aktuell gerade von dem gemeinsamen Split-Produkt von „Hope For The Weak“ (Dresden) und „Selbststeller“ (Riesa).

Als Hauptact für das seit Anfang Dezember beworbene Konzert am 26. März wird „Kraftschlag“ um Sänger Jens-Uwe Arpe angekündigt. Nach MD-Angaben soll es das letzte Live-Konzert der früher dem B&H-Spektrum nahe stehenden Band sein. Ebenso soll Sebastian Döhring alias „Fylgien“ aus Berlin mit seiner Gitarre auftreten. Aus Weißrussland ist eine NS-Black Metal-Band eingeplant, deren Namen laut Veranstalter bewusst verschwiegen wird, dazu der Liedermacher mit dem Tarnnamen „Runa“. Aus der Ukraine sind die beiden „Rock AgainstCommunism“-Bands „Arya Varta“ sowie „Sokyra Peruna“ aufgelistet. Eine CD von letzterer Band, die auch mit einem Titel auf einem B&H-Sampler auftaucht, ist bei PC-Records in Chemnitz erschienen.

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